Fidlar - Fidlar

Fidlar- Fidlar

Wichita / PIAS / Rough Trade
VÖ: 01.02.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Was soll der Krach?

Fidlar sind jung und aufmüpfig, schreiben ihren Bandnamen gern in Versalien, singen über billiges Bier, Surfen und das Slacker-Dasein an der Westküste. Will man noch hipper sein, muss man derzeit wahrscheinlich Electro machen. Fidlar spielen lieber Rock'n'Roll, bewegen sich aber in ihrem extrovertierten Rebellentum manchmal gefährlich nahe an der Grenze zum Klischee der jungen Hype-Band. Was die vier Jungs rettet, ist - ganz klischeehaft - die Musik. Ihr Debütalbum verteilt nämlich mehr Blut und Spucke, als der Jutebeutel verträgt.

Über den Text des Openers lässt sich zweifellos noch schmunzeln. Natürlich trinken die Jungs billiges Bier. Was könnte die Gleichgültigkeit gegenüber dem Establishment besser zum Ausdruck bringen als eine pisswarme Dose Hansa Pils? Eindrücklicher ist da schon die Form des Vortrages. Der verbissene Nihilismus, mit der die Band den Song so hinrotzt, als wäre knarziger Noiserock das heiße Ding der Stunde und Shellac dessen Posterchildren, ist doch ein Stückchen zu angepisst, um nur gespielt zu sein. Fidlar überdrehen von Beginn an alles genauso weit, dass sich im Magen ein leicht flaues Gefühl einstellt. Die LoFi-Gitarren sind in etwa so verzerrt wie die Stimme, der atemlose Gesang poltert mit Mühe hinter den Drums her und der schlichte Refrain setzt auf größtmögliche Disharmonie.

In den folgenden 13 Songs gibt sich die Band aber durchaus auch mal versöhnlicher. Vor allem schleichen sich immer wieder ausgewetzte Surfgitarren in Songs wie "No waves" oder "Max can't surf" ein. Der Kompromiss ist wohl, dass sich vor allem ersterer Song mit seiner leiernden Leadgitarre auch für die eine oder andere Tanzfläche qualifiziert. Wem der Bruch zwischen dem splitternden Lärm der ersten beiden Songs und dem durchaus vorhandenen Pop-Appeal im weiteren Verlauf der Platte sauer aufstößt, der möge sich doch darüber freuen, dass die Jugend von heute nicht nur schlechte Laune hat. Ein wenig wie ihre Leidensgenossen Titus Andronicus haben auch Fidlar ein Herz für überbordende Euphorie, wenn alles andere sowieso schon den Bach runtergegangen ist. Also schütteln wir unsere Extremitäten zu "Wake bake skate" und lassen uns bei "Gimmie something" die Sonnenstrahlen auf den Bauch scheinen.

Tendenziell steigt die Laune im hinteren Teil von "Fidlar" also leicht an. "5 to 9" lärmt eine Minute fröhlich in der Gegend herum wie eine Schülerband im Probenraum. Und "LDA" würde wohl als beatlesk durchgehen, wenn die Bengels den Song denn mal sauber spielen und ihre Gitarren stimmen würden. Zum Glück tun sie das nicht. Und obwohl die anfängliche Blutspuckerei zweifellos ein wenig abflaut, bleiben Fidlar angenehm unberechenbar und kaputt. Und wer das bis hierhin vergessen hat, dem bluten spätestens beim Rausschmeißer "Cocaine" noch einmal für drei Minuten die Ohren. Darauf ein billiges Bier.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Cheap beer
  • Max can't surf
  • Gimmie something
  • Cocaine

Tracklist

  1. Cheap beer
  2. Stoked and broke
  3. White on white
  4. No waves
  5. Whore
  6. Max can't surf
  7. Blackout stout
  8. Wake bake skate
  9. Gimmie something
  10. 5 to 9
  11. LDA
  12. Paycheck
  13. Wait for the man
  14. Cocaine

Gesamtspielzeit: 38:54 min.

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