Admiral Fallow - Tree bursts in snow

Nettwerk / Soulfood
VÖ: 18.05.2012
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Der Lärm fallender Bäume

Erinnerungen sind etwas Feines. Der Großteil jedes kulturellen Schaffens beruht auf der Umgestaltung erinnerter Erfahrungen, die mittels der künstlerischen Inspiration die nötige Schöpfungshöhe erhalten. Daran anknüpfend geht es in der populären Musik um Wiedererkennungswerte, die das geschaffene Werk mit dem Erfahrungsschatz des Publikums möglichst dauerhaft verbinden. Und natürlich ist die Bezugnahme auf Bekanntes ein überraschend naheliegender Weg, um an die Merkfähigkeit der Zielgruppe anzukoppeln.

Zu viel Geschwurbel für eine Rezension? Mit Sicherheit. Zumal es beim Zweitling der Schotten von Admiral Fallow ja gerade nicht um hemmungslosen Retro-Sound geht. Und dennoch steckt "Tree bursts in snow" kopfüber in allen verfügbaren Erinnerungsschatztruhen. Das gehört im Folkrock eben zum guten Ton, und die Töne des Glasgower Fünfers gehören unbedingt zu den Besten. Wir erinnern uns: Als Admiral Fallows hübsches Debüt 2010 erschien, war Europa immer noch sehr von den rustikalen Rückbesinnungen angetan, die Fleet Foxes und Mumford & Sons angestoßen hatten. Plattentests.de ließ sich von Admiral Fallow dann so begeistern, dass "Boots met my face" dringend Album der Woche werden musste.

"Tree bursts" eröffnet die zehn Sohns mit erwartungsfrohem Knistern. Die weiche Stimme von Sarah Hayes reibt sich im Chor an Louis Abbots kantigem Akzent, und das Gitarrenpicking wächst zu einem angemessen sentimentalen Walzer-Takt mittels Streichern, Klarinetten und sonstigem Geklingel in Richtung Himmel. Von dort aus fallen Blätter zu Boden, die im Text lauter sind als Schussgeräusche. Wenn Folk derart zum Drama wird. Und weil Erinnerungen so schön sind, verbeugt sich die wuchtige Single "Paper trench" vor den Kumpels von Frightened Rabbit (oder wenigstens deren "Living in colour"). Da wurden aus der selben Idee gleich zwei euphorisierende Songs.

Natürlich brauchen sich Admiral Fallow nicht mit fremden Federn zu schmücken. Ihre unschuldigen Songs tanzen zwar gerne um ein Arcade Fire, verbreiten aber im Handumdrehen ganz eigenständige Freude. Tänzelnde Synkopen untergraben den melancholischen College Rock von "Beetle in the box". Das entwaffnende Zutrauen von "Isn't this world enough??" lässt die gesamte Kneipe mitwippen. Zwischen dem schmissigen Vorwärtsdrang von "Brother" und dem saftigen Barmen von "Burn" lauert das besinnliche Midtempo von "The way you were raised". Selten wollte britischer Folkrock so sehr die Hände in den Nachthimmel recken. In jedem der Songs von "Tree bursts in snow" spielen Dur und Moll mit Erinnerungen. An feuchte Tränen und heisere Kehlen.

(Oliver Ding)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Tree bursts
  • Paper trench
  • Isn't this world enough??
  • The way you were raised

Tracklist

  1. Tree bursts
  2. Paper trench
  3. Guest of the government
  4. Beetle in the box
  5. Old fools
  6. Isn't this world enough??
  7. Brother
  8. The way you were raised
  9. Burn
  10. Oh, Oscar
Gesamtspielzeit: 45:46 min

Im Forum kommentieren

Armin

2012-09-26 22:12:52

"Old fools" ist soooo stark:
http://soundcloud.com/nettwerkmusicgroup/05-old-fools

Hollowman

2012-07-02 09:59:04

Starkes zweites Album. Wundert mich, dass die nicht ein bisschen mehr Beachtung finden. Highlights zu benennen fällt mir schwer, wechselt im Moment noch öfters. Auch ein Zeichen der Ausgeglichenheit der Platte. Meine Favorites im Moment vielleicht Tree bursts und Old Fools.

Sind übrigens im September in Köln. Tickets sind bestellt...

Tobson

2012-06-18 12:45:31

Echt klasse, das Album! Mein derzeitiger Favorit ist "The way you were raised". Der fasst irgendwie vieles zusammen, was die Band ausmacht, finde ich.

koe

2012-06-07 16:36:42

Kannte ich noch nicht, errinnert an Frightened Rabbit, New Po-rnographers und (der aeltere) Loney, Dear, die Singles der beiden Alben klingen super. Ich mag diesen Fokus auf Lyrics gepaart mit unangestrengtem Gesang.

Paul

2012-06-06 22:10:25

Ich finde Album No. 1 zwar einen Tacken stärker. Aber das war auch die letzte wirkliche Entdeckung, die ich dank Plattentests gemacht habe. Gutes, zweites Album.

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