The Asphodells - Ruled by passion destroyed by lust

The Asphodells- Ruled by passion destroyed by lust

Rotters Golf Club / Rough Trade
VÖ: 08.02.2013

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

808 Köstlichkeiten

Wenn jemand sooo einen Bart hat, gehört er entweder zur Zunft der Folkbarden - oder es kräht kein Hahn mehr nach ihm. Nichts von beidem trifft auf Andrew Weatherall zu, auch wenn der Musiker, DJ und Produzent den Höhepunkt seines Schaffens bereits ab 1990 erlebte, als er mit den Techno-Acts Two Lone Swordsmen und The Sabres Of Paradise Erfolge feierte und den Rave-Rock von der Insel miterfand. Dass der Brite in den letzten Jahren auf dem Feld der Gesichtsbehaarung experimentierte, passt zwar zu seinen jüngsten Aktivitäten im Bereich Rock'n'Roll - doch da Weatherall von jeher stets seinen Kopf durchsetzt, wäre es kurzsichtig, daran eine musikalische Tendenz festmachen zu wollen. Warum also nicht mal wieder klar Schiff machen in der alten elektronischen Schule?

Und damit auch ordentlich frischer Wind reinkommt, verpflichtete Weatherall fürs Aufräumkommando The Asphodells seinen bevorzugten Studio-Engineer Timothy J. Fairplay, der zuletzt bei den hippen Londoner Electro-Rockern Battant mittat, ehe sich die Band nach dem allzu frühen Ableben eines Mitglieds auflöste. Zwar ist "Ruled by passion destroyed by lust" vermutlich kaum die ideale Platte für den ausgewiesenen Hipster - dafür aber ein prall gefüllter Sack Monster-Grooves, der sowohl den zeitgenössichen elektronischen Heavy-Duty-Ansatz von LCD Soundsystem in sich trägt als auch Weatheralls popkulturelle Sozialisation nachzeichnet. Mit robustem Hacienda-Acid, schabend unter den Beats hervorkriechenden Gitarren und grummeligem Techno-Stoikertum. Und sein liebstes Spielzeug ist natürlich nach wie vor die gute alte 808.

Dass die berühmte Drummachine aus dem Hause Roland unter anderem einfältige Rhythmusmuster mit Namen wie "Billiger Trance" beherrscht, interessiert Weatherall und Fairplay dabei natürlich nicht die Bohne. Sie verhelfen dem Gerät in ihren länglichen Gebilden irgendwo zwischen Track und Song vielmehr zu einem Eigenleben, lassen es klackern, pulsieren und füllen die Zwischenräume mit gedoppelten Handclaps, funky Riffs und einer Stimme, die im gleichen eindringlichen Tonfall skandiert, in dem Primal Scream einst zivilen Ungehorsam oder Underworld "Lager, Lager" forderten. Koordinaten, zwischen denen "Ruled by passion destroyed by lust" beständig schwankt, während die Pumpe bei hypnotischen Meisterstücken wie "Never there" oder "We are the axis" genauso unmerklich wie unaufhaltsam im Asphodells-Rhythmus zu schlagen beginnt.

Und plötzlich entwickelt sich diese nur scheinbar spröde Angelegenheit zum faszinierenden Hybrid, in dem Querverweise aus allen Ecken übereinander herfallen - spätestens ab "Late flowering lust", das ein Gedicht des britischen Lyrikers John Betjeman in einen Dance-Kontext überführt und anschließend in die Dub-Schleife schickt. Das großartige "One minute's silence" kickt dezent hartgekochten elektronischen Krautrock vor sich her, "The quiet dignity (of unwitnessed lives)" vermählt den von New Order patentierten Plöng-Bass mit Club-Fanfaren, und die Coverversion "A love from outer space (Version 2)" ehrt gar die in Vergessenheit geratenen spätachtziger Indie-Psychedeliker A. R. Kane. Feiner Zug von The Asphodells - geehrt gehören sie für dieses Album jedoch in erster Linie selbst. Bart ab? Noch lange nicht.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Never there
  • Late flowering lust
  • We are the axis
  • One minute's silence

Tracklist

  1. Beglammered
  2. Never there
  3. Skwatch
  4. Another lonely city
  5. Late flowering lust
  6. Late flowering dub
  7. We are the axis
  8. One minute's silence
  9. The quiet dignity (of unwitnessed lives)
  10. A love from outer space (Version 2)

Gesamtspielzeit: 56:27 min.

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