Ducktails - The flower lane

Ducktails- The flower lane

Domino / GoodToGo
VÖ: 25.01.2013

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Darauf 'ne Zitronenlimo

Darauf gewartet hat vermutlich niemand, erfreulich ist es dennoch: Matt Mondanile, hängende Spitze der tollen Gitarren-Popper Real Estate aus New Jersey, hat sich wieder einmal zurückgezogen und sich seinem sympathischen, weithin unterschätzten Seitenprojekt Ducktails gewidmet. Sonderlich viel Aufmerksamkeit war diesem bislang noch nicht beschieden - ein Umstand, den es dringend zu ändern gilt. "The flower lane" macht dahingehend ja wirklich so einiges richtig: Der Fokus liegt nicht mehr auf instrumentalen, psychedelischen LoFi-Kniffen, sondern vielmehr auf mehr oder weniger ausformulierten Indiepop-Liedern, die ihre Herkunft nie verleugnen, sich aber dennoch vom Real-Estate-Sound zu emanzipieren wissen.

Ducktails spielen die Art Gitarrenpop, die durchaus den Blick über die Tischkante der Gewöhnlichkeit wagt und sich auch in elektronischen oder psychedelischen Gefilden auskennt und wohlfühlt. Meist klingen Mondaniles Songs entspannt und zurückgelehnt - so wie frisch gepresste Zitronenlimonade schmeckt. Zu süß wird es indes nicht. Meist verheddert sich der Mastermind nämlich in ellenlangen, sympathisch verzockten Gniedel- und Dudelparts, die er als Charakteristikum in die neuen Ducktails-Stücke einführt. Mal erinnern diese Parts an das letzte, ziemlich hervorragende Destroyer-Album "Kaputt", wenn beispielsweise in "Under cover" ein Saxophon durchs Bild huscht, ein andermal schleicht sich hingegen ein elegisches Gefühl der Tanzbarkeit ein, das an The Whitest Boy Alive erinnert.

Im melancholischen Titelsong feiert Mondanile die liebesbedingte Larmoyanz eines enttäuscht-gelangweilten Großstädters: "Imagine all the people / Walking out the door / A million pretty faces / And no one to care for." Und obwohl die Traurigkeit in diesem Stück dominiert, hat man nicht das Gefühl, dass Mondanile untergeht. Ein großer Becher Cherry Garcia, und schon strahlt die Sonne bestimmt wieder ein bisschen heller. Am dringlichsten klingt dieses Album jedoch immer dann, wenn dezentes Slackertum mit Achtziger-Informiertheit aufgebrochen wird und dabei dann Stücke wie das herrliche "Planet Phrom" oder der an Deerhunter erinnernde Abschluss "Academy Avenue" entstehen. Mit so viel Verständnis für unaufgeregte Gitarrenmusik geht man heutzutage leider nicht mehr durch die Decke. Aber in den Playlists all der Schlaumeier mit Pop-Expertise sollte ein warmes Plätzchen für "The flower lane" frei sein.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • The flower lane
  • Planet Phrom
  • Academy Avenue

Tracklist

  1. Ivy covered house
  2. The flower lane
  3. Under cover
  4. Timothy Shy
  5. Planet Phrom
  6. Assistant director
  7. Sedan magic
  8. International date line
  9. Letter of intent
  10. Academy Avenue

Gesamtspielzeit: 40:20 min.

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