Herbert Grönemeyer - 12

Grönland / EMI
VÖ: 02.03.2007
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
5/10

Die Wanne Optimismus

Herbert Grönemeyer ist eine Institution. Eine feste Größe dieses Landes. In seinen Liedern liegt der Zeitgeist, die Konsensführung, gesungen von dem Gutmenschen, dem Zusammenführer der Generationen. Nach fünf Jahren öffentlicher Enthaltsamkeit - abgesehen vom komponierten WM-Glück - kehrt der Exilant ins Rampenlicht der Gesellschaft zurück, die ihn auf Händen trägt, die ihm verzeiht, die ihn zum Volkstribun erklärt hat. Und so ist es auch sein persönlicher Geschmack, der die nächsten Jahre die deutschsprachige Musik mitgestalten wird. Es scheint gut so zu sein. Denn schließlich ist dies der Geschmack von Millionen.

Jedoch: "Der Mensch heißt Mensch, weil er irrt." Das wirft die Frage auf, was der personifizierte Zeitgeist an Inhalten transportiert und ob aus dem öffentlichen Herbert ein müder Selbstläufer geworden ist. Und warum man ihm keine Verführung, keine Manipulation vorwerfen kann. Wie Grönemeyer es schafft, Sorgen und Glück, Freude und Ängste nicht nur flächendeckend zu beschreiben, sondern in seinen Liedern gar einzubetten. Und wie kann man sich anmaßen, dieses Phänomen unserer Zeit zu erklären? Fest steht: Grönemeyer, der Vielgeliebte, lädt zu kontroversen Diskussionen ein. Mit seinem neusten Werk "12" einmal mehr.

Eins ist der Mann. Zwei die Frau. Und die Quersumme Drei ist das Kind. Ein Rundumschlag um das ganz große Thema, mal wieder. Und nebenbei: Das zwölfte offizielle Album. Es geht einen Schritt weiter als der Vorgänger "Mensch". Die Trauer rückt aus dem Blickfeld, der Mensch als Orientierungssuchender, Grenzenauslotender wird beschrieben. In allen Lagen. Mit großem Orchestereinsatz, dezenten Klavierklängen, euphorischen Melodien und einer bombastischen Produktion. Natürlich sitzt hier jeder Ton, jedes Wort, jeder Lufthauch. Und letztendlich auch jeder Wunsch der unüberschaubaren Fangemeinde.

Da eröffnet "Lied 1 - Stück vom Himmel" mit prachtvollen Klavierklängen ein aufgeladenes Stück, das sich mit einer kräftigen Gesangsmelodie dem Unmenschen annimmt, da hört man mit "Lied 5 - Flüsternde Zeit" eine laute, erboste Anklage gegen die Regierungen dieser Welt, untermalt mit einer undefinierbaren Instrumentierung. "Lied 8 - Ohne Dich" durchflutet mit lieblicher Pianobegleitung, angenehm plätscherndem Schlagzeug und dezenten Gitarrenklängen den Trennungsschmerz der Liebenden. Es sind schöne Lieder. Und das darf man sagen.

"12" badet in einer großen Wanne Optimismus, wo eigentlich das Gegenteil angebracht wäre. Eine Wanderung durch große Textgebirge beginnt mit dem ersten Wort, endet mit der letzten Zeile. Texte, die durch und durch nach Grönemeyer schmecken, die allumfassend sind, die vielschichtig sind. Und doch leichtverdaulich. Sicherlich: Kritiker stehen schon auf der Matte. Da wird der Ruf an die Güte der Welt belächelt, da werden musikalische Selbstzitate auf die Waagschale gelegt. Grönemeyer war schon besser, schon größer, schon näher dran. Doch bleibt "12" nach allem Hin und Her ein solides Popalbum. Eines, an dem Professionalität und qualitative Handwerksarbeit ausgemacht werden können. Es gehört nicht in jede Sammlung, bedeutet jedoch den Richtweg des Radioprogramms der nächsten Jahre. Und daran kommt schließlich wirklich keiner vorbei.

(Christian Preußer)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Lied 1 - Stück vom Himmel
  • Lied 5 - Flüsternde Zeit
  • Lied 12 - Liebe liegt nicht

Tracklist

  1. Lied 1 - Stück vom Himmel
  2. Lied 2 - Kopf hoch, tanzen
  3. Lied 3 - Du bist die
  4. Lied 4 - Marlene
  5. Lied 5 - Flüsternde Zeit
  6. Lied 6 - Leb in meiner Welt
  7. Lied 7 - Ich versteh
  8. Lied 8 - Ohne Dich
  9. Lied 9 - Spur
  10. Lied 10 - Zieh deinen Weg
  11. Lied 11 - Zur Nacht
  12. Lied 12 - Liebe liegt nicht
Gesamtspielzeit: 48:55 min

Im Forum kommentieren

John

2007-08-15 07:51:39

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meino

2007-06-16 18:47:03

Gut'n abend
wollt nur sagen war beim Livekonzert zur neuen Platte, nach wie vor ultrasolide.
Auch wenn einige Stücke von der neuen Platte eher durchwachsen scheinen, und man selbst bei gutwilligstem Publikum "Marlene" live echt nicht bringen kann - es war wieder seeeehr geil.

Zum Ausgleich gabs "Musik nur wenn sie laut ist" - live Rarität!! und sogar das alte "Bloß geliebt" mal live!

Vor nunmehr 16 JAHREN war ich auf meinem ersten Grönemeyerkonzert,
- und werd wahrscheinlich auch zum nächsten wieder gehen. Bin selbst überrrascht.
Finde, dass musste mal gesagt werden...

RZ

2007-05-27 17:24:10

Fand den Eisbär auf dem Video zu "Mensch" ganz originell und seine Liedertexte können zum Nachdenken anregen.Hab das neue Album aber noch nicht ganz gehört und werds mir wohl kaum kaufen;Fans werdens aber sicher mögen,weil er seinem Stil treugeblieben ist.
Ich hör mir aber gelegentlich lieber die Uraltschnulzen von Udo Lindenberg an und denk an alte Zeiten...

jose

2007-04-09 18:09:34

also ich muss ma wa szu ein stück vom himmel für die school wissen was steckt da fürn gottesbild in dem lied un was fürn menschenbild....BITTE antwortet SCHNELL!!!!!danke schon ma an die die mir helfen wollen/helfen.....mfg Josephine

Florian

2007-03-09 16:05:42

Hat denn noch niemand bemerkt, dass Grönemeyer für "Lied 4 - Marlene" ziemlich geschickt die Gesangslinie von "Lili Marleen" entwendet??? Für mich einer der besten Songs des Albums.

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