Claudia Koreck - Honu Lani

Claudia Koreck- Honu Lani

Honu Lani / Universal
VÖ: 25.01.2013

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Aloha und grüß Gott

Claudia Koreck ist nicht Gunter Gabriel. Zum Glück. "Bei mir da gibt es Bohnen nur mit Speck. [...] Schlaf ein mit mir, schönes Kind. Komm unter meine Decke." Da dürfte der Geruch von den Schweißfüßen des deutschen Arbeiters vermutlich noch die angenehmste Überraschung unter den Daunen sein. Aber nein, Claudia Koreck ist Claudia Koreck, diese Dame, die zwischen Traunstein und München pendelt und auf dieser Route nun auch Hawaii eingespannt hat. Als "dritte Heimat", bei der sie morgens mit der Gitarre auf dem Balkon stand und... Aber wen interessiert das? Ja, Miss Koreck hat auf Hawaii wohl einen ziemlich schicken Traumaufenthalt gehabt. Die Blumenkette baumelte überm Dirndl und unter Korecks Decke ist es nur warm, wie sie im Opener freimütig erzählt. Und da hört das Verstehen für viele Menschen auf. Denn Koreck singt auf bayrisch. Immer noch und trotz Hawaii.

Ihr viertes Album "Honu Lani", das auf ihrem gleichnamigen Label erscheint, hätte ein spannendes Experiment werden können. Mit aufregender Instrumentierung, mit verschiedenen Einflüssen und Inspirationen. Doch Koreck orientiert sich im Grunde an jenem Graubereich zwischen Deutsch-Pop und Songwriter, der es so oft ins Radio schafft und einem dann zwischen all dem Schrott aus den Sendern doch den Gedanken entlockt: "Endlich mal etwas mit Qualität." Dass es sich dabei auch nur um die nächste Maschinerie handelt, an deren Ende massentaugliche Produkte für die Leute abgeworfen werden, die sich darüber freuen, dass bei ihnen Silbermond und Herbert Grönemeyer im Regal stehen statt Scooter und Tokio Hotel. Eben noch "echte, handgemachte" Musik. Ist natürlich jetzt eine Schweinerei, das Miss Koreck zur Last zu legen. Denn "Honu Lani" ist eine nette Platte, was man merken kann ohne es mit dem Bodensatz der Industrie zu vergleichen. Denn im Rahmen des konventionellen Sounds hat Koreck ein paar gute Nummern. "Schnee" arbeitet sich an einem durchschnittlichen Rhythmus ab, auf dem eine Akustikgitarre gut kommt, während Koreck einen schicken reduzierten Text dazu singt.

Zeilen, die sonst unter Ankündigungen für neue Serien im Öffentlich-Rechtlichen tönen, bleiben es natürlich. Koreck hebt sich mit ihrem Dialekt über den Durchschnitt, keine Frage. Das ist Wiedererkennungswert genug. Das Gesamtpaket von Koreck ist durchaus ertragbar, auch wenn sie nie eine Tiefe erreicht. Immerhin berührt sie in manchen Momenten wie in "Bunter Vogel" oder "Meilenweit Meer". Mit so viel Nettigkeit sackt aber niemand Punkte ein. "Ja, Du lebst in einer anderen Welt", singt Koreck in "Anna" und ja, nach dieser knappen Stunde tut so eine Runde Dosenbier samt Schweißfuß-Geruch mit Gunter Gabriel ziemlich gut. Für den Urlaub in Hawaii gibt es mehr als nur drei Platten, die besser für diese Insel geeignet wären. Und für alle anderen auch.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Sommerdog

Tracklist

  1. Unter meiner Deckn
  2. Sommerdog
  3. Danzn
  4. Bunter Vogel
  5. Anna
  6. Kloaner Mo
  7. Wenn I moi oid bin
  8. Sonn
  9. Meilenweit Meer
  10. Schnee
  11. Schweigen
  12. Daucha
  13. Oktober
  14. Meine Fiass

Gesamtspielzeit: 58:16 min.

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