Mac DeMarco - Guitar
Mac's Record Label / Caroline / UniversalVÖ: 22.08.2025
Synthiefreie Küche
Ganz zum Schluss, nach einer halben Stunde Herzschmerz, versucht das lyrische Ich sein Gegenüber zu beruhigen: "Darling, I don't bite / At least not like I used to." Unabhängig davon, ob Mac DeMarco beim Schreiben jener Zeilen eine Metaebene mitdachte: Biss konnte man all seinen vorherigen Alben attestieren, so kontemplativ sie auch stets ausfielen. Denn immer gab es die Ecken und Kanten, die musikalischen Schneidezähne, etwa im so eigenwilligen wie großartigen Outro des Übersongs "Moonlight on the river" aus "This old dog". Und nun? Nennt der Kanadier sein sechstes Album "Guitar" und setzt, nomen est omen, ganz auf jenes Instrument, lässt den Synthesizer in der Ecke seines Homestudios verstauben. Seine Stimme, die er zwischen "Five easy hot dogs" zwischenzeitlich verlor, findet er indes wieder. Und singt über das Auseinanderbrechen von Liebe und Freundschaft in zwölf Gitarrenballaden, von denen keine die Dreieinhalb-Minuten-Grenze erreicht. Die Produktion und Abmischung übernahm DeMarco gleich mit. Hier haben wir sie, die vielzitierte "handgemachte Musik".
Im Refrain des bittersüßen Openers "Shining", der thematisch wie musikalisch die Richtung vorgibt und sich rasch im Ohr einnistet, grübelt DeMarco darüber, ob die Verflossene weiterhin auf der Sonnenseite des Lebens steht. Dass der 35-Jährige des Öfteren versucht, Tonhöhen zu erklimmen, die er nur noch mit hörbarer Mühe erreichen kann, fällt nicht weiter ins Gewicht. Wichtiger als jeden Ton zu treffen, ist, Emotionen zu vermitteln. Das gelingt DeMarco auf "Guitar" einmal mehr. Sehr "nah dran an dem, wo ich gerade im Leben stehe" seien die Songs seines neuen Albums, gibt der Songwriter zu Protokoll. Was nicht viel Positives über sein aktuelles Dasein aussagt. Die einst liebgewonnene Stadt? Ein unwirtlicher, fremd gewordener Ort, wie man nicht nur jeder Zeile in "Home" anhören kann: "These days, I'd much rather be on my own / No more walking those streets, that I once called my home." Den Song nahm der Musiker passenderweise in seiner Küche auf. Für "Rock and roll" bleibt zwischen Obstkorb und Kaffeemaschine keine Zeit. Mac DeMarco verweilt 31 Minuten lang nachdenklich in seinen eigenen vier Wänden in Los Angeles, sinniert mal über gerechte Strafen für sich selbst ("Punishment"), hofft mal halb-sarkastisch auf ein Wunder von oben ("Holy"). Für das einzige "Knockin" sind Klangstäbe zuständig. Die klopfen selbstverständlich nicht gegen die Küchentür, sondern nur gegen sich selbst.
DeMarco verpackt seine traurigen, vom Loslassen handelnden Texte in leichte, in den späten Sechzigern verwurzelte Songs. Die folgen allesamt dem Strophe-Refrain-Strophe-Schema, verzichten auf Intros, Outros, Überraschungen. Berühren häufig ("Punishment"), plätschern mitunter aber auch vor sich hin ("Sweeter"). Arrangements, Stimme und Lyrics fehlt zu oft das letzte Quäntchen Dringlichkeit. Dass es sich bei DeMarcos bisher wohl schwächster LP immer noch um eine gute handelt, spricht für seine Songwriting-Fähigkeiten. Dennoch darf beim nächsten Mal allzu viel Moonlight in the kitchen gerne wieder verhindert werden durch irrwitzige Synthie-Outros und offensivere Lyrics, ein reinigender "Idiot wind" durchs offene Fenster wehen, wie ihn Bob Dylan vor 50 Jahren erzeugte. Ja, ein bisschen blood on the tracks hätte nicht geschadet.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Shining
- Home
- Punishment
Tracklist
- Shining
- Sweeter
- Phantom
- Nightmare
- Terror
- Rock and roll
- Home
- Nothing at all
- Punishment
- Knockin
- Holy
- Rooster
Im Forum kommentieren
Lucas mit K
2026-05-03 10:52:48
Mal wieder gehört. Mir scheint, ihm fällt nichts mehr ein. Das ist einfach zu monoton. Wirklich jeder Song klingt gleich. Schade, dabei liebe ich den Vibe. Aber mir fehlt hier ne ganze Menge Substanz für Heavy Rotation.
Lucas mit K
2025-08-22 16:08:54
Ich bin auch etwas underwhelmed von den 3 Songs. Klingt halt alles wirklich sehr, sehr ähnlich. „One Wayne G“ klang auch schon so. Obwohl ich das Chillige durchaus schätze. Aber mir fehlt das Überraschende. Die Ecken und Kanten.
Höre später mal ins gesamte Album rein.
The Libertine
2025-08-22 14:21:10
*2014
The Libertine
2025-08-22 13:27:13
tzzzeee...noch jemand wach?
Sorry, das Album dengelt so ereignislos im Midtempo vor sich hin, das es mir schwer fällt hier was spannendes zu finden. Wenn man Dynamik und Songwriting mit sagen wir Salad Days von 2024 vergleicht, dann ist das hier einfach nur noch B Seiten Demo Material.
MickHead
2025-08-22 11:21:34
Komplette Playlist bei YouTube:
https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_m8IIecMdoeko1uVz2DYY69RjL31wWpzo4&si=34Z7N6T4gHJd3Qf8
Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.
Referenzen
Spotify
Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv
Threads im Forum
- Mac DeMarco - Guitar (10 Beiträge / Letzter am 03.05.2026 - 10:52 Uhr)
- Mac DeMarco - Salad Days (19 Beiträge / Letzter am 08.04.2025 - 19:15 Uhr)
- Mac DeMarco (16 Beiträge / Letzter am 21.04.2023 - 13:05 Uhr)
- Mac DeMarco - Here comes the cowboy (21 Beiträge / Letzter am 12.05.2019 - 20:07 Uhr)
- Mac DeMarco live (4 Beiträge / Letzter am 24.10.2018 - 12:23 Uhr)
- Mac DeMarco - This old dog (15 Beiträge / Letzter am 12.06.2017 - 16:36 Uhr)
- Mac DeMarco - Another one (9 Beiträge / Letzter am 06.08.2015 - 09:43 Uhr)
