Various Artists - Son of Rogues gallery - Pirate ballads, sea songs & chanteys

Various Artists- Son of Rogues gallery - Pirate ballads, sea songs & chanteys

Anti / Indigo
VÖ: 22.02.2013

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Schwert in Ordnung

Lieblings-Schlagzeile aus dem Jahr 2009: "Depp wird Sexiest Man Alive". Und weil hässlicherweise zu jedem Schönen ein Biest gehört, wurde er von der holden Vanessa aus dem Paradis vertrieben. Das erklärt natürlich auch, warum Depp, mit Vornamen Johnny, endlich Zeit hatte, den zweiten Teil seiner vor sieben Jahren erschienenen Compilation "Rogue's gallery: Pirate ballads, sea songs and chanteys" (neuerdings ohne Apostroph bei "Rogues") zusammenzustellen. Es lässt sich ebenfalls nicht verleugnen, dass dieses Projekt von seiner Tätigkeit als Captain Jack Sparrow in der Piratenreihe "Fluch der Karibik" inspiriert wurde, deren Regisseur Gore Verbinski auch bei der CD seine Finger im Spiel hatte - in der Rolle des Co-Produzenten. Aber nicht nur: Im ersten Lied, "Leaving of Liverpool", betont versoffen dargeboten von Pogues-Pirat Shane MacGowan, geben sich Depp wie auch Verbinski mit jeweils einem Gitarrensolo die Ehre. Die andere Klampfe spielt Wilco-Saitenmann Nels Cline. Im Song danach, Robyn Hitchcocks Version von "Sam's gone away", ist Peter Buck von den inzwischen aufgelösten R.E.M. an der Reihe.

Während die außerordentlich prominente Besetzung der Compilation durchaus zu erahnen war, sind die auffällig kuriosen Künstlerpaarungen eine echte Überraschung: Tom Waits und Keith Richards steuern mit "Shenandoah" und gefühlten 500 Promille eine herrlich zerfurchte Hommage an den Missouri bei, Michael Stipe und Courtney Love widmen sich derweil dem "Rio Grande", der dafür, dass er in den Rocky Mountains entspringt, dann aber doch ein bisschen zu harmlos klingt. Dass ein Depp nicht nur die Gitarre zupfen, sondern auch Schlagzeug spielen kann, beweist er als taktvoller Begleiter von Patti Smith, deren Song "The mermaid" ausnahmsweise kein traditionelles Piratenlied ist, sondern eigens für das Projekt geschrieben wurde. Iggy Pop lässt in seinem angemessen verhaltensauffällig vorgetragenen "Asshole rules the navy" A Hawk And A Hacksaw gleich zwei Akkordeone bedienen, während Nick Cave und die New Yorker Blues-Punk-Sängerin Shilpa Ray eine von einem Harmonium getragene, siebeneinhalbminütige Version des Brecht/Weill-Klassikers "Pirate Jenny" präsentieren. Und sich dafür ein anerkennendes Zahnlückenlächeln verdienen.

Im Meer dieser 36 Songs lässt sich zweifelsohne auch der eine oder andere nicht ganz so offensichtlich gülden schimmernde Schatz heben. Etwa Beth Ortons eindringlicher, beinahe meditativer Beitrag "Bamboo (River come down)", ein Akustikstück, das davon handelt, ein Bambusstöckchen ins Wasser zu werfen, still dessen Weg zu verfolgen und schließlich mitreisende Gedanken zu apportieren, flussaufwärts. Auch Ed Harcourts nur zur elektrischen Gitarre vorgetragenes und durch ein antikes Mikrofon geschicktes Stück "The ol' OG" hinterlässt nachhaltig Eindruck, ebenso das angenehm unaufgeregte "Wild goose" von Broken Social Scene und Antony Hegartys phänomenale Backing Vocals zu Kembra Pfahlers "Barnacle Bill the sailor". Bei Todd Rundgrens grandios deplatziert anmutender Dancepop-Darbietung "Rolling down to Old Maui" wünscht man sich allerdings eine Ohrenklappe. Dagegen sind die Spoken-Word-Beiträge von Dr. John, Ed Pastorini und Ricky Jay noch das reinste Vergnügen. Hal Willner, der auch dieses Mal die Oberleitung für das Projekt hatte, versichert im Booklet, dass diese Doppel-CD "not as much about torture, sodomy and death" sei wie ihr Vorgänger. Dafür ist sie auch dieses Mal wieder etwas zu umfangreich geworden, aber man kennt ja die Maßlosigkeit der Piraten. Ahoi!

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Leaving Liverpool (Shane MacGowan)
  • Bamboo (River come down) (Beth Orton)
  • Shenandoah (Tom Waits with Keith Richards)
  • The ol' OG (Ed Harcourt)
  • Pirate Jenny (Shilpa Ray with Nick Cave & Warren Ellis)
  • Wild goose (Broken Social Scene)

Tracklist

  • CD 1
    1. Leaving of Liverpool (Shane McGowan)
    2. Sam's gone away (Robyn Hitchcock)
    3. Bamboo (River come down) (Beth Orton)
    4. Row bullies row (Sean Lennon & Charlotte Kemp Muhl with Jack Shit)
    5. Shenandoah (Tom Waits with Keith Richards)
    6. Mr. Stormalong (Ivan Neville)
    7. Asshole rules the navy (Iggy Pop with A Hawk And A Hacksaw)
    8. Off to sea once more (Macy Gray)
    9. The ol' OG (Ed Harcourt)
    10. Pirate Jenny (Shilpa Ray with Nick Cave & Warren Ellis)
    11. The mermaid (Patti Smith & Johnny Depp)
    12. Anthem for old souls (Chuck E. Weiss)
    13. Orange claw hammer (Ed Pastorini)
    14. Sweet and low (The Americans)
    15. Ye mariners all (Robin Holcomb & Jessika Kenny)
    16. Tom's gone to Hilo (Gavin Friday & Shannon McNally)
    17. Bear away (Kenny Wollesen & The Himalayas)
  • CD 2
    1. Wedding dress song / Handsome cabin boy (Frank Zappa & The Mothers Of Invention)
    2. Rio Grande (Michael Stipe & Courtney Love with Jack Shit)
    3. Ship in distress (Marc Almond)
    4. In lure of the tropics (Dr. John)
    5. Rolling down to Old Maui (Todd Rundgren)
    6. Jack tar on shore (Dan Zanes with Broken Social Scene)
    7. Sally Racket (Katey Red & Big Freedia with Akron/Family)
    8. Wild goose (Broken Social Scene)
    9. Flandyke shore (Marianne Faithfull with Kate & Anna McGarrigle)
    10. The Chantey of Noah and his ark [Old school song] (Ricky Jay)
    11. Whiskey Johnny (Michael Gira)
    12. Sunshine life for me (Petra Haden with Lenny Pickett)
    13. Row the boat child (Jenni Muldaur)
    14. General Taylor (Richard Thompson with Jack Shit)
    15. Marianne (Tim Robbins with Matthew Sweet & Susanna Hoffs)
    16. Barnacle Bill the sailor (Kembra Pfahler)
    17. Missus McGraw (Anjelica Houston)
    18. The Dreadnought (Iggy Pop & The Elegant Too)
    19. Then said the captain to me (Two poems of the sea) (Mary Margaret O'Hara)

Gesamtspielzeit: 140:19 min.

Referenzen

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