Muse - Origin of symmetry

Maverick / Motor / Universal
VÖ: 18.06.2001
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Der innere Frieden

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Der Sprichwortschatz ist voll von derartigen Floskeln, die vieles bezeichnen und nur eines aussagen: Jedes Leben, jeder Gedanke und jede Sache hat ihre ureigene Entsprechung auf der anderen Seite des Spiegels. Eine Laune der Natur, die in der Gegensätzlichkeit von Mann und Frau ihren spannungsvollen Höhepunkt findet. Die Welt ist voll von Widersprüchen. Auch wenn dies oft verdrängt oder relativiert wird, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich dessen auch im musikalischen Kontext jemand bewußt wird. Daß Muse die Auserwählten sind, überrascht nach dem vertrackten Debütalbum "Showbiz" nicht wirklich. Denn bereits darauf zeigte sich eine Band, die trotz der offensichtlichen Inspiration durch Radioheads Meisterwerk "The bends" in kein Schema zu passen vermochte und dem Hörer die Tür zu ihrem ganz eigenen "Cave" sperrangelweit aufstieß.

Nachdem sich jene unterirdische Stimmung noch wie ein roter Faden durch "Showbiz" gezogen hat, berührt auf "Origin of symmetry" nur noch das Erdungskabel des hinlänglich bekannten "Plug in baby" den Boden der Tatsachen. Muse haben sich das Weltall zum neuen Kosmos und die Erde zum Blitzableiter auserkoren, um ihre Funken vom Himmel sprühen zu lassen. Im Geiste haben sie sich als außerirdische Wesen emanzipiert und geben ihre "Hyper music" zum Besten: "Your golden skies feed my role / In this forgotten space race under my control". Von Schwerkraft und Bodenhaftung haben sie sich vollkommen losgesagt. Dabei klingen Muse, als ob man Sonic Youth auf der maroden Raumstation MIR ausgesetzt hätte und diese angesichts des drohenden Absturzes lautstark um Gnade winseln: "The distance to your home / Fades away to nowhere".

Dass Bellamy für die Inszenierung seiner Leiden stets die theatralischste Geste wählt und mit den lärmenden Instrumenten um die Wette jault, wirkt nur manchmal nervtötend statt nervenaufreibend: Wenn der Klangteppich wie in "Screenager" oder "Space dementia" heillos durch den Raum schwebt und weit und breit kein rettender Stern in Sicht ist, greift die nicht enden wollende, einschläfernde Leere des Weltalls auf den Hörer über. Um eindringliche Episoden wie "Bliss" oder "Darkshines" und das Nina-Simone-Cover "Feeling good" inszenieren die Briten einen größenwahnsinnigen Giants Fiction-Film. Dieser mutet derart paranoid an, daß der Hörer nicht nur in seinen Bann gezogen wird, sondern mitunter Gefahr läuft, wie von einem schwarzen Loch aufgesogen zu werden. Lichtjahre von der Erde entfernt liefert sich der ohrenbetäubende Gitarrenkrach mit synthethisch-monotonem Keyboardgeklimper und Bellamys exaltierter Stimme ein Duell, das Angst und Schrecken verbreitet und die Nachwirkungen des Urknalls mehr als nur erahnen läßt.

Schließlich wird klar, daß mit dem Albumtitel doch eine ganz bestimmte Symmetrie gemeint ist. Rund 200 Jahre, nachdem Goethes Faust mit den Worten "Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust" mit seinem Schicksal haderte, haben Schizophrenie und Zerrissenheit losgelöst von Zeit und Raum in Matthew Bellamy ein neues Opfer gefunden. "Height is the one for me / It gives me all I need / And helps me co-excist with the chill". Sie haben von ihm Besitz ergriffen und lassen ihn tausend Tode sterben. Wenn Muse auf "Showbiz" am Boden zerstört waren, treiben ihre Bruchstücke auf "Origin of symmetry" durch die endlosen Weiten des Alls. "Give me all that peace and joy in your mind" fleht Matthew Bellamy in "Bliss" und ist von seiner Seelenruhe weiter entfernt denn je. "Peace will arise and tear us apart."

(Armin Linder)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • New born
  • Bliss
  • Hyper music

Tracklist

  1. New born
  2. Bliss
  3. Space dementia
  4. Hyper music
  5. Plug in baby
  6. Citizen erased
  7. Micro cuts
  8. Screenager
  9. Darkshines
  10. Feeling good
  11. Megalomania
Gesamtspielzeit: 51:41 min

Im Forum kommentieren

Felix H

2022-01-15 22:52:01

Den neuen Mix finde ich grundsätzlich in Ordnung, das Original wird er für mich nicht ersetzen. Das finde ich zwar weniger klar, aber irgendwie stimmiger.
Hier stört mich die laute Snare, die fehlenden Übergänge zwischen den Songs und der vermurkste Vocal-Mix in "Feeling Good" bei 2:24. Ernsthaft, das kann doch keine Absicht so gewesen sein.

smrr

2021-07-26 19:31:36

Meld dich mal unter m.2003(at) GMX.net :)

Kai

2021-07-26 13:07:27

Ich hab die (jetzt ausverkaufte) limitierte Version nun zwei mal, einmal davon noch eingeschweißt.

Wenn die hier jemand von euch möchte, bekommen wir das sicher zum Originalpreis (23€+ggf. Versand) hin.

Huhn vom Hof

2021-06-19 14:52:17

Wird es den XX Remixx denn nicht auf CD geben? :(

Huhn vom Hof

2021-06-19 14:50:44

Ich würde "Futurism" zwischen "Bliss" und "Space Dementia" packen. Aber so oder so ein 10/10-Album, eins der packendsten und mitreißendsten Alben die ich kenne.

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