The Hidden Cameras - Bronto
Motor / EdelVÖ: 12.09.2025
Puls der Nacht
Neun Jahre sind vergangen, seitdem Mastermind Joel Gibb mit seinem Bandprojekt The Hidden Cameras zuletzt seine kanadische Heimat auf "Home on native land" besang. Inmitten des Jahres 2016, das inzwischen wirkt wie eine völlig andere Realität. Nicht nur gesellschaftlich und politisch, sondern eben auch in Bezug auf das Schaffen des inzwischen 48-Jährigen, dessen neues Werk "Bronto" die ganz bewusste Abkehr vom eher folkigen Sound der früheren Werke sucht. In München aufgenommen, von der Wahlheimat Berlin inspiriert. Und zwar so deutlich, wie man das auch erwarten kann. "Bronto" ist durch und durch ein Elektro-Album geworden, das in den düsteren Ecken der Hauptstadt wohnt. In den Kellerclubs. In den Techno-Schuppen. Und irgendwo in den stillen Stunden der Nacht, die wie gemacht sind für Melancholie, Herzschmerz und feurige Liebe.
Das Resultat ist durchaus beeindruckend. Völlig ohne etwaiges Fremdeln mit der neu entdeckten Bass-Brachialität stampft der Opener "How do you love?" los in die Club-Nacht und gibt sich dumpfen House-Beats, Drum-Machines und Synthpop-Anleihen hin. Immer, wenn man sich im Bekannten wähnt, wirft der Song ein paar neue instrumentale Kniffe um sich. Die Worte "Why do you do that? / When you say you don't want me / Confused by that / How can you say that you're over me" werden dabei zur emotionalen Schnittstelle zwischen Liebe, Verlust und Verzagen, die hier – wie man es gewohnt ist – von Gibb ausgelotet wird. Und nach wie vor in ihrer Offenheit berührt. Überhaupt erzählt hier jedes Stück gefühlt seinen eigenen Abend, seine eigene Historie. Sei es nun das cyberpunkige "Undertow" mit seinem neongetränkten Groove, der staubtrockene Kellerclub-Banger "Quantify" oder eben auch das zuckersüß-kitschige "You can call", das sich schamlos dem Schmonz hingibt und einfach mal die Liebe zweier Männer zelebriert. "You can call me up in the middle of the night / Come on daddy / Sugar baby / Just give a sign."
Auffallend ist auch, dass "Bronto" zwischendurch kurze instrumentale Pausen einbaut: "Full cycle" ist ein Darkwave-Brecher komplett ohne Gesang, der eines der atmosphärischsten Stücke des Albums darstellt und seine schaurigen Keyboards und düsteren Arpeggios zu einem faszinierenden Geflecht aufbaut. Auch "Wie wild" gibt sich kurz vor Ende der Tracklist zwar nicht komplett gesangsbefreit, aber nur mit sehr entrückten Passagen versehen – im Fokus stehen hier klar die verspielten, rhythmischen Instrumentals. Beinahe so, als würden The Hidden Cameras ihre Hörer*innen an diesen Stellen dazu einladen, Teil einer gemeinsamen Lebensrealität zu werden. Wenn auch nur für einen Abend. Und ganz ehrlich: Da steigt man gerne mit ein.
Highlights & Tracklist
Highlights
- How do you love?
- Undertow
- You can call
- Wie wild
Tracklist
- How do you love?
- Undertow
- Full cycle
- Quantify
- I want you
- You can call
- Brontosaurus law
- Wie wild
- State of
- Don't tell me that you love me
Im Forum kommentieren
Armin
2025-09-15 21:17:24- Newsbeitrag
Frisch rezensiert.
Meinungen?
smrr
2025-09-13 20:36:58
Nah, das Album ist mittelmäßig. Hab die aber zwischen "Smell" und "Mississauga" echt gemocht. Inzwischen aber echt irrelevant.
MickHead
2025-09-12 09:21:48
Komplette Playlist bei YouTube:
https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_lj34OHLyQ6q0PI04ujGs4WLY3jvPMgHFE&si=b5O9Cm78cVAxwe60
Musikexpress 5.5/6
https://www.musikexpress.de/reviews/the-hidden-cameras-bronto/
MickHead
2025-08-16 10:14:59
4. Song "Brontosaurus Law"
https://youtu.be/oYWetjk45x4?si=6bdj_Kzt3if3hA6d
MickHead
2025-08-01 19:14:36
3. Song "Quantify"
https://youtu.be/iV6sQTOQ4zM?si=PzpS0DR9SXitXLvk
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