Tame Impala - Deadbeat

Columbia / Sony
VÖ: 17.10.2025
Unsere Bewertung: 4/10
4/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Versiebtes Investment

"Woran hat et jelegen? Dat fracht man sich natürlich immer, woran et jelegen hat."

Woran et jelegen hat, dass "Deadbeat" so dermaßen in die Binsen gegangen ist, bleibt für Außenstehende fraglich. Es gibt zumindest jedoch ein klares Indiz, was hinter Kevin Parkers fünftem Album als Tame Impala stecken könnte. Im Mai 2024 verkaufte Parker die Rechte seines Schaffens an das Musik-Imperium Sony – und zwar nicht nur für die vergangenen Werke, sondern auch für alles, was er darüber hinaus in Zukunft noch komponieren sollte. Die Vertragssumme wurde bisher nicht bekanntgegeben, es ist aber davon auszugehen, dass der 39-Jährige noch besser ausgesorgt hat als zuvor schon. Nun erscheint die erste Platte nach diesem Deal, in der Parker selbst demnach keine Aktien hat. Und so klingen diese Songs leider zumeist: Sie müssen nichts erreichen, nichts beweisen. Sie sind auch nicht hitverdächtig, schon gar nicht im Vergleich zu älteren Tame-Impala-Stücken wie "Elephant" oder "The less I know the better" oder wenigstens "Borderline". Irgendjemand bei Sony dürfte sich gerade ganz fest ins eigene Heck beißen.

Dabei darf man Parker nicht vorwerfen, dass er nichts Neues unternimmt. Die erste Single "End of summer" beschließt den Reigen und verblüfft zwischen clubbigem Gebolze und samtiger Atmosphäre, sodass sieben Minuten Spielzeit wirklich kurzweilig wirken. Noch zwei Schritte weiter geht die damals noch namenlose Vinyl-B-Seite, die hier als "Ethereal connection" enthalten ist und mit einem technoiden Beat begrüßt, über den Parkers Vocals nur als Zierde am Rand darüberfliegen. Das klingt zwar eher nach einem Pairing wie "Underworld featuring Kevin Parker", aber macht das immerhin überzeugend. Man hätte sich vorstellen können, dass "Deadbeat" wirklich vollständig in die Rave-Richtung gegangen wäre, zumal Parkers Stimme dazu tatsächlich gut passt. Doch das große Problem am Album ist, dass es sich zu nichts committen will. Nicht zu einer Marschrichtung, nicht zu einem Gesamtbild und schon gar nicht zur Mühe beim Songwriting.

Die Elektro-Anleihen wirken letztlich deplatziert, weil sie den angenehmen Schlummer stören, in den die restlichen Songs hineinversetzen. "Oblivion" probiert es mit Dancehall-Anleihen und fliegt aufgrund einer steifen Hüfte richtig auf die Nase. Ein paar Mal schält sich Parkers neue Fokussierung auf Beats und Rhythmen stark in den Vordergrund – so sehr, dass sie im Mix den restlichen Song in die Ecke drängt. Wobei da auch nicht viel Spannendes zu holen ist. Besonders in der ersten Hälfte scheitert "Deadbeat" an den völlig ideenlosen Melodie-Fragmenten, die auf "The slow rush" nicht mal zur B-Seite gereicht hätten und für "Currents" gar nicht erst übers Ideenstadium hinausgekommen wären. "I'm a loser, babe", lamentiert Parker in "Loser" zu unmotiviert schlenderndem Egal-Pop, und das Zwinkern in Richtung Becks großem Hit beantwortet dieser mit einem Cameo im zugehörigen Video. Man würde wirklich lieber dessen Song hören.

Die Lo-Fi-Piano-Einwürfe in den ersten beiden Tracks "My old ways" und "No reply" fügen sich weder grazil ein noch machen sie die Chose interessanter. "Dracula" klingt nach The Weeknd mit zwei Flaschen Weichspüler intus – die möchte man auch jedes Mal trinken, wenn Parker "Draculaaaa" auf "spectaculaaaa" reimt. Der Vampirvergleich hinkt: Das Ganze ist zwar ziemlich bleich, aber eben auch zahnlos. Das bumsbeatige "Not my world" klatscht hinten noch eine "Thriller"-Referenz dran, damit man sich überhaupt an irgendwas erinnert. Wenn weiter hinten auf der Platte nicht noch ein paar brauchbare Stücke warten würden, wäre "Deadbeat" wirklich ein Totalausfall geworden. "Piece of heaven" vermantscht aber plötzlich recht erfolgreich dezente Enya-Sounds in einen typischen Tame-Impala-Song, und auch das darauffolgende "Obsolete" erinnert daran, dass Parker wunderbar zuckrigen Synthpop eigentlich sehr gut kann.

Die Texte profitieren derweil davon, sich so weit es geht in die Nebenrolle zu drücken. Parker scheint über weite Strecken auf einer gewissen Form von weinerlicher Selbstverachtung zu hocken, die recht schnell öde wird. "Talk is cheap, but the words cut deep." "It won't make a difference / You can lie all your life." "Do you wanna tear my heart out?" Genug? Auch die lyrische Seite hilft nicht, diese viel zu lange knappe Stunde kurzweiliger zu machen. Die teils durchaus gelungenen Experimente sind nicht das Problem, sondern dass Parker alles nur halb anfängt und dann unmotiviert nebeneinander liegen lässt und darüber hinaus in seiner Kernkompetenz patzt. Wenn Du im Lotto gewinnen würdest, was würdest Du tun? Faul rumhängen? Ohne finanzielle Zwänge etwas Sinnvolles aufbauen? Einfach weiter wie bisher, nur mit besseren Urlauben? Man wird es von sich selbst womöglich erst sicher erfahren, wenn es tatsächlich so weit ist. Bei Kevin Parker haben wir nun zumindest einen starken Verdacht, was seine Antwort darauf ist. It was better when we knew less.

(Felix Heinecker)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Ethereal connection
  • End of summer

Tracklist

  1. My old ways
  2. No reply
  3. Dracula
  4. Loser
  5. Oblivion
  6. Not my world
  7. Piece of heaven
  8. Obsolete
  9. Ethereal connection
  10. See you on Monday (You're lost)
  11. Afterthought
  12. End of summer
Gesamtspielzeit: 56:05 min

Im Forum kommentieren

peter73

2025-11-07 08:17:01

https://www.derstandard.at/story/3000000292426/tame-impala-veroeffentlicht-deadbeat-valium-fuer-die-sitzdisco

:D

die zwei longtracks sind ganz nett, aber das ist keine platte die man in fünf jahren noch kennen wird da einfach zu 08/15 und auch ohne viel herzblut. die 4/10 ist da schon nachvollziehbar.
apropos blut: "dracula" ist furchtbar kitschig - aber der bleibt leider seit ein paar tagen im ohr kleben ("in the end, i hope it´s you and meee!). hilfe!

Huhnmeister

2025-11-02 15:21:10

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rheiton

2025-11-02 15:14:59

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2025-11-02 15:04:26

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