Mike Oldfield - Tubular beats

Mike Oldfield- Tubular beats

Ear / Edel
VÖ: 08.02.2013

Unsere Bewertung: 1/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Doppeltes Leid

"Fuck off RB" - unschöne Worte, die Mike Oldfield nie öffentlich sagen würde. Trotzdem versteckte der Gitarrenvirtuose und Multiinstrumentalist diese Schmähung an die Adresse des damaligen Virgin-Chefs Richard Branson per Morsecode auf seinem 1990er Album "Amarok". Grund für das diskrete Nachtreten: Das auf Hits erpichte Majorlabel hatte den Briten dazu verdonnert, statt ausladender Progrock-Dreißigminüter radiotaugliche Kommerz-Singles aufzunehmen, was dieser als unter seiner Musikerwürde erachtete. Über zwei Jahrzehnte später ist die Ex-Plattenfirma zerschlagen, und Oldfield kann schon lange tun und lassen, was er will. Sein legendäres Debüt "Tubular bells" fortsetzen, die olympische Eröffnungsfeier bespielen, Chillout-Platten produzieren und eigenen Klassikern per Techno-Remix mit dem Überbrückungskabel zu Leibe rücken.

Überflüssig zu erwähnen, welcher Teil der Aufzählung nicht in die Reihe passt: Bereits der fast amüsant plumpe Titel dieses Remix-Albums klingt wie ein schlechter Witz. Nach über 75 Minuten steht fest: "Tubular beats" ist auch einer. Denn dafür, wie man hier in die Röhre hört, kann es nur gewaltig auf die Glocke geben. Dabei ist Oldfield kein Einzeltäter, sondern sicherte sich rechtzeitig die Dienste des Trance-Schraubers Torsten Stenzel alias York, um - offenbar keineswegs vergessene - Perlen seines Backkatalogs möglichst geschmacksunsicher unter technoidem Bad Homburger Allerlei zu begraben. Die leichteste Übung für den Hessen: Schließlich hatte der mit Chris Reas "On the beach" schon ähnlich gelagertes Material in der Mangel und wenig später in den Charts. Und einen Oldfield schafft er auch noch. Schlimmer geht immer.

"Tubular beats" entpuppt sich nämlich als einer der wenigen Fälle, in denen geteiltes Leid doppeltes ist. Zumindest für den Hörer, den zehn effektiv niedergemanschte Nullnummern zwischen pseudo-esoterischem Downbeat und Massenabfertigungs-Dance plus ein Wurmfortsatz Hochglanz-Gothic erwarten. "Never too far" mit der ehemaligen Nightwish-Sängerin Tarja Turunen am Mikro mag als Abschluss zwar ein noch so belangloses Stück Düstergesäusel sein - doch wenigstens tut es ein ganz kleines bisschen weniger weh als der Rest des zuvor Gebotenen. "Far above the clouds" lockt zunächst mit einer Kinderstimme, die aber bald in den digitalen Häcksler wandert, Oldfields einstiger Disco-Versuch "Guilty" wird zur entlarvenden Selbstbezichtigung im Zappelbunker - und was mit den an sich unkaputtbaren Epen "Tubular bells" und "Ommadawn" geschieht, ist ebenso eine Tragödie.

Spätestens nach der Tanzmampf-Bagatellisierung von "Moonlight shadow" und dem dank Autotune und Umz-Umz in allen Farben des blanken Entsetzens schillernden "To France" wünscht man sich dann nichts sehnlicher als ein Formatradio, das beide Stücke nonstop dudelt - solange es nur die Originale sind. Und wenn es einen gibt, der sich nicht beklagen darf, dann ist es Oldfield selbst. Weil er dieses Desaster nicht nur billigend in Kauf nimmt, sondern durch eigenes Mit-Mischen tatkräftig unterstützt - und am Ende womöglich denkt, es würde "Tubular beats" in irgendeiner Weise aufwerten, wenn er für "Let there be light" und die Flamenco-Techno-Verwurstung des vierten "Platinum"-Parts "Northstar" tatsächlich die Klampfe hervorkramt. Falsch gedacht, Musikerwürde beim Teufel. Erneut unschöne Worte - doch was schlecht ist, muss schlecht bleiben.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

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Tracklist

  1. Let there be light (York remix)
  2. Far above the clouds (York remix)
  3. Ommadawn (Mike Oldfield & York remix)
  4. Guilty (Mike Oldfield & York remix)
  5. Tubular bells (Mike Oldfield & York remix)
  6. To France (Radio remix)
  7. Northstar (Mike Oldfield & York remix)
  8. Moonlight shadow (Radio remix)
  9. Guilty (York & Mike's electrofunkremix)
  10. Tubular bells 2 (Mike Oldfield & York remix)
  11. Never too far (with Tarja Turunen)

Gesamtspielzeit: 76:10 min.

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