Rosie Thomas - A very Rosie Christmas!

Sing-A-Long / Nettwerk / Soulfood
VÖ: 21.11.2008
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

Hilfe, es weihnachtet sehr!

Der charmante Wahnsinn von "A very Rosie Christmas!" lässt sich an nackten Zahlen ablesen: Sechs der zwölf Stücke und das Album selbst schmücken sich im Titel mit dem Wort "Christmas". Dazu gibt es ein rot-weiß-grünes Kuschel-Artwork so voller Weihnachtsmützen, kitschigsten Muster-Pullovern und familiärer Eintracht, dass sensible Mitteleuropäer augenblicklich Diabetes bekommen dürften. Im Grunde ist es ein mittelschweres Weihnachtswunder, dass das Booklet nicht mit Spekulatius eingerieben wurde oder die Macher gleich ihre Dankeshymnen auf Freunde und Familie mit goldenem Glitter auf Keksteig gedruckt haben. Die Verpackung macht klar, wie hier der Hase, beziehungsweise das Rentier, läuft: Indie-Darling Rosie Thomas vertont ihr amerikanisches Weihnachten, und das glitzert und blinkt nun einmal an allen Ecken, als wäre Besinnlichkeit olympische Disziplin. Im Gegensatz zu Understatement.

Die Inszenierung des überkandidelten Feiertagskitschs mag ironisch gemeint sein, das Gefühl ist es nicht. Thomas ist eine Weihnachtsfanatikerin, anders lässt sich zumindest nicht erklären, dass sie ihrem guten Freund Sufjan Stevens als Indierock-Santa-Clause nacheifert - und sich an einigen der Fremdkompositionen verhebt. Zwar klingt totgedudeltes Hintergrundgestöber wie "Winter wonderland" oder "Let it snow" aus Thomas' Mund allemal sympathischer als bei den üblichen Verdächtigen, aber verzichtbar ist es trotzdem. "Silent night" dagegen macht sie sich mit neuer Melodie ganz bezaubernd zu eigen, ebenso bekommt das Traditional "O come o comeEmmanuel" gleichermaßen orchestrale wie engelhafte Züge. Auch Joni Mitchells "River" erhält etwas von der herzlichen, intimen Wärme, die Thomas immer und vor allem auf ihrem letzten Studioalbum "These friends of mine" verströmte. Zeitweise wird es abseits davon sogar beschwingt, wie in der fröhlichen Eigenkomposition "Why can't it be Christmastime all year?".

Mit "Sheila's Christmas miracle!" gibt sich schließlich Thomas' Stand-Up-Alter Ego Sheila Saputo ein Stelldichein in einem herrlich kruden Weihnachtshörspiel, das vor schrägem Humor nur so strotzt. Wenn sie sich dann am Ende in "Rosie's Christmas wish" bei allen Mitwirkenden bedankt, bei Ehemann Jeff Shoop, Produzent Josh Myers, Songschreiber-Kumpel Damien Jurado und bei den Hörern für ihren "constant lovin' support", ahnt man, wie viel Spaß es gemacht haben muss, dieses Album im Kreis der Lieben aufzunehmen. An der Umsetzung gibt es schließlich nur wenig auszusetzen - und lediglich das Thema dürfte manchem Hörer in so geballter Dosis die Freude an Thomas' musikalischem Talent nehmen.

(Dennis Drögemüller)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Silent night
  • O come o Emmanuel
  • Christmas don't be late

Tracklist

  1. Christmastime is here
  2. Why can't it be Christmastime all year?
  3. River
  4. Winter wonderland
  5. Silent night
  6. O come o Emmanuel
  7. Snow day
  8. Alone at Christmastime
  9. Christmas don't be late
  10. Let it snow
  11. Sheila's Christmas miracle!
  12. Rosie's Christmas wish
Gesamtspielzeit: 49:17 min

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