Blood Red Shoes - In time to voices

V2 / Cooperative / Universal
VÖ: 30.03.2012
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Extrem extrem

Sie werden älter, ruhiger und gesetzter. So ist das wohl, wenn man schon ein paar Jahre im Geschäft ist und eigentlich mal neue Wege einschlagen sollte. Dann greift der Blues mit großer Pranke zu und drosselt fast von alleine die Geschwindigkeit. Mit "Two dead minutes", "Slip into blue" und "Night light", letzterer einer der wenigen wirklich großen Tracks auf dem dritten Longplayer von Blood Red Shoes, kredenzen die beiden Briten die wohl bisher ruhigsten Songs ihrer Karriere, auch wenn "Slip into blue" gegen Ende noch etwas auf die Pauke haut. Laura-Mary Carter und Steven Ansell können nicht leugnen, dass sie ein wenig ihre Probleme haben, der Limitiertheit der Zweierbesetzung zu entfliehen. Die Klaviatur, auf der Blood Red Shoes spielen, ist nämlich seit jeher eine eng begrenzte: Stimme, Gitarre, Drums. Aus die Maus. Das funktioniert live immer wieder genauso großartig wie auf dem mit Hits gespickten Debüt "Box of secrets", doch bereits "Fire like this" ließ hin und wieder etwas Langeweile aufkommen.

Was mit dem Drittling "In time to voices" nun folgt, ist der Schritt in die Extreme. Neben den bereits erwähnten ruhigen Songs gibt es mit dem rund anderthalb Minuten langen Noise-Scream-Gewitter "Je me perds" auf die Zwölf, wie man es gar nicht für möglich gehalten hätte. Was "In time to voices" aber tatsächlich etwas zusetzt, ist die große Anzahl an extrem schnell ausgenudelten Midtempo-Songs, die immer wieder versuchen, an die früheren Großtaten anzuknüpfen. Bemüht zwar, aber eben chancenlos gegen Hochleistungssport wie "It's getting boring by the sea" oder "I wish I was someone better", die seinerzeit deutlich besser in Fahrt kamen. So findet sich einerseits auffallend wenig Neues auf diesem Album, dank seiner Konstanz ist andererseits aber auch kein wirklicher Ausfall zu beklagen. Nur eben ein wenig lähmender wie lärmender Stillstand. Auch nicht das Allerschlechteste bei dieser Band.

Obendrauf hat aber auch "In time to voices" seine mitreißenden Momente - im Ruhigen wie im Lauten. "Night light" ist ein wirklicher Downer in bester Grunge-Manier, das erwähnte "Je me perds" fetzt im Anschluss alle Unsicherheiten aus dem Weg. Außerdem wäre da noch die erste Auskopplung "Cold", die wahrscheinlich am ehesten an die Singletradition von Carter und Ansell anknüpft: Zunächst waren es die großartigen EPs und später auf den Alben immer wieder die aufwühlend schweißtreibenden Singles, die nie zum Kanonenfutter für die Masse gehörten, sondern den Blood Red Shoes erst ihre Stärke gaben. Auch "Cold" gehört mit seinen aufstachelnden Drums und dem Carters sirenenhaftem, aggressivem sowie den ansatzweisen Shouts von Ansell zu den Perlen im Backkatalog der Band. Insgesamt ist "In time to voices" also ein glasklares Übergangsalbum geworden, das nicht genau weiß, wohin die Reise gehen soll. Hinter dem Horizont geht es weiter. Vor allem hinter dem eigenen.

(Kai Wehmeier)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Cold
  • Night light
  • Je me perds

Tracklist

  1. In time to voices
  2. Lost kids
  3. Cold
  4. Two dead minutes
  5. The silence and the drones
  6. Night light
  7. Je me perds
  8. Stop kicking
  9. Slip into blue
  10. Down here in the dark
  11. 7 years
Gesamtspielzeit: 39:12 min

Im Forum kommentieren

Jaggy Snake

2021-10-15 15:44:36

Muss zugeben, dass ich insgesamt eher wenig Erinnerungen an das Album habe, aber „Cold“ fand ich immer saustark. „Take a step out into the daaaayliiiight…“

MopedTobias (Marvin)

2021-10-15 15:43:42

Lustig, dass ich den Thread damals aufgemacht hab, weiß ich gar nicht mehr :)

Bei mir ist die Self-Titled inzwischen die Nummer eins, was für eine Wucht die hat. Dahinter dann "In time...", dann erst das Debüt, das ich immer noch mag, aber mir auch ein bisschen zu "normaler" Tanz-Indie mittlerweile ist. Aber ja, coole Band.

Ralph mit F

2021-10-15 14:27:54

PUSH!!

Nochmal zu Gemüte geführt, nachdem ichs in der Rezi zu den Velveteers verlinkt hatte ("Brightest light" ließ mich direkt an "Night light" denken).
Bockstarkes Album, dessen düsterer, schwerer Touch - genau wie von Marvin beschrieben -damals doch sehr überraschend gekommen ist und absolut gezündet hat. Haben sie dann mit der wieder "rockigeren" Self-Titled im Anschluss beinahe nochmal getoppt. Grundsätzlich find ich alle Alben sehr eigenständig; erst bei "Get tragic" war dann im Songwriting aber schlussendlich doch ein bisschen die Luft raus.

MopedTobias (Marvin)

2015-02-28 14:49:09

Da dieses Album als einziges der Band noch keinen eigenen Thread hat und um Armins Aufruf weiterer Threaderstellungen zu folgen, nun ein Thread zu In Time to Voices. Macht mir zur Zeit wieder sehr viel Spaß, für mich ihre Beste nach dem Debüt. Der düstere, schwere Touch steht ihnen gut. Highlighs: Titeltrack, Lost Kids, Two Dead Minutes, 7 Years.

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