Chelsea Light Moving - Chelsea Light Moving

Chelsea Light Moving- Chelsea Light Moving

Matador / Beggars / Indigo
VÖ: 01.03.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Einen an der Waffe

Da hat die US-Waffenlobby ja noch einmal Glück gehabt. Beziehungsweise Pech. Erklärte Thurston Moore sich doch unlängst bereit, mit seiner neuen Band Chelsea Light Moving lautstark jede beliebige Party aufzumischen, solange sie nicht in Gefilden stattfindet, die sich "right wing extremist NRA sucking bozo-ology" gefallen lassen. Wörtlich sprach er sogar von "detonate". Die Twitter-Resonanz auf dieses Angebot war so überwältigend, dass der Frontmann der mehr oder weniger aufgelösten Sonic Youth seine Ankündigung mit den Worten "Yeh I am an ageing lesbian" bekräftigte. Offenbar genauso Rock'n'Roll wie Moores neuerliches Mittun bei der Black-Metal-Supergroup Twilight - sieht ganz so aus, als wollte der 54-Jährige nach seiner Trennung von Kim Gordon noch einmal richtig einen draufmachen, bevor die ersten anfangen, sein Alter auf 60 aufzurunden. Man hört's.

Zwar nicht direkt zu Anfang - "Heavenmetal" eröffnet "Chelsea Light Moving" vielmehr mit einer der kleinen Schluffi-Grunge-Skizzen, zu denen Moore auch bei seiner früheren Band neigte. Danach heißt es jedoch des Öfteren einmal "Ohren anlegen!", da der Mann sich offensichtlich nicht nur auf seine lärmigen Zeiten zurückbesonnen, sondern auch den mürrischen Chicagoer Noiserockern Disappears genau zugehört hat - immerhin war der ehemalige Sonic-Youth-Drummer Steve Shelley dort kurz Mitglied. Nun musiziert Moore als Chelsea Light Moving zusammen mit zwei Angehörigen des psychedelischen Folk-Kollektivs Sunburned Hand Of The Man, und auch die Frau musste er mit der New Yorker Songwriterin Samara Lubelski nicht lange suchen. Das Partycrashen kann beginnen.

Die Band schüttelt ihre Stücke nämlich so kräftig durch, bis auch die letzte Harmonie auf dem Kopf steht oder aber längst an einer Wand aus Krach zerschellt ist. Besonders die harschesten Brocken tarnen sich zunächst als psychedelische Schleicher, bis eimerweise Fuzz und unkalkulierbare Breaks die Tür eintreten. "Alighted" etwa scheuert sich erst an gehetzten Riffs wund und treibt dann ein perfides Spiel mit halbakustischen Bridges und dem, was man im Metal-Bereich als Mosh-Parts bezeichnen würde. Auch "Empires of time" lässt die Instrumente rabiat zusammenprallen. Dass "Sleeping where I fall" zuvor noch einen sehnig-aufgeräumten Rocker in verdrießlichem Lou-Reed-Tonfall abgab, ist da fast schon vergessen.

Doch die Verdrießlichkeit hat ihre Gründe - der jüngste Amoklauf an einer US-Schule ist schließlich noch nicht lange her. Und so bittet das schleifende "Groovy & Linda" verzweifelt: "Don't shoot / We are your children" - thematisch alles andere als ein "Kool thing". Bei "Mohawk" grüßen dank verquerer bis nicht vorhandener Struktur und zwischen den Kanälen umherirrender Stimme mit "The gift" und "The murder mystery" zwei der größten Freakouts von The Velvet Underground, "Burroughs" und "Frank O'Hara hit" kumpeln hingegen mit Dichtern aus Beat Generation und New York School. Und nachdem ersterer eine Breitseite enthemmtes Gejohle abbekommen hat, stürzt das Album zum Rotz-Punk von "Communist eyes" mit Getöse ab. A propos Burroughs: Hatte der nicht versehentlich seine Frau erschossen? Und auch sonst gern herumgeballert? Doch so genau wollen wir es einmal nicht nehmen. Die NRA kann sich trotzdem warm anziehen: Dieses Album ist Waffe genug.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Sleeping where I fall
  • Groovy & Linda
  • Burroughs

Tracklist

  1. Heavenmetal
  2. Sleeping where I fall
  3. Alighted
  4. Empires of time
  5. Groovy & Linda
  6. Lip
  7. Burroughs
  8. Mohawk
  9. Frank O'Hara hit
  10. Communist eyes

Gesamtspielzeit: 49:06 min.

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