Steve Mason - Monkey minds in the devil's time

Steve Mason- Monkey minds in the devil's time

Domino / GoodToGo
VÖ: 15.03.2013

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Stilistische Odyssee

Der Teufel hat viele Gesichter und viele Namen. Er ist die Erscheinungsform der Leiden. Der gefallene Engelsfürst, der Lichtbringer, der Herr der Fliegen. Aber was er auch sein, wie viele Synonyme er auch haben mag, so bleibt er auf der Metaebene eine figurative Metapher. Ähnliches scheint sich auch Steve Mason, der vormalige Sänger der Beta Band gedacht zu haben. Das Cover seines neuen Albums ziert ein Ausschnitt aus "Jüngstes Gericht", einem Werk des Renaissance-Malers Giotto aus der Arena Kapelle in Padua. Treffend betitelt Mason sein neuestes Opus mit "Monkey minds in the devil's time". Aus der Perspektive des nimmermüden Songwriters scheint die Welt schlimm auszusehen. Aber nicht überall wo der Teufel drauf ist, ist er auch drin.

Mason ist kein Sonnenschein. Schon vor längerem macht er seine Depressionen publik. Statt sich aber darin zu verlieren, vermag das Gründungsmitglied der kreativ überbordenden The Beta Band, von Black Affair und der schrullige Kauz hinter den noch schrulligeren King Biscuit Time, seiner Depression künstlerische Höhenflüge abzugewinnen. Mason trotzt der Hölle, wie sie sein Cover suggeriert, ein volles Kilo Genialität ab, wenn er die Affengeister der teuflischen Zeiten als solche demaskiert.

"Monkey Mind" ist ein Begriff mit buddhistischem Hintergrund und bezeichnet allgemein schwankende, labil-launische und nicht fokussierte Geistesbewegungen. Abgelenkt ist Mason auf seinem dritten Solotrip nur stilistisch. Was die Qualität und strukturale Stärke seiner neuen Songs angeht, wird man schwer einen zweiten derart fokussierten Künstler auf der Insel finden. "Monkey minds in the devil's time" ist schlichtweg ein atemberaubendes Werk geworden. Einfach und voller zärtlicher Texturen, bewegend und überwältigend in seiner Formenvielfalt.

Mason bezeichnet das Werk als eine Kampfansage. "The old problem" setzt dementsprechend mit einem sinister gemauschelten Text ein, bei dessen dargestellten Bildern und Themen die Horrorszenarien der johanneischen Apokalypse wie Entenhausen wirken, bevor der Meister mit engelszarter Stimme und der elegischen Melodie von "Lie awake" einsetzt. Der atmosphärische Einstieg ist geglückt. Was Mason danach zeigt, ist eine stilistische Odyssee, wobei er genauso rastlos irrt, wie der Protagonist von James Joyces Roman.

"A lot of love" zieht melancholiegeschwängert in die Hirnrinde und hält wohl die schönste Klaviermelodie des bisher jungen Jahres parat, während das getragene "Lonely" den Gospel aufsucht, um die Trauer abzuschütteln. Der Weg des "Monkey Mind" ist lang und Mason driftet dabei manches Mal von Singer-Songwriterstrukturen in dubbige Sphären ab, bis er schließlich unverhofft mit "More money, more fire" im R'n'B anlangt. Nicht nur Satan, auch der Kampf hat viele Gesichter. Und in den geht Mason mit entschlossener Miene.

(Peter Somogyi)

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Highlights

  • The old problem
  • A lot of love
  • Lonely

Tracklist

  1. The old problem
  2. Lie awake
  3. Flyover '98
  4. A lot of love
  5. The last of the heroes
  6. Lonely
  7. Safe population
  8. Friends for evermore
  9. Seen it all before
  10. From hate we hope
  11. Oh my Lord
  12. Goodbye youth
  13. Never be alone
  14. Behind the curtains
  15. More money, more fire
  16. Fire!
  17. Operation Mason
  18. Fight them back
  19. Tower of power
  20. Come to me

Gesamtspielzeit: 58:57 min.

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