Dan Friel - Total folklore

Dan Friel- Total folklore

Thrill Jockey / Rough Trade
VÖ: 22.02.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Nichts für die Katz

Wer hat an der Uhr gedreht? Vielmehr an der Spieluhr? Na ja, eigentlich ist es eher eine Blechdose. Auch die Katze guckt schon ganz skeptisch, als wollte sie sagen: Das kann doch noch nicht alles sein? Schließlich handelt es sich bei dem Typ, der das Ding bedient, um niemand Geringeren als Dan Friel - den Mann, der bei den unlängst aufgelösten Parts & Labor mitverantwortlich für einige der ausgeklügeltsten Verzerrungen und Fuzz-Bratereien im Indie-Noise der letzten Jahre war. Der wird sich ja wohl nicht mit ein bisschen dahergeklöppeltem Palim-Palim zufriedengeben? Wenigstens nicht auf Albumlänge?

Nein, wird er nicht. Das trügerisch bimmelnde Ungetüm ist lediglich ein selbstgebautes Gimmick, das der Brooklyner unter allen Vorbestellern von "Total folklore" verlost. Und außerdem ein vortreffliches Kontrastmittel für eine Platte, die ihrem Titel gegenläufiger gar nicht sein könnte. Vermutlich grinst sich Friel jetzt noch eins bei der Vorstellung, wie der unbedarfte Hörer dieses Album einlegt und es ihm erst einmal Trommelfell und Hirnrinde zerdengelt. Doch Plattentests.de verrät's vorher: Die zwölf Minuten von "Ulysses" sind zu großen Teilen Lärm in seiner reinsten Form. Aber Kopf hoch: Danach ist schon ein Drittel überstanden.

Und auch wenn das anfänglich etwas wehtun mag, ist es im Grunde nur halb so schlimm. Sicher, die rabiat durchgebrutzelten Basslinien, bis zur maximalen Deformierung entschleunigten Beats und vor synthetischer Agonie schreienden Transistoren lassen sich schwerlich ignorieren - von drei recht zurückgenommenen Interludes einmal abgesehen. Ebenso präsent sind jedoch zunächst entstellte, dann aber hochmelodiöse Keyboards, die Friel in nahezu jedes Stück einstreut. Während des Openers ertappt sich der Hörer trotz konsequent durchexerzierten Getöses beim Mitpfeifen, der maschinelle Brecher "Valedictorian" fängt gar plötzlich an, Pogo zu tanzen. Verrückte Welt.

Zwar wird nach dem blubbrig morphenden "Thumper" deutlich, dass all das irgendwann an seine Grenzen stößt. Was aber auch seine Vorteile hat. Eine Band wie Fuck Buttons macht zweifellos voluminösere Fässer auf und bohrt komplexere Bretter - Friel dagegen braucht meist keine monströsen Tracklängen, sondern überführt Drone-Ästhetik äußerst kurzweilig in swingende Pop-Gefilde. Sozusagen ein kleines Album über den Krach, das vorzüglich unterhält. Zugegeben: Musik für Katzen - siehe oben - ist das vermutlich nicht. Vielleicht ist "Total folklore" am Ende auch gar keine Musik. Herzlich egal. Wer ein Problem damit hat, kann ja weiter Spieluhren aufziehen.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Ulysses
  • Valedictorian
  • Thumper

Tracklist

  1. Ulysses
  2. Windmills
  3. Valedictorian
  4. Intermission #1
  5. Velocipede
  6. Scavengers
  7. Intermission #2
  8. Thumper
  9. Landslide
  10. Intermission #3
  11. Swarm
  12. Badlands

Gesamtspielzeit: 37:40 min.

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