Olly Murs - Right place right time

Olly Murs- Right place right time

Epic / Sony
VÖ: 08.03.2013

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Der Chartmützel

Kooperationen zweier Künstler kommen heutzutage auch ohne ein persönliches Treffen aus. So erreichte Flo Rida via Management die Anfrage von Olly Murs. Der Rapper hatte vom britischen X-Factor-Zweiten aus 2009 bislang zwar noch nichts gehört, fand seinen neuen Song aber dufte und wollte seine Zeilen zu "Troublemaker" beisteuern. Um das konsequent fortzuführen, drehte Murs das Video dazu in Los Angeles, Flo Rida seinen Teil rund 4000 Kilometer entfernt in Miami. So begegnet Murs einer Frau im Café, im Plattenladen und im Vorbeischlendern am Schaufenster, während bei Herrn Rida ein aufgemotzter Schlitten genauso auf- und abhüpft wie die wenig bekleideten Damen im Pimpmobil. So weit, so unpassend im Kontext. Erstaunlich dabei: Unter dem Strich klingen sie zusammen wie Maroon 5.

Die minimal angefunkte erste Single aus Murs' drittem Album "Right place right time" dürfte in Deutschland jedem bekannt sein, der a) auch nur einmal für den kürzesten aller Momente gängige Radiosender einschaltet, b) beim Dschungelcamp nur die Werbepausen gesehen hat oder c) sich für schlichte Popmusik interessiert. Denn nichts anderes erwartet ihn auf diesem Album. Ob da sich nun mal ein TripHop-Beat verirrt, in "Cry your heart out" Reggae unterschlüpft oder eben Flo Rida ein paar Zeilen rappen darf: Letztlich macht Murs konsequent Pop. Und das ist zunächst einmal ausdrücklich gutzuheißen. Denn dass Murs, der zwar am Songwritingprozess beteiligt war, letztlich aber mit vielen Textern und Produzenten kooperierte, ein koheräntes Album gelingt, ist nicht selbstverständlich. Kein Dance, kein Dubstep - im Prinzip die moderne Ein-Mann-Boyband. Schon "Army of two" unterstreicht das.

Auch wenn das Stück als potenzieller Filmsoundtrack beginnt, schiebt sich schnell der "Larger than life"-Beat der Backstreet Boys in den Vordergrund, ehe der Refrain an Take That als Quartett erinnert. Was insofern lustig ist, als dass Murs im Sommer 2013 mit Robbie Williams touren wird. Aber das nur als kleine Randnotiz eines Songs, der ihm wie etwa zwei Drittel von "Right place right time" immerhin einen Rentenvertrag an Radioeinsätzen sichern dürfte. Der 28-Jährige ist nämlich gerade dabei, so ziemlich alle anderen Teilnehmer aus dem X-Factor-Umfeld locker in die Tasche zu stecken und selbst der bislang inthronisierten Leona Lewis in die Casting-Suppe zu spucken.

"You telling me it's ok to get you undressed, ha, you know the rest", singt Murs in "Hey you beautiful". Inhaltlich wie musikalisch knüpft der Song ohne Umschweife erneut bei den nervtötenden Maroon 5 an, dieses Mal bei deren "Moves like Jagger". Was auffällt: Selbst in der winzigen Coldplay-Chorus-Reminiszenz in "Loud & clear", dem gefälligen The Script-Ableger "Hand on heart" und in "Dear darlin'", einem in Plüschsocken laufenden Neffen von Massive Attacks "Unfinished sympathy", offenbart Murs eine Vorliebe fürs Piano als dominanter Melodiengeber. "Dear darlin' please excuse my writing", fleht Murs inständig. Entschuldigung angenommen, schließlich hatte man ohnehin kein Versspektakel erwartet. Auf die Erklärung für einen uninspirierten Großteil der zweiten Albumhälfte warten wir allerdings immer noch. Vielleicht kneifen den Troublemaker aber gerade auch nur die Hosenträger.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Dear darlin'

Tracklist

  1. Army of two
  2. Troublemaker (feat. Flo Rida)
  3. Loud & clear
  4. Dear darlin'
  5. Right place right time
  6. Hand on heart
  7. Hey you beautiful
  8. Head to toe
  9. Personal
  10. What a buzz
  11. Cry your heart out
  12. One of these days

Gesamtspielzeit: 41:27 min.

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