The Irrepressibles - Nude

The Irrepressibles- Nude

Of Naked Design / Rough Trade
VÖ: 25.01.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Mit Leib und Seele

Manche Dinge sind einfach nicht fair. Man muss das auch gar nicht verstehen. Völlig egal, wie man sie dreht und wendet und händeringend nach Antworten, Erklärungen oder Ausreden sucht, sie schrammen an der Gerechtigkeit vorbei, und das nicht mal knapp. Nur ein paar Jahre ist es her, da mussten ein paar junge Londoner ordentlich kämpfen, um mit ihrer Band The Irrepressibles eine Chance auf ein Album zu bekommen. Irgendwann, mit viel Glück und wenig Geld in den Taschen, klappt es endlich, und "Mirror mirror" erscheint. Eine Platte, die klingt, als hätte Antony Hegarty mit Kate Bush ein Kind gezeugt, das nun von David Bowie großgezogen wird. Und vor allem eine Platte, die bis heute im Grunde niemand kennt. Schade eigentlich.

Dabei macht Mastermind Jamie McDermott eigentlich fast alles richtig und selbst die falschen Dinge noch so gut, dass man gerne darüber hinwegsieht. Orchestral, sphärisch und dicht war der Sound schon auf "Mirror mirror". Auf dem Nachfolger "Nude" geht die Band noch einen Schritt weiter. Zu den organisch-emotionalen Momenten, die vollbepackt sind mit Streichern, Bläsern, Piano und vielem mehr, gesellen sich je nach Stimmungslage entweder unheilsschwanger-düstere oder euphorisch-ausladende Electronica-Klänge, um, so McDermott, die reiche Komplexität des Lebens zu erklären. Und bevor man sich noch zu einem Witz über esoterisches Gewäsch hinreißen kann, ertönt der rein instrumentale Opener "Time passing", und alles wird ganz still. Bis auf das Herz.

Auf "Nude" spielen The Irrepressibles mit den Emotionen, dem hauchdünnen Grat zwischen Romantik und Kitsch und ziehen dafür nicht nur im Titel die Klamotten aus. Was bleibt, sind zehn Stücke, denen das Gefühl aus jeder einzelnen Note springt. Dass sie dabei scheinbar nach Belieben wie Thom Yorke klingen können, wie im zarten "To be", oder sich wie auf "Pale sweet healing" in ihr schönstes Bowie-Kostüm schmeißen und mit viel Pomp und Bombast auf den Putz hauen, überrascht und berührt gleichermaßen. Ordentlich was fürs Auge gibt es mit dem zerbrechlichen Tränendrüsendrücker "Two men in love", dessen Mischung aus Verzweiflung und Zuversicht sich erst nach einigen Hördurchgängen offenbart, während "Arrow" nicht nur dank der Zeilen "When you were the age 15 / I shot the arrow at you / You put that arrow in / Became an angel too / But you were proud to be you" für kunterbuntes und leicht verwirrendes Kopfkino sorgt. Beinahe tanzbar gerät abschließend das berauschte "Ship", bis es abrupt abbricht und nichts mehr übrig bleibt. Wieder wird alles ganz still. Bis auf das Herz.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Pale sweet healing
  • Two men in love
  • To be
  • Arrow

Tracklist

  1. Time passing
  2. Pale sweet healing
  3. New world
  4. Tears (Prelude)
  5. Two men in love
  6. To be
  7. Arrow
  8. Tears
  9. The opening
  10. Ship

Gesamtspielzeit: 41:34 min.

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User Beitrag

lego

Postings: 1299

Registriert seit 13.06.2013

2014-05-27 22:23:12 Uhr
es gibt jetzt ne Dreifach-EP, die dinger schimpfen sich jeweis

Nude: Landscapes [EP1]
Nude: Viscera [EP2]
Nude: Forbidden [EP3]
wülf
2013-05-24 00:11:24 Uhr
Die spielen im Juli in Eindhoven. Da sind wir doch dabei!!!
Demon Cleaner
2013-02-08 11:28:52 Uhr
Schöne Rezension. Auch wenn ich das Album stärker bewerten würde. "New World" gehört aber auf jeden Fall in die Highlights.
Demon Cleaner
2013-01-23 11:32:48 Uhr
Ist auch sicher nicht jedermanns Sache.
Mir gefällt die erste Albumhälfte schon unglaublich gut. Bei der zweiten bin ich noch etwas unschlüssig, gerade "Arrow" und "Tears" passen für mich nicht so 100% rein.
Frage
2013-01-23 09:51:57 Uhr
Ok. Dann brauche ich gar nicht erst draufklicken. Kammermusik und Operette kann ich nicht ausstehen.
Trotzdem danke.
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