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Lissy Fey - Da wo ich herkomm

Lissy Fey- Da wo ich herkomm

Recordjet
VÖ: 28.01.2022

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Im Bann des Lebens

Schon ein schönes Gefühl, wenn man sich – weit vor dem ersten eigenen Release – einer treuen Fanschar gewiss sein kann. Sorgt nicht nur für (vermutlich) exzellente Laune, sondern öffnet eben auch Türen, die ansonsten verschlossen geblieben wären. Im Falle der Kölner Singer-Songwriterin Lissy Fey bedeutet das konkret: Die letzten Meter auf dem Weg zum Release ihres Debütalbums "Da wo ich herkomm" wurden mal eben per Crowdfunding-Kampagne zurückgelegt. Ein charmanter, weil ehrlicher Ansatz. Und einer, der aufzeigt, welche Absichten Lissy Fey verfolgt: Hier soll beileibe nicht der kommerzielle Deutschpop-Urknall mit offensichtlichen Hits heraufbeschworen werden, die Top-40-Listen erklimmen. Stattdessen gilt es, Gefühlswelten behutsam mit wachem Geist zu erkunden und die Dinge des Lebens irgendwie und irgendwo einzuordnen und zu verarbeiten. Ein interaktiver Prozess, an dem dank erfolgreicher Kampagne nun auch die breite Masse teilhaben kann.

Zum Glück. Denn Lissy Fey schafft es auf ihrem Debüt mit beeindruckender Leichtigkeit, berührende und doch ganz und gar kitschbefreite Pop-Momente heraufzubeschwören. So etwa im eröffnenden Titeltrack und besonders im optimistisch-beschwingten "Du fühlst Dich gut an", das mit druckvoller Bandbesetzung mitten auf die imaginäre Tanzfläche drängt und im Kreis tanzt. "Alles, was ich will, kann ich sein / Kann ich sein mit Dir." Eine herrlich unbeschwerte und unprätentiöse Hymne an das Zusammensein. Auch das flotte "Immer noch" vermag es, mit simplen, aber effektiv eingesetzten Zeilen wie "Wir haben uns kaum gesehen dieses Jahr / Doch irgendwie bist Du mir trotzdem nah" und "Das Leben hört nicht auf zu rennen" eine wohlig-melancholische Stimmung zu entfachen. Ja, die Zeit rennt. Und dennoch gibt es eben diese besonderen Verbindungen, welche die Jahre und Jahrzehnte überstehen. Schön anzuhören in Zeiten der allerorts zunehmenden Entfremdung und Polarisierung. In diesen Momenten der sentimentalen Höhenflüge fühlt sich "Da wo ich herkomm" dabei wie ein seelischer Partner des Wir-Sind-Helden-Glanzstücks "Von hier an blind" an.

Nun gibt es zwischen all der Heiterkeit auch immer wieder Tiefschläge und kaum überwindbare Traumata – wenn die Pfade düster werden, zeigen sich dabei die Songwriting-Qualitäten von Lissy Fey in ihrer reinsten und kompromisslosesten Form. Das erdrückende, karge "Grenzen" stellt den emotionalen Kern des Albums dar. "Da sind die Finger unterm Kleid / Da sind Tränen, da ist Leid / Da is'n Mann, der nicht weiß, wo die Grenzen sind" zieht sich als Motiv in beklemmender Monotonie durch einen Song, der wie die Skizze einer verdrängten Momentaufnahme wirkt – und gerade mit dieser konzentrierten Brutalität so effektiv ein immens wichtiges Thema auf dem harten Boden der Tatsachen anspricht. "Pastinaken" erzählt zu jazzigen Klängen in schemenhaften Bildern von destruktiven Beziehungen und verqueren Lebenszielen, nur um sich zum Schluss völlig überraschend in ein ungestümes Post-Rock-Finale voller kreischender Saxophonklänge und wilder Drum-Salven hineinzusteigern. "Es ist so egal / Denn die Wand bleibt so wie sie ist / Grau und kalt." Zum Leben gehört das Scheitern eben dazu – folgerichtig also, dass Lissy Fey auch auf dem abschließenden, atmosphärisch dichten "Turm" keineswegs erlösende Freudenschreie zelebriert, sondern sich fragend im unaufhörlichen Prasseln des Regens wiederfindet. Gut zu wissen, dass sie sich in solchen Momenten auf ein starkes Netz an Supportern und Fans verlassen kann – denen an dieser Stelle ein großer Dank für die Wegbereitung eines fabelhaften Stücks Musik gebührt.

(Hendrik Müller)

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Highlights

  • Du fühlst Dich gut an
  • Pastinaken
  • Grenzen
  • Immer noch

Tracklist

  1. Da wo ich herkomm
  2. Du fühlst Dich gut an
  3. Pastinaken
  4. Grenzen
  5. Weich wie Butter
  6. Immer noch
  7. Hülle & Hauch
  8. Gold
  9. Outro
  10. Komm heim
  11. Turm

Gesamtspielzeit: 33:12 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

BibaButzemann

Postings: 103

Registriert seit 15.06.2013

2022-03-05 20:26:07 Uhr
Bisher Album des Jahres. Wirklich tolles Songwriting.

Sick

Postings: 208

Registriert seit 14.06.2013

2022-01-29 16:56:55 Uhr
Hmm, find ich überraschend gut. "Pastinaken" ist toll mit den geilen Bläsern.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22533

Registriert seit 08.01.2012

2022-01-19 20:52:47 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22533

Registriert seit 08.01.2012

2022-01-14 19:06:50 Uhr - Newsbeitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 22533

Registriert seit 08.01.2012

2021-12-05 15:52:06 Uhr
Konzert vor einigen Jahren war jedenfalls überraschend schön.
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