Max Schröder & Das Love - Max Schröder & Das Love

Max Schröder & Das Love- Max Schröder & Das Love

Meekalonious Pip / Rough Trade
VÖ: 22.02.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Heiter statt wolkig

Max Schröder hat das Hundeleben hinter sich gelassen. Bekannt als Der Hund Marie, trat er unter anderem zusammen mit Olli Schulz sowie mit seiner Soloplatte "Hooligans & tiny hands" in Erscheinung. Gemeinsam mit Lebensgefährtin Heike Makatsch nahm Schröders vierbeiniges Alter Ego außerdem "Die schönsten Kinderlieder"> auf. Jetzt hat es sich ausgebellt. Auf seinem neuen Album gibt sich Schröder erstmals unter seinem Klarnamen die Ehre. Wie schon auf seiner ersten Soloscheibe spielte der musikalische Tausendsassa, Tomte-Trommler und gefragte Studiomusiker alle Instrumente selbst ein. Dabei macht er einen wesentlich schwanzwedelnderen Eindruck als noch auf dem Vorgängeralbum, welches eher von Katzenjammer denn hechelnder Freudigkeit geprägt war. Ein ganz schön tierischer Wandel!

"Max Schröder & Das Love" wird über die komplette Spielzeit von einer bejahenden Grundstimmung getragen. Vorbei die Zeit der Negation, welche Schröder auf dem Vorgängeralbum üble Skizzen eines bevorstehenden Armageddons zeichnen ließ. Wer den Berliner vor ein paar Jahren gesehen und erlebt hat, wird gar von Ausgelassenheit sprechen – hier ist ein Enthusiasmus im Spiel, der so nicht zu erwarten war. Wirkte er früher bisweilen wie eine zwar geniale, aber dennoch tragische Figur, singt Schröder nun aus voller Kehle, bis ihm schon mal die Stimme wegrutscht. Mitunter lässt er sich gar dazu hinreißen, in der Zweitstimme den inneren Bee-Gees-Sänger zu entfesseln und so manchen Song mit Klatsch-Chor begleiten zu lassen. Die ganze Komposition des Albums versprüht Lebenslust, das frühere Moll ist ersatzlos dem Dur gewichen.

Schröder scheint das Unvermeidliche akzeptiert und den Zyklus des menschlichen Scheiterns durchschaut zu haben. Dabei empfindet er keinerlei Groll oder Wehmut, sondern zeigt sich stattdessen als Motivationscoach, der aus der eigenen Erfahrung zehrt. "Setz' dich ruhig auf das Mammut, das ich trage. Ich bring uns OK durch die Tage", gibt Schröder in "Mammut" zum Besten. Statt sich ob seiner schwierigen Aufgaben zu beschweren, reicht der Musiker freundlich die helfende Hand und gibt einen positiven Ausblick. Hier zeigt sich ein erwachsener, verantwortungsbewusster Familienvater, der seine Pflichten von Herzen gern annimmt. In "Schiffbruch" philosophiert er vom ständig wiederkehrenden Missglück und dem Gefühl der Selbstnähe im Angesicht des Nichtgelingens. Anstelle von frustrierter Selbstaufgabe sieht Schröder für sich hier die Selbstverwirklichung und tanzt "zu betrunkenem Klavier", bis eine herrlich charmant deplatzierte E-Gitarre das Stück ausleitet. In "Hab das verrückt" bestreitet Schröder ein Zwiegespräch mit dem von ihm selbst eingesungenen Chor: "Etwas mehr Instinkt hier bitte", ermahnt ihn dieser, befürchtet er doch, verrückt zu werden. Am Ende stellt Schröder fest: "Der anständigste Kerl in der Arena ist und bleibt der Stier." So findet er schließlich sogar die noble Aufgabe in der Niederlage.

"Max Schröder & Das Love" ist ein bemerkenswertes Album über das Leben und die Liebe, welches sich nie hinreißen lässt, pathetisch zu werden. Stattdessen schafft es in realistischem Maße eine optimistische Atmosphäre, die nicht nur hoffen lässt, sondern direkt passende Antworten liefert – beeindruckend, wie überzeugend Schröder hier rüberkommt. Das musikalische wie auch textliche Arrangement ist beeindruckend detailliert und bewundernswert liebevoll ausformuliert. Auf diese Weise gelingt es das Gute freizusetzen, wo es zeitweise in Ketten lag. Vom Fatalisten der Hundejahre hin zum bedingungslosen Optimisten: Max Schröder tritt tiefgründig reflektierend auf wie eh und je, verändert aber hat sich offensichtlich seine Sicht der Dinge und mit seinen Lebensumständen sicher auch die Perspektive. Der Sturm ist vorüber, heiter nunmehr das Wetter im Hause Schröder. Das macht Spaß, vor allen Dingen, weil es ihm so merkbar Freude bereitet. Schröder wirkt, als wäre er angekommen. Es sei ihm gegönnt. Der Hund ist tot. Ein Glück.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Schiffbruch
  • Hab das verrückt
  • Mammut

Tracklist

  1. Schiffbruch
  2. Mein Mädchen
  3. Halt' mal kurz meine Hand
  4. Moderner Mann
  5. Hier ist hier
  6. Der wahre Jakob
  7. Hab das verrückt
  8. Mammut
  9. Bin mir wild
  10. Das Allerschönste Mädchen der Welt

Gesamtspielzeit: 34:23 min.