Betty Dittrich - Gute Jungs, böse Mädchen

Betty Dittrich- Gute Jungs, böse Mädchen

EMI
VÖ: 22.02.2013

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Griff in die Beziehungskiste

Eines hat Betty Dittrich mit "Gute Jungs, böse Mädchen" definitiv geschafft: Das Album fällt tatsächlich aus der Zeit. Aber nicht aufgrund ihrer Schlagerthemen der 60er-Jahre, sondern ob des künstlich-koketten, süß inszenierten, niedlichen Mädchenbildes, das schon bei Annett Louisans "Das Spiel" vor Jahren zu Recht zu Stirnrunzeln führte. Da muss man letztlich fast schon zufrieden damit sein, dass dieses Kalkül um die gebürtige Malmöerin nicht aufgegangen ist und sie Deutschland beim diesjährigen Eurovision Song Contest nicht vertritt.

Dabei wäre gerade ihr Beitrag zum Vorausscheid die Reise in ihre Heimatstadt wert gewesen. Nicht unbedingt ob der riesigen Erfolgsaussichten, sondern weil ihr mit "LaLaLa" eine humorvolle Leichtigkeit geglückt ist, die man dazu als ihre Interpretation einer Mörderballade durchgehen lassen könnte. Auf die mysteriös verschwundenen Angelo und den Franz mit Haaren wie Ringo Starr lässt es sich dazu auch gut reimen, ohne in sich wiederholende Muster zu geraten. Dazu schafft "Fritz, der Kapitän" einen tollen tanzbaren Sunshine-Pop-Beat und im Duett mit Gesangspartner Christian Kühn gesellt sich bei "Hin und her" zu ihrem charakteristischen schwedischen Akzent ein ebenso schmachtender, männlicher Gesangspart, der das ganze erholsam ausbalanciert.

Leider muss man sich dafür in den restlichen Stücken durch die Klischees in den vielen Beziehungskisten wählen, die Dittrich unter ihrem Bett hervorgekramt hat. Zur Seite müssen die todtraurigen Streicher in "Leider geschlossen", die den Refrain inklusive "Gestern Abend war mein Herz weit offen / Aber wenn Du heute klopfst, hängt daran ein Schild / "Leider geschlossen" pomadig begleiten. Auch das stereotype "Böser Junge", in dem Betty tatsächlich erklärt, dass nun genug sei mit Kafka-Diskussionen, ein echter Mann müsse her, kann getrost aussortiert werden. Wenn man dann auch noch die vielen redundanten Handclap-Rhythmen entrümpelt hat, kann man sich um die vermeintlich auflockernden Akzente des Glockenspiels in diversen Refrains kümmern. Dazu stellt sich das Gefühl ein, die Stücke irgendwie anschieben zu müssen, wohl auch weil Frau Dittrichs Gesang so im Fokus steht und dabei musikalisch eigentlich nichts passiert. Die charmanten Pop-Momente gehen so zwischen den vielen Relikten erlebter oder auch nicht erlebter Techtelmechtel verschütt. Aber die Boxen mit den Andenken der Verflossenen werden ja sowieso nur gelegentlich zwischen den Vintage-Klamotten hervorgeholt. Mit Glück erwischt man dann nur die erinnerungswürdigen Überbleibsel.

(Andreas Menzel)

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Highlights

  • LaLaLa
  • Hin und her
  • Fritz, der Kapitän

Tracklist

  1. Berlin, Berlin, Berlin
  2. Vielleicht ja, vielleicht nein
  3. LaLaLa
  4. Komm nach Paris
  5. Böser Junge
  6. Hin und her
  7. Fritz, der Kapitän
  8. Herr Polizist
  9. Whoohoo
  10. Kein Rausch
  11. Sophie Marceau
  12. Leider geschlossen
  13. Blondes Gift

Gesamtspielzeit: 45:24 min.

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