Jim James - Regions of light and sound of God

Jim James- Regions of light and sound of God

ATO / Cooperative / Universal
VÖ: 08.02.2013

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Funkgerät

Kompromisse sind eine komplizierte Angelegenheit. Vor allen Dingen in solch komplexen Strukturen, wie sie in Bands nun mal vorhanden sind. Da geht es irgendwann nicht mehr um Zugeständnisse und Übereinkünfte. Da geht es ums nackte Überleben. Um die eigene Egozentrik. Die Beatles haben davon ein Lied gesungen, Roger Waters deswegen eine Mauer gebaut und Rosenstolz darüber sogar einen Brief geschrieben. Jim James von den außerordentlich erfolgreichen Space-Folk-Spezialisten My Morning Jacket hat seine Situation analysiert und die Reißleine gezogen. Um die Band nicht zu beschädigen und um das Chaos im Kopf zu bändigen.

Denn das, was der bärtige Gitarren-Virtuose auf seinem ersten Soloalbum fabriziert, hätte die Fans seiner Stammband mindestens irritiert. Und die Mitmusiker sowieso. James vermischt auf "Regions of light and sound of God" einen Sack voller Genres. Soul und Gospel paaren sich mit Funk und aufgedunsenem, orchestralem Pop, Keyboards stemmen sich gegen Trompeten und Gitarren. Bewundernswert ist, dass dieses Experiment gelingt. In knapp 40 Minuten hangelt sich James hier von Motown zu Prince zu den Bee Gees und modelliert daraus einen Soundtrack, wie man ihn von 70er-Jahre-Pornofilmen kennt.

Inhaltlich geht es hier um eine monotheistische Weltanschauung, die in Gott das Allheilmittel sieht. Kennt man ja aus der Popmusik. Und zum Glück kann man als Nicht-Muttersprachler diesen spirituellen, religiösen Fanatismus mit ein wenig Kraftanstrengung auch ignorieren. Der Multiinstrumentalist macht es einem damit sogar leicht, denn die Melodien sind in der Tat herzerweichend. Und ein herrlicheres Funk-Klackern der Gitarren wie im meisterhaften "Know til now" hat man seit Bobby Womacks "I feel a groove comin on" auch nicht mehr gehört.

James hat mit seiner Solo-Platte Großes vor: "Ich will mit diesem Album auf Tour gehen", gab er kürzlich bekannt. "Ich will es so aufführen, wie es aufgenommen wurde." Das könnte eine wohlige Zeitreise werden, zu der man die Schlaghosen der Altvorderen aus dem Dachbodenschrank kramt. Songs, wie das zuckersüße "Dear one" oder die schwüle Swimmingpool-Romantik "Of the mother again" werden dabei zu den großen Abräumern zählen. Denn zu diesen Songs hätte auch Mark Wahlberg in "Boogie Nights" seiner Arbeit nachgehen können. Einem neuen Album von My Morning Jacket sollte jetzt nichts mehr im Wege stehen.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Know til now
  • Dear one
  • Of the mother again

Tracklist

  1. State of the art (A.E.I.O.U.)
  2. Know til now
  3. Dear one
  4. A new life
  5. Exploding
  6. Of the mother again
  7. Actress
  8. All is forgiven
  9. God's love to deliver

Gesamtspielzeit: 38:52 min.

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