Bullet For My Valentine - Temper temper

Bullet For My Valentine- Temper temper

Sony
VÖ: 08.02.2013

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Schlägt aufs Gemüt

Ein Versuch in Überinterpretation: Bullet For My Valentine denken sich was bei ihren Alben. Alles hängt zusammen, ja folgt sogar einer logischen Entwicklung. Werfen wir mal einen Blick auf die Cover. "The poison" zeigt eine spärlich bekleidete Frau, die von roten Spritzern umgeben auf einem anscheinend kalten Betonboden liegt. "Scream aim fire" nimmt das letzte Motiv wieder auf: ein abweisend kaltes und graues Gebäude, ähnlich unspektakulär wie der Boden gerade eben noch. "Fever" zeigt dann mehr nackte Haut, ähnlich unprovokativ und unsexy wie die auf dem Boden liegende Dame. "Temper temper" schließlich hält dem Hörer zwei rot verschmierte Hände hin. Warum? Nun ja, die naheliegendste Möglichkeit wären blutende Ohren.

Eigentlich möchte man es ganz mit der Band halten, wenn es in "Leech", dem platten Abgesang auf einen Partycrasher, heißt: "Nobody's listening / Nobody cares." Leider ist das bei dieser Band einfach nicht der Fall, die Chartplatzierungen beweisen das Gegenteil. Nun ist es ja nicht verwerflich, Popmusik zu machen, wenn man es denn wenigstens zugeben würde. Aber Bullet For My Valentine verstecken sich weiterhin hinter langen Haaren, schwarzen Kutten, dunkel-austauschbaren Covermotiven und lachhaften Metalsoli aus der Musikschule. Nur ist die Fassade auf dem vierten Album mittlerweile so brüchig, dass niemand mehr drauf reinfallen sollte.

Das Ärgerlichste an "Temper temper" ist dann auch die berechnende Art, mit der jeder einzelne Song zusammengesetzt ist. Die schematischen Leadgitarren, die eingestreuten Zwei-Sekunden-Schreiattacken, der weinerliche Gesang, die wohlplatzierten Kraftausdrücke, die Knüppeldrums und perfekt eingepassten Breaks - all das fügt sich in jedem Stück zu einem Haufen Hartwurst-Langeweile zusammen. Falls die Band Leidenschaft für ihre eigene Musik empfindet, kommt das kaum durch. Der beste Beweis dafür ist "P.O.W.", das völlig inspirationslos und wiederholt den eigenen Hit "All these things I hate (revolve around me)" kopiert. Mehr geht hier wirklich nicht.

Wer sich davon nicht veräppelt fühlt, kann eigentlich nur teilnahmslos mit den Achseln zucken, wenn kurz vor Minute drei des Openers klar ist, dass die Band ihr gesamtes Repertoire schon ausgereizt hat und der Rest aus minimaler Variation und ein paar aufgesetzten Akustikgitarren bestehen wird. Unspektakulär, unprovokativ, unsexy und voller Kunstblut - "Temper temper" hält immerhin, was Bullet For My Valentines bisherige Albumcover versprechen. Musikalisch jedoch schreiten diese Songs die einst durchaus griffigen Formeln derart desinteressiert ab, dass man sich fragt: Was denken die sich bloß bei ihrem neuen Album?

(Maik Maerten)

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Highlights

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Tracklist

  1. Breaking point
  2. The truth hurts
  3. Temper, temper
  4. P.O.W.
  5. Dirty little secret
  6. Leech
  7. Dead to the world
  8. Riot
  9. Saints & sinners
  10. Tears don't fall (Part 2)
  11. Livin' life (On the edge of a knife)

Gesamtspielzeit: 44:25 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Velli
2013-02-14 09:10:51 Uhr
Bwahaha; Posting der Woche!
Castorp
2013-02-13 23:26:54 Uhr
Bei mir growt es gewaltig. Man braucht allerdings mindestens schon so ca. 3-4 Durchläufe. Das ich jeden Tag Bock auf die Platte habe, beweist auch schon einiges....

Ich hatte in den vergangenen Tagen schon mindestens zwei Ohrwürmer ("Temper, temper" und "Riot"). In zehn Jahren werden auch diese Lieder zu den BFMV-Klassikern zählen, da gehe ich jede Wette ein! :)

Im Gegensatz zu euch sehe ich da schon Weiterentwicklungen, nicht nur im luftigeren (The truth hurts), moderneren Soundgewand (die Trompete!). Und wie immer geht es doch bei BFMV viel mehr um das Erzeugen von außergewöhnlichen Stimmungen oder von hypnotischen Strudeln und nicht um das Kreieren von gefälligen Pop-Songs (auch wenn das lässige "Dirty little secret" sicher noch der eheste Single-Anwärter wäre). (Warum sonst sollte das Album mit einem dieser großartigen für BFMV typischen "Valium-Songs" wie "Breaking point" starten und den Hörer in den Sog des Albums ziehen? Der Opener gibt den Takt für das Album vor...) Sowas wie "P.O.W." oder das Drum'n'Bass-Stück "Saints & sinners" bspw. hat es doch noch nie von BFMV gegeben...

Momentan sehe ich das Album bei einer sehr starken 8/10.

P.S.: "Fever" hätte übrigens aus meiner Sicht "Schniedel" heißen sollen. ;) Was die Band letzten Endes auch groß gemacht hat, waren doch nicht nur die Noise-Schichten im Sound, sondern die Schläfrigkeit der Bandmitglieder bei den Aufnahme-Sessions von "The poison" und "Fever", das wird doch immer wieder gern vergessen...
Mojo
2013-02-03 22:00:07 Uhr
Ach komm, so schlecht ist es auch nicht geworden. Bin jetzt im 4. Durchlauf und ich es wird immer besser. Finde es auch stärker als Fever, was fast ein Totalausfall war.
Leider ist der von mir erwartete Punkrocksound nur in den beiden Singles Temper temper und Riot zu hören, die restlichen Songs klingen teilweise verdächtig nach Resten aus der Feversession...
Der Opener ist noch mit am besten, Truth hurts dagegen der bis dato schlechteste BFMV-Song. Was haben die sich da nur am Ende des Songs gedacht? Klingt wie Ozzy Osbourne auf Crack.
Tears don't fall, pt. 2 find ich eigentlich noch am stärksten, hat den besten Chorus auf dem gesamten Album. Als Fortsetzung durchaus gelungen. Ansonsten geht noch P.O.W. und Dead to the World klar, der Rest ist eher mau. Bei den Lyrics hätten sie sich auch etwas mehr Zeit lassen können. Aus diesen Teenagerschultexten müssen sie doch endlich mal herausgewachsen sein?! Aber naja. Es hätte wesentlich schlechter werden können.
enttäuschter
2013-02-03 19:46:16 Uhr
is geleaked und wie erwartet beschissen. fand die ersten beiden alben okay, weil sie vor allem spaß gemacht haben. das hier kann nix, ist lahm und anstrengend. bereits an songtiteln wie tears dont fall part 2 merkt man, dass sie ihr feuer bereits verschossen haben und keine songideen mehr haben. schade, aber sie bauen mit jedem album mehr ab.

3/10
Mojo
2013-01-23 17:31:34 Uhr
Wenn das Album so wird wie Temper temper und Riot, dann wird's eigentlich ganz gut. Beide SOngs haben jedenfalls nichts mehr mit dem Emo-Metal vom Debüt gemein. Geht fast schon in Richtung Punkrock, was ich nicht unbedingt schlecht finde. Bin gespannt auf's Album.
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