Heather Nova - Wonderlust (live)

Heather Nova- Wonderlust (live)

V2
VÖ: 26.06.2000

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ein Hauch namens Heather

"I'm the Joan of Arc / I'm the girl next door" Heather Nova wünscht sich, sie wäre ganz normal. Kann jemand, der im Alter von sieben mit seinen Eltern das Festland verließ und die kommenden acht Jahre auf einem Segelboot verbrachte, überhaupt normal sein? Wohl kaum. Ein wenig verschroben wirkte sie denn auch schon immer. Ihre gehauchten Texte und vor allem ihr zartes Aussehen weckten in manchem Mann den Beschützerinstinkt. Natürlich wurde zunächst hauptsächlich die schleunigst erworbene CD vor dem Ungemach der Welt beschützt.

Liveauftritte scheinen nun eine besondere Leidenschaft dieser jungen Dame zu sein. Bereits ihr Debütalbum, welches es 1993 auf stattliche 40000 europaweit verkaufte Exemplare brachte, war ein Dokument der ganz besonderen Präsenz von Miß Nova auf den Brettern, die ihr die Welt bedeuten. Dank des Hits "Walk this world" und des nicht minder gelungenen Albums "Oyster" gelang der zerbrechlich wirkenden Sängerin der Durchbruch. Eine Live-EP und ein weiteres Studioalbum (plus natürlich diverse Touren mit jährlich ca. 100 Auftritten) später erscheint als Appetithappen für das um den Jahreswechsel herum erscheinende neue Studioalbum "Wonderlust". Natürlich ist es auch diesmal wieder ein Livealbum, das die Wartezeit der zahlreichen Fans verkürzen soll.

Warum auch nicht? Schließlich kann sich hier jeder von den unbestreitbaren Qualitäten Novas und vor allem ihrer exquisiten Liveband überzeugen. Sehnsuchtsvoll schwebende Songs wie "Paper cup", "Heal" oder "Doubled up" sorgen immer noch für Gänsehaut, während Songs wie "Make you mine" und "I'm the girl" die Gitarren heulen statt zwitschern lassen. Hits wie "Walk this world" und "Heart and shoulder" sind eh Selbstläufer, nur "London rain" geriet eine Spur zu seicht. Besonders stark ist Nova immer dann, wenn sie vergißt, mit ihrem Image zu kokettieren und statt dessen einfach ihre Songs geschehen läßt. "Island" jagt einem auch beim zwanzigsten Hören einen Schauer nach dem anderen den Rücken herunter. Ein Cello ist eben ein Cello, selbst mit andachtsvoll geschlossenen Augen. Das schon auf dem Debüt enthaltene "Sugar", damals schon das deutlichste Anzeichen des Novaschen Potentials, kommt auch hier wieder beeindruckend über uns. Beide Stücke vereinen die Stärken der Dame von den Bermudas: Zerbrechlichkeit und Durchsetzungskraft treffen hier aufeinander und potenzieren sich gegenseitig.

Wenn nach dem Bruce-Springsteen-Cover "I'm on fire" die das Publikum zum Ausgang bittende Titelmusik von "Unsere kleine Farm" eingespielt wird, bleibt somit ein einziger neuer Song. Wer schon beide Studioalben oder das Debüt besitzt, muß also abwägen, ob dieser freilich äußerst gelungene Track Argument genug für einen Kauf ist. Neueinsteigern in den leicht surrealen Kosmos einer selbstbewußten Frau, die von der Presse gerne als Elfe umschrieben wird, diese Bezeichnung selber aber haßt, sei "Wonderlust" also besonders ans Herz gelegt, stellt es doch eine Art "Best of" dar. Manch einer wird diese CD schon wegen des Lachens nach der Ansage zum letzten Track sogleich beschützend in den Arm nehmen wollen.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Walk this world
  • Island
  • Sugar
  • I'm on fire

Tracklist

  1. Winter blue
  2. Walk this world
  3. Island
  4. Heart and shoulder
  5. Paper cup
  6. London rain
  7. Not only human
  8. Doubled up
  9. Truth and bone
  10. I'm the girl
  11. Heal
  12. Make you mine
  13. Sugar
  14. I'm on fire

Gesamtspielzeit: 69:45 min.

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