Biffy Clyro - Futique

Warner
VÖ: 19.09.2025
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Glitzer und Trauma

Mon the Biff, isn't it? Biffy Clyro hängen zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite lockt der Rock-Olymp, der sich durch die höchsten Slots auf den größten Festivals mitteilt, auf der anderen lauert die Po(m)p-und-Pathos-Falle. Das ist ja verdammt lange schon so. "The myth of the happily ever after" aber hatte die Glasgower zumindest zeitweise wieder von ihrer vertrackteren, abgedrehteren Seite gezeigt, war allerdings in erster Linie auch als Companion Piece zu dem im Direktvergleich glatteren "A celebration of endings" zu verstehen. Für "Futique", mit dem die Diskografie der Schotten auf mittlerweile stattliche zehn – oder je nach Zählweise: schon elf – offizielle Werke anwächst, haben sie sich vier Jahre Zeit gelassen. Vielleicht merkt man bereits an diesem langen Intervall: Der Kreativfunke lodert heute leider eher verhalten.

Dabei macht die erste Single "A little love" noch absolut nichts verkehrt. Klar kommt der aufmunternde Text dezent hippiesk daher, aber der hymnische Pop-Rock ist genau das, was man an Post-"Puzzle"-Biffy seitdem so schätzt. Dabei ist der Song eindeutig auf der softeren Seite der Band zu verorten. "Hunting season" gönnt sich im Anschluss ein waschechtes Foo-Fighters-Intro, Mitsing-Refrain und knalliges Riffing – Malen nach Zahlen, aber in Summe ähnlich erfolgreich. Schon "Shot one" kleistern Simon Neil und die Johnston-Twins jedoch mit Synthies und seltsamem Geträller zu, das irgendwie nach Yacht-Rock klingt – und was die eigentlich schöne Melodie gar nicht gebraucht hätte. Auch Neils Signature-Licks kommen auf "Futique" zwar vor, wirken in "True believer" aber wie nachträglich eingefügt. Der Song stolpert ohnehin über dramatische Chöre, ein Glockenspiel und seine eigenen Füße.

Arg cleane Pop-Entscheidungen wie "Goodbye" wechseln sich mit größer angelegten Biffy-Miniatur-Epen ab, die sich dazu auch immer wieder für soundtechnische Neuerungen interessieren, die die Band noch nicht abgefrühstückt hat. Damit ist nun weniger der Schlager-Abgang von besagtem "Goodbye" gemeint. Aber wie zum Beispiel "It's chemical!" seinen Breitwand-Hardrock mit 80er-Feeling inklusive endkäsigem Refrain garniert, ist doch ziemlich cool. Generell badet "Futique" in Neonlicht und Nebel, als hätten Biffy Clyro aus "Instant history" nichts gelernt. Auch der Disco-Rhythmus von "Dearest Amygdala" passt zu diesem Eindruck: Vorbei sind die Tage, in denen Neil sich zu Math-Rock, Post-Hardcore und Verwüstung die Stimmbänder brüchig brüllte, während Ben und James Johnston ihn aus dem Hintergrund anfeuerten.

Unglaublichen Eindruck hinterlässt es kaum mehr, wenn Biffy Clyro einen Standard-Closer wie "Two people in love" unterbringen und dessen Klimax, wie unzählige Male zuvor, zu epischer Breite aufblasen. Dass sie für "Friendshipping" ein Riff von Queens Of The Stone Age mopsen, geht beinahe unter. Alte Grandezza atmet hauptsächlich "Woe is me, wow is you", überführt diese aber gleichwohl in einen maximal eingängigen Pop-Entwurf: "We believe in a concept / We defy the impossible / We undertook the research / And watched it play out / This ship is built to last!" Ecken und Kanten haben auf "Futique" keine Priorität. Das ist Weiterentwicklung, sicherlich. Um Stücke wie "A thousand and one" zu schreiben, müsste man aber nicht Biffy Clyro sein.

"Somebody help me sing / Can anybody hear me?", animierte Neil die Massen einst im Stadion-Schunkler "The captain". Auf der Hauptbühne bei Rock am Ring 2025 hat seine Band sich wie immer alle Finger wund gespielt, das (junge) Publikum aber wartete zumindest in Teilen geduldig auf Bring Me The Horizon und hat ob des Gigs der Co-Headliner maximal anerkennend nicken wollen. Zählen Biffy Clyro etwa allmählich zum alten Eisen? Zumindest hilft es nicht, dass "Futique" wenig Abrisse zu bieten hat, wie sie selbst auf "A celebration of endings" noch zwingender stattfanden. Vielleicht wechseln die Schotten ja ab jetzt brav zwischen schwächeren und überzeugenden Alben ab, fein säuberlich abgetrennt. Schlecht sind Biffy Clyro sowieso nie. Aber dann wüsste man bereits mit freudiger Sicherheit, dass sie zumindest als nächstes nicht auch noch ein drittes "Ellipsis" in den Startlöchern haben.

(Ralf Hoff)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • A little love
  • Woe is me, wow is you
  • It's chemical!

Tracklist

  1. A little love
  2. Hunting season
  3. Shot one
  4. True believer
  5. Goodbye
  6. Friendshipping
  7. Woe is me, wow is you
  8. It's chemical!
  9. A thousand and one
  10. Dearest Amygdala
  11. Two people in love
Gesamtspielzeit: 44:29 min

Im Forum kommentieren

tjsifi

2025-10-15 17:07:25

Ok, war auch ein bisschen unglücklich forumliert, aber dann passt es ja perfekt.

Felix H

2025-10-15 17:01:56

Hat aber nichts mit Spaß an der Sache zu tun. Simon hatte ja schon zu "Ellipsis"-Zeiten durchblicken lassen, dass das eher sein Ding mittlerweile ist, als vertrackte Sachen zu schreiben.

tjsifi

2025-10-15 16:33:59

Ich gehe mal davon aus dass so mehr Geld rüberkommt wie wenn sie ein zweites Infinity Land gemacht hätten.

Felix H

2025-10-15 15:47:52

Inwiefern?

tjsifi

2025-10-15 15:46:18

Der Erfolg sei ihnen vergönnt nur "zum Spass" machen die Buben das halt auch nicht.

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