Sparklehorse - It's a wonderful life

Capitol / EMI
VÖ: 31.08.2001
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Wunderkerzen in Zeitlupe

Gewisse Platten schreien lauthals nach bestimmten Jahreszeiten, und so hat sich mittlerweile neben den flockigen Sommeralben auch das Subgenre der Herbstplatten seinen Platz im Veröffentlichungsfahrplan erobert. Wenn gegen die immer nackter werdenden Bäume und bis zur Unkenntlichkeit schrumpfenden Tage mit Antidepressiva, Kuscheln vor dem Kamin oder hartem Alkohol nicht mehr anzukommen ist, wird oft und gerne zur Musik gegriffen - sowohl auf Konsumenten- wie auch auf Produzentenseite. Pünktlich zum anstehenden Start der diesjährigen Melancholiesaison werden nun verträumt-pessimistische Romantikerseelen mit einem Album beglückt, das gute Chancen hat, die Spitzenposition der diesjährigen Herbstrunde zu erobern.

Mark Linkous schafft mit wechselnder Begleitung seit 1995 unter dem Decknamen Sparklehorse facettenreiche Herbstmusik, und so präsentiert er auch auf \"It\'s a wonderful life\" eine ebenso vielfältige Gästeliste; eine, für die andere Musiker vermutlich über Leichen gehen würden. Zusammen mit - unter anderem - Altsarkast Tom Waits, Punkmystikerin Polly Jean Harvey, Strickjackenfreundin Nina Persson und Produzentensternchen Dave Fridmann reiht er dieses Jahr majestätisch schimmernde Seelenwärmer an dreckigen Düsterpop mit Dub-Appeal, bringt Uppers und Downers geschickt durcheinander und quirlt mit querem Humor und ehrlichem Staunen den Herbsthorizont zwischen Selbstmitleid und Selbstironie in angenehm entrückte und detailversessene Schieflagen.

Bei all der Vielfältigkeit vergißt Linkous glücklicherweise nicht, die dreizehn Songs mit den hübschen Titeln zu einem funktionierenden Album zusammenzuschweißen. Die gemächlichen, ruhigen und sanften Momente dominieren, ausgestattet mit filigranen Instrumentalspuren, von den weiblichen Gästen zurückhaltend-eindringlich gehauchten Melodien und den fragilen Fridmann\'schen Markenzeichen-Flöten- und Streicherdetails, während die vereinzelten rauheren Episoden die Platte clever vor der drohenden Versumpfung bewahren. Bei all der Melancholie vergißt \"It\'s a wonderful life\" aber das leidenschaftliche, naive Staunen nicht. So schafft es Linkous, dem eintönigen Pessimismus in den richtigen Momenten kräftig in den Hintern zu treten, ohne penetrant damit missionieren zu wollen.

Menschen, die sich jetzt schon auf die kurzen Tage freuen, können dieses Album jedenfalls bedenkenlos auf ihre Einkaufsliste setzen. Und damit ihrem ganz persönlichen Herbst das gewisse bittersüße Etwas verleihen, die nächsten drei Monate mit Hilfe eines funkelnden Zeitlupenalbums beliebig dehnen, wenden und strecken und nicht zuletzt in den seltsamsten Momenten ein leises Lächeln auf ihre Lippen und in ihre Seelen zaubern. Vielleicht stellen sie, wenn nach Wochen die ersten Flocken vom Himmel purzeln, verwundert fest, wie weit sich das Pferdchen zögerlich und schleichend zwar, aber kontinuierlich und konsequent mit all seinen garstigen bis versöhnlichen Seiten bis zum persönlichen weichen Kern durchgefressen und damit den Herbstmeistertitel verdient erobert hat. It\'s a wonderful life, indeed.

(Adrian Schulthess)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • It\'s a wonderful life
  • Piano fire
  • Apple bed
  • King of nails

Tracklist

  1. It's a wonderful life
  2. Gold day
  3. Piano fire
  4. Sea of teeth
  5. Apple bed
  6. King of nails
  7. Eyepennies
  8. Dog door
  9. More yellow birds
  10. Little fat baby
  11. Comfort me
  12. Babies on the sun
  13. Morning hollow
Gesamtspielzeit: 60:27 min

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