Jack White - Blunderbuss
Third Man / XL / Beggars / IndigoVÖ: 20.04.2012
Weiß der Geier?
Blöde Frage: Was macht Jack White mit einer Flasche Säure? Noch blödere Antwort: seine Band auflösen. Und nicht nur die. Noch bevor der Mann aus Detroit das Ende von The White Stripes bekanntgab, beendete er nämlich auch seine Ehe mit dem singenden Model Karen Elson. Ganz ohne Rosenkrieg, dafür mit einer rauschenden Scheidungsparty für handverlesene Gäste - aber genauso unwiderruflich wie die künstlerische Verbindung mit Meg White, die er eigenen Angaben zufolge höchstens im Falle chronischen finanziellen Ruins wiederaufzunehmen gedenkt. Selbst wenn unlängst zu lesen war, dass nicht er, sondern sein Schwesterherz die Notbremse gezogen haben soll. Doch immerhin kann sich White schlecht von sich selbst trennen. Hier ist der Beweis.
Obwohl dieses Soloalbum ursprünglich gar keines werden sollte. Aber da die Kollegen von The Raconteurs und The Dead Weather gerade unabkömmlich waren und die zahlreichen inzwischen geschriebenen Songs dringend wegmussten, zog White die Sache eben im Alleingang durch. Für jemanden, der zwischenzeitlich drei Bands auf einmal unterhielt und einer Americana-Legende wie Wanda Jackson kurzerhand ein Comeback-Album produzierte, schließlich kein Auftrag. Und wer könnte unter den gegebenen Umständen besser über eine "Love interruption" singen als White selbst? Kein Wunder, wenn die gleichnamige halbakustische Single mit ihrer wehen Wurlitzer da deutlich subtiler zu Werke geht als die Donnerbüchse, nach der das Album benannt ist. Doch woanders im Gebälk kracht es zur Genüge.
Etwa wenn die zweite Auskopplung "Sixteen salteens" nach dem orgeltriefenden Opener "Missing pieces" die großkalibrige Gitarrenwumme und anderes schweres Gerät rausholt und man sich plötzlich vorkommt wie im Sägewerk. Dazu frisst die Stimme Feuer, und das Schlagzeug rumpelt so unaufhaltsam vorwärts, dass die arme Meg vor Neid vermutlich einen Kräcker essen möchte. Oder gleich sämtliche 16 aus dem Songtitel, denn staubtrocken genug geht es hier zweifelsohne zu. Wie immer, wenn White im Blues verwurzelte Riffs dröhnend verwildert und gleichzeitig mit der chirurgischen Präzision einer geeichten Höllenmaschine versieht. Oder sie einem hektischen Rockabilly-Hopser wie "I'm shakin" einpflanzt, bei dem selbst den Backgroundsängerinnen nur noch ein geisterhaft entrücktes "Uh-huuh" entfährt.
Nun gilt für dieses Album jedoch das gleiche wie für den Backkatalog der White Stripes: Sofern gedrosseltes Tempo nicht mit Stakkato-Eruptionen wie in "I just don't know what to do with myself" oder bezauberndem "In the cold, cold night"-Gehauche zusammenfällt, haben die langsameren Songs bisweilen mit einer gewissen Konturlosigkeit zu kämpfen. Glücklicherweise macht "Weep themselves to sleep" mit großspurigem Jim-Steinman-Piano zumindest vorübergehend vergessen, dass "Blunderbuss" beim recht ziellosen Titelstück und im zusehends trägen letzten Viertel ein wenig durchhängt, bevor "Take me with you when you go" am Ende doch noch wuchtig in den Sonnenuntergang stapft. Wohin genau, weiß vielleicht der Geier auf Whites Schulter - bei Bedarf kann er ihn ja mal um Rat fragen.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Sixteen salteens
- Freedom at 21
- Weep themselves to sleep
- I'm shakin'
Tracklist
- Missing pieces
- Sixteen salteens
- Freedom at 21
- Love interruption
- Blunderbuss
- Hypocritical kiss
- Weep themselves to sleep
- I'm shakin'
- Trash tongue talker
- Hip (eponymous) poor boy
- On and on and on
- I guess I should go to sleep
- Take me with you when you go
Referenzen
Spotify
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