Biffy Clyro - Blackened sky

Beggars Banquet / Connected
VÖ: 11.03.2002
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Blut.Schweiß.Tränen.

Arschlöcher lauern. Und zwar überall. Sowohl in der maskulinen, wie auch - und das ist für den Mann von heute oftmals die prägendste Erfahrung - in der femininen Ausgabe. Gestern schenken sie Dir noch ihr Vertrauen, heute bist Du schon mit einer einzigen süffisanten Handbewegung aufs Abstellgleis abgeschoben. Die Hagelschauer, die urplötzlich von einem noch kürzlich himmelblauen Mittsommerhimmel fallen, tun besonders weh. Weil hier ein Schlag aus einer Richtung ausgeführt wird, aus dem man eigentlich uneingeschränkte Rückendeckung erwartet hatte. Einzig gültiger Grundsatz in allen Lebenslagen: Vertraue niemandem außer Dir selbst.

"Take me to your blackened sky". In Glasgow weiß man um diese und ähnliche existenzielle und wohl leider auch unvermeidliche Stolperfallen Bescheid. Denn auch wenn schottische Röcke eher selten ein Zugeständnis abgebrühter Hochländer an feministische Züge sind, so lechzt insgeheim auch der rauheste darunter versteckte Dudelsack nach Zuneigung und körperlicher Nähe. Es kann eben doch nicht nur einen geben. "If you wanna get it / Go and break my heart".

Da stehn sie nun, die Schotten. Für eine Handvoll Liebe ist Biffy Clyro kein Weg zu weit. Man klettert über wahre Berge an Melodien von oft atemberaubender Größe, haut sich nahe der Erschöpfung mit verzerrter Berserkeraxt durch Urwälder unsteter Einsamkeit und gelangt zumindest mittelfristig doch nur an einen Punkt der völligen Resignation. Wo gleich zum Auftakt im Seelenpflaster-Song "Joy.discovery.invention" die Intensität der verblichenen Far aufblitzt und mit einer Aufforderung wie "Get up, get up, get over!" der eigenen Mißlage zum Selbstschutz eine gesunde Portion Gleichgültigkeit entgegengesetzt wird, schwellen zum ersten Mal bei "Kill the old, torture their young" die Zornesadern auf den doppelten Durchmesser von Nessie's Rückenflossen.

Wenn sich dann am Ende ebendieser Psycho-Nummer Gitarre und Schlagzeug zunächst in verschwörerischer Eintracht vor dem viersaitigen Monster im brummenden Untergrund verstecken, nur um sich kurz darauf wieder mit dem Tiefdröhner zu versöhnen und abgrundtief fies grinsend noch einmal mächtig Fresse zu polieren, dann neigen Nacken zum Brechen. Die schottische Variante altbekannter Sehnsuchts-Träume "Blackened sky" überzeugt tatsächlich auf ganzer Linie, stellt aber letztendlich dennoch keine definitive Endlösung für Sitzengelassene dar. "...and I'm still falling down".

(Sven Cadario)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Highlights & Tracklist

Highlights

  • Joy.discovery.invention
  • Christopher's river
  • 57

Tracklist

  1. Joy.discovery.invention
  2. 27
  3. Justboy
  4. Kill the old, torture their young
  5. The go-slow
  6. Chrisopher's river
  7. Convex, concave
  8. 57
  9. Hero management
  10. Solution devices
  11. Stress on the sky
  12. Scary mary
Gesamtspielzeit: 49:00 min

Im Forum kommentieren

jo

2022-04-20 13:01:03

Ja - gilt ja auch für die folgenden Alben :).

8hor0

2022-04-20 11:45:24

viele b-seiten sind sogar besser als manche album-tracks.

Leech85

2022-04-18 15:05:15

Hope for an Angel ist grossartig verstehe bis heute nicht weshalb der nur ne B- Seite ist.

derdiedas

2022-04-18 11:38:21

Blackened Sky mag ich auch sehr. Mit 57 und JUstboy haben sie die knackige Indierock-Single mit hymnischem Refrain perfektioniert, und sonst auch alles dabei, von Prog-Ansätzen bis wirklich schönen Balladen (die Biffy nach Puzzle leider irgendwie verlernt haben)
Auch fantastische B-Seiten aus der Zeit, wie Hope for An Angel oder Being Gabriel

Wirklich witzig finde ich die Uralt-Songs, die als Livemitschnitt aus 1998 oder so auf Youtube zu finden sind. Da klingen sie noch wie eine Wannabe-Grungeband

Leech85

2022-04-18 09:39:13

Hmmm also ich war immer ein Fan dieses Albums. Damals waren Biffy eine Band die eingängige Rock Songs richtig schreiben konnten. So müssten sie für mich eigentlich heute klingen. Die Härte von damals fehlt in den heutigen Songs einfach. Aber ich fand die Prog-Frickel Pop Biffy auch die besten. Also vor allem Infinity Land und Vertigo of Bliss.
Die neuste Scheibe Myth of happily kommt da wohlbemerkt für mich ein Stück weit wieder heran.
Aber Alben wie Puzzle, A Celebration of Endings, Opposites, sind zwar auf hohem Niveau aber es sind für mich alles Alben die im Blackened Sky Gewand besser rüberkommen würden. So Emotionen wie in Justboy brauche ich!

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Spotify

Threads im Forum