Sigrid - There's always more that I could say

Vertigo / Universal
VÖ: 24.10.2025
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Vergiss mein nicht!

Die Spannung war groß: Würde Sigrid Solbakk Raabe mit dem dritten Album endlich den Stein der Popweisen finden? Sie hatte bereits zweimal nach ihm gesucht, auf ihrem schwungvollen Debüt "Sucker punch" und auf dem breiter aufgestellten Nachfolger. Immer, wenn sie die innere Robyn von der Leine ließ und sich für schmissige, tanzbare Pophits entschied, landete sie Volltreffer. Eine erstaunliche Menge auf der ersten Platte, ein paar noch auf der zweiten. Doch immer, wenn sie Balladen dazwischenschob – und auf "How to let go" waren es deren eindeutig zu viele –, bremste sie sich vor dem richtig großen Wurf selbst aus.

Wenn man den Albumtitel "There's always more that I could say" ausgesprochen hat, ist die Scheibe schon halb herum. Das soll überhaupt nicht abschätzig klingen. Zehn Songs, 31 Minuten, hier ist keine Zeit für langen Schmus. Eine einzige Ballade nur, erst ziemlich spät gönnt Sigrid den Tanzbeinen eine Ruhe, setzt sich zum Titelsong allein ans Klavier und erklimmt für 2:42 Minuten den Mount Adele. Schön. Den Rest der Zeit gibt die Norwegerin Vollgas, aber mit Abwechslung. Großes Lob an die Produktion: konzentriert, abwechslungsreich – und mit Fokus auf die hörbar gereifte Sängerin in ihrem Zentrum. Diese Stimme hat nämlich mehr Kanten und Rauheit, als mancher Pophörer denken mag. Ähnlich wie bei Miley Cyrus, nur mit besseren Songs. Ein Experimentalalbum ist das hier natürlich längst nicht, es bleibt überwiegend – äußerst – eingängiger Elektropop. Aber es darf schon auch mal härtere Ausdrücke geben. Der "Parental advisory – explicit lyrics!"-Sticker klebt nach zwei Songs vom Debüt und null vom Nachfolger dieses Mal gleich auf vier Stücken, während Raabe sich durch die drei Phasen einer Beziehung arbeitet.

Das rasant losstürmende "I'll always be your girl" gibt sich der blinden Verknalltheit hin, obwohl die Warnzeichen längst im Raum stehen, mit "Jellyfish" folgt ein richtig bonbonbunt fluffiges Popstück in typisch skandinavischer Perfektion. Noch umwerfender ist "Do it again", das nicht nur vom Titel an die Kollegin Robyn erinnert. Schon der Prä-Chorus ist Ohrwurm pur, und dann dreht sie die Melodieschraube noch eins weiter, also auf elf. Alles geht, auch Sprechgesang als neues Stilmittel der vielseitigen Sängerin. Wie in "Kiss the sky", hier nebst fiesen "Uhuhu"s und Gniedelansätzen, der Liebeskummer hat eben bereits eingesetzt. Und der kann dauern, "Two years" mitunter, gut, wenn dann solche Refrains über die Schmerzen helfen. Oder herrlichstes Synthiegeboller wie in "Hush baby, hurry slowly", das die besten Popmomente vom Anfang dieses Jahrtausends zurückholt. Als man Kylie noch nicht aus seinem Kopf bekommen konnte.

Bevor die erwähnte Atempause in Form des Titelsongs einsetzt, werden die Tränen der nun wirklich anstehenden Trennung noch in "Fort Knox" eingeschlossen. Wenn zu diesem Track nicht bei jedem Konzert Konfettikanone und/oder Stroboskopgewitter explodieren, wurde am Budget gespart. Den Abschluss bilden dann zwei Stücke, die noch einmal das erwachsene(re) Songwriting unterstreichen. "Have you heard this song before" startet mit flockigen New-Order-Gitarren und hat abermals einen schmissigen Refrain in der Hinterhand. Und "Eternal sunshine" lässt nicht ohne Absicht gleich in der ersten Zeile die Worte "spotless mind" fallen (streamt den Film mit Kate Winslet und Jim Carrey, Kids, Ihr werdet es nicht bereuen), hakt das alte Elend ab und reitet auf einem Kate-Bush-Beat erhaben in die Zukunft. Neue Liebe, neues Glück.

(Thomas Bästlein)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • I'll always be your girl
  • Do it again
  • Fort Knox
  • Eternal sunshine

Tracklist

  1. I'll always be your girl
  2. Jellyfish
  3. Do it again
  4. Kiss the sky
  5. Two years
  6. Hush baby, hurry slowly
  7. Fort Knox
  8. There's always more that I could say
  9. Have you heard this song before
  10. Eternal sunshine
Gesamtspielzeit: 31:01 min

Im Forum kommentieren

Armin

2025-11-05 21:01:05- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

qwertz

2025-10-24 11:55:29

Nachdem ich dem zweiten Album nicht so viel abgewinnen konnte, bin hier wieder angetaner. Schöner Powerpop! Der Opener ist riesig, "Hush Baby" und "Eternal Sunshine" gefallen mir auch total.

Hat jemand Live-Erfahrungen gemacht und kann berichten?

MickHead

2025-10-24 11:02:44

Komplette Playlist bei YouTube:

https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_kgfvJ6yboAtXFZhrQJMtBSGIlSQ_d00Gw&si=BDC-oI0tiCNj784j

MickHead

2025-10-10 14:29:33

Tour 2026

MARCH
03 – Cologne, DE – Carlswerk Victoria
04 – Munich, DE – Muffathalle
05 – Berlin, DE – Huxleys Neue Welt
07 – Hamburg, DE – Georg-Elser-Halle

MickHead

2025-09-26 17:22:23

2. Song "Two Years"

https://youtu.be/uC31AXMukfo?si=YtwoCmGf1-jAzpzy

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