Night Beds - Country sleep

Night Beds- Country sleep

Dead Oceans / Cargo
VÖ: 08.02.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Rebel Yellen

Vorschusslorbeeren sind nicht immer die beste Mitgift, die man einem jungen Musiker mit auf dem Weg geben sollte. Wie Winston Yellen da auf dem Pressefoto sitzt, mit Jeansjacke und Zigarette, könnte jedoch andeuten, dass er Großes vorhat. Ein kleiner Rebell ist er, der seine Songs in einem aus der Zeit vor dem Bürgerkrieg gebauten Haus in Nashville geschrieben hat, das einst Johnny Cash und June Carter gehörte. Der passende Soundtrack zu Historie und Umgebung ist dann jedoch nicht ganz so, wie man es erwarten kann. Der Country schläft hier ein wenig, der Americana-Folk mit Yellens bis zum Falsett gesteigerten Gesang wacht und dominiert das Debüt mit dem treffenden Titel "Country sleep".

Das Rebellische, wie es Fotos andeuten, ist bei dem 23-jährigen nur ein Teil der Wahrheit. Zwar verbreitet "Country sleep" durchaus Aufbruchstimmung, doch im Grunde übernehmen Einsamkeit, Verlustangst und was in einem jungen Musikerleben so alles dazugehört die Überhand. Die Geigen und zahlreiche Referenzen dürfen da selbstverständlich nicht fehlen. "Cherry blossoms" erinnert etwa an Petula Clarks "Downtown", "Ramona" an Stücke der fast vergessenen Big Star. Gerade in besagtem "Ramona" kommt wieder der sich auflehnende Yellen zu Wort: "Fuck what they taught ya". Er hat sein Studium geschmissen, um sich der Musik zu widmen, und seine Freundin hat ihn verlassen, so lauten die biographischen Details dahinter. Es gibt ja glücklicherweise treibende Gitarren, und dann wird alles andere gleichgültig.

Dagegen ist die erste Single "Even if we try" eine schöne kleine orchestrale Ballade, die sich im Vergleich zu jenem fast powerpoppigen "Ramona" schon sehr zurücknimmt. Klavier und Streicher erzeugen eine melancholische Stimmung: "Holding to the past / Clouding in my glass", heißt es darin. Auch so geht Vergangenheitsbewältigung. Das Beste hebt sich Yellen für den Schlussakkord auf. "Tenn", was für Tennessee steht, läutet das Ende ein. Yellen nimmt noch einmal Fahrt auf und zeigt, dass er auch einfach nur schrammeln kann. Geadelt wurde er damit schon mit einer Daytrotter-Session. Die Selbstbeschreibung in drei Worten heißt dazu "Khaki dad jamz", worauf sich jeder seinen eigenen Reim machen kann.

Nach nicht einmal 35 Minuten ist der Country-Schlaf auch schon wieder vorbei. Man muss ja heutzutage ökonomisch mit dem eigenen Songmaterial umgehen. Da war es für Yellen zunächst überhaupt wichtig, ein Label zu finden, was nach langer Suche erfolgreich war. Es fügt sich bestens ein, wenn die wieder hippen Fleetwood Mac als Vorbild und Musik der eigenen Jugend hervorgehoben werden. Aber gerade darum ist das Debüt so stark geworden: Viele verschiedene Einflüsse sind auf fruchtbaren Boden gefallen und werden hier bravourös in ein Gesamtkunstwerk überführt. Was nach dem ihm schon gebührten Hype wird, steht in den Sternen.

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • Ramona
  • Even if we try
  • Tenn

Tracklist

  1. Faithful heights
  2. Ramona
  3. Even if we try
  4. 22
  5. Borrowed time
  6. Cherry blossoms
  7. Wanted you in August
  8. Lost springs
  9. Was I for you?
  10. Tenn

Gesamtspielzeit: 34:39 min.

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  • Night Beds (64 Beiträge / Letzter am 25.07.2015 - 01:22 Uhr)