Booka Shade - More!

Get Physical / Cooperative / Universal
VÖ: 23.04.2010
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Im Glashaus

Frankfurt – Berlin – Ibiza. Das ist nicht die neue Flugroute der Dame aus der Haarspray-Werbung, sondern so etwas wie das Bermudadreieck der elektronischen Tanzmusik. Dort macht mittlerweile schon mindestens die zweite Generation von Hedonisten die Nacht zum Tage und den Tag in einem Aufwasch gleich wieder zur Nacht. Mit dabei im großen Partybus sind seit 1992 auch Arno Kammermeier und Walter Merziger. Zunächst noch im Synthpop zuhause unter dem Namen Planet Claire und danach als Degeneration im Trance unterwegs, trugen sie ab 2004 als Booka Shade und mit Hits wie "Mandarine girl" maßgeblich dazu bei, dass die viel beschriene Neo-Trance-Welle die Clubs unter Wasser setzte. Das zugehörige Album "Movements" wurde ebenfalls abgefeiert. Der Nachfolger "The sun & the neon light" kam allerdings beim eigenen Anspruch, digitale und organische Klangwelten miteinander zu verbinden, ins Schwimmen.

"More!" besinnt sich daher wieder auf schnörkellosen Techhouse und wechselt kompakte, auf fünf Minuten reduzierte Tracks für den Dancefloor mit noch kürzeren Zwischenstücken ab, die Raum geben zum Luftholen. "Teenage spaceman" und "Scaramanga" schließen nahtlos an das Hiterbe von "Movements" an - mit tranciger Sonnenaufgangsorgel, mal bouncenden, mal schnappenden Beats und dem obligatorischen Zusteuern auf den einen ultimativen Höhepunkt. Eine tausendfach hergebetete Formel, die aber erstaunlicherweise immer noch funktioniert. "Bad love" mit Chelonis R. Jones am Mikro versucht sich stattdessen erfolgreich an Vocalhouse im Songformat. Zwischendurch klopfen Booka Shade dem Oldschool-Elektro von "The door" mit einem Kraftwerk-Zitat den Bunkerdreck aus den Fugen, bevor Dieter Meier von Yello das dezente Acid-Zwitschern von "Divine" mit seinem typisch distinguierten Sprechgesang veredelt. "No difference" schließlich sucht Abwechslung aus dem Dancefloor-Einerlei und gibt sich ambient-cineastisch.

Daneben stehen allerdings auch der bemüht witzige Opener "Havana sex dwarf" oder das belanglose Schlussstück "This is not time". Auch sonst gleiten Booka Shade auf viel digitaler Pomade durch ihre Berliner Designerwohnung, was leider zur Folge hat, dass der Sound immer kurz davor steht, langweilig zu werden. Spaßmindernd wirkt sich bei "More!" dann aber aber vor allem die Kürze der Platte aus, die gerade bei "L.A.tely" zur Folge hat, dass Booka Shade einen eigentlich sehr gelungenen Ansatz leider zu früh abbrechen, anstatt ihn zu einem runden Track auszubauen. Trotzdem wird das Duo in Form der Singleauskopplungen auch auf diversen Tanzfluren wieder für Euphorieschübe sorgen - dann wohl auch in den hier schmerzlich vermissten Langversionen. In den heimischen vier Wänden aber ist "More!" mehr wie ein Aquarium für die Ohren: schön anzuhören, aber auch alles hinter Glas.

(Harald Jakobs)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Teenage spaceman
  • Divine
  • Scaramanga
  • Bad love

Tracklist

  1. Havanna sex dwarf
  2. Donut (interpretation)
  3. Regenerate
  4. The door
  5. Teenage spaceman
  6. Divine
  7. Scaramanga
  8. L.A.tely
  9. Bad love
  10. No difference
  11. This is not time
Gesamtspielzeit: 45:33 min

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