Stevie Tombstone - Greenwood

Stevie Tombstone- Greenwood

Cloverdale / H'art
VÖ: 15.02.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Kein Grabmahl

Beim Namen Stevie Tombstone kann es einem grausen. Sitzt da wieder ein Nachtschattengewächs in Lederkluft in einem abgedunkelten Zimmer und lamentiert im Suff über die Schlechtigkeit der Welt? Oder handelt es sich schlicht um das effekthascherische Pseudonym eines alternden Musikers, der nicht begriffen hat, dass derlei Sperenzchen im Zeitalter des Post-Emo nur noch lächerlich sind? Wie dem auch sei: Angesichts eines solchen Namens möchte man sich gleich wieder an Stephen Brodsky's Octave Museum und ihr umwerfend nonchalantes Liedchen "Swingin' in the sky" halten: "We don't need that headstone / Put some other body in his grave." Wer jedoch gewillt ist, Tombstone trotz des Schocks ob der miserablen Covergestaltung und des wenig anfixenden Namens eine Chance zu geben, wird positiv überrascht und vor allen Dingen reich belohnt. Der Mann entpuppt sich nämlich als ziemlich coole Sau, der verdammt nochmal qualitativ hochwertigen countryesken Americana aus seiner Gitarre herausholt.

Schon die erste Zeile des tief verbluesten "Best of worst intentions" beginnt mit einem programmatischen "I don't wanna meet the undertaker". Also nichts mit Grabstein, Henkersmahlzeit und Happy-Pessimismus-Perspektive. Tombstone zeigt sich als nachdenklicher, aber lebensfreudiger Künstler. Das wunderschön vor sich hin grübelnde "Lucky" kommt federleicht beschwingt um die Ecke, und es ist fast ein Wunder, dass Cameron Crowe Tombstone nicht einen Ehrenplatz auf dem genialen Soundtrack seines wunderschönen Streifens "Elizabethtown" gewährte. Irgendwo zwischen Nancy Wilsons Score, Tom Petty, Jeff Finlin und Lindsey Buckingham hätte auch Tombstone perfekt ins musikalische Gesamtbild gepasst. Hat der geneigte Hörer ein Faible für die melancholische, bitter-humorvolle und letztlich durchweg kraftvolle Atmosphäre des Films, kann er sich vorstellen, wie Tombstone klingt: wie das Gefühl, das einen beschleicht, wenn "Elizabethtown" über die Leinwand flimmert.

Doch auch ohne diesen Vergleich funktioniert Tombstones bluesiger, mittlerweile sechster Solo-Geniestreich fabelhaft. Auf "Greenwood" erzählt er mit luftiger Leichtigkeit autobiographische Erlebnisse als Familienvater und unermüdlich tourender Musiker - ein Job, den er seit annähernd dreißig Jahren schultert. Jeder seiner elf Songs offenbart sich als bluesiger alternativer Americana mit viel Seele und einigen Root-Ansätzen, die nie auf den simplen Bausteinen der genannten Richtungen verweilen. Tombstone findet einen universelleren Zugang, indem er immer wieder leichte Variationen der altbekannten Muster integriert und nicht manisch an Genre-Konventionen klebt. Trotzdem - oder gerade deshalb? - ist er in Deutschland bisher stark unterrepräsentiert. Doch es sollte schon mit Tod und Teufel zugehen, wenn "Greenwood" in seiner erfrischenden Art daran nicht bald etwas ändern würde.

(Peter Somogyi)

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Highlights

  • Lucky
  • I'd lose it all
  • Best of worst intentions

Tracklist

  1. Lucky
  2. Greenwood
  3. Just ain't right
  4. I'd lose it all
  5. Best of worst intentions
  6. Nails
  7. Wonderland
  8. I wish I was back in Vegas
  9. Goodnight Irene
  10. Your only friend
  11. The backdoor

Gesamtspielzeit: 32:59 min.