Slime - 3! + 7¹
Slime Tonträger / EdelVÖ: 08.08.2025
Hefte raus, Klassenarbeit!
Oh, eine Rechenaufgabe. Hm, mal sehen: Drei Fakultät ist "3 x 2 x 1", also 6. Addieren wir noch "7 hoch 1", also 7, ergibt 13. Ebenso viele Titel hat auch das neue Slime-Album mit dem Titel "3! + 7¹". Juhu! Code geknackt! Das ist ja für Slime-Verhältnisse fast schon Konzeptalbum-Style. Werden die Hamburger jetzt auf ihre alten Tage intellektuell? Naja, wir wollen das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Fest steht aber, die Band ist gereift, richtig gut gereift. Und liefert nach einem bisher höchst mediokren Spätwerk zu unserer großen Überraschung im 2025-er Jahrgang eine tatsächlich funkelnagelneue und frische Musik ab. Wichtigste Erkenntnis: Die Musiker beherrschen inzwischen ihre Instrumente sehr gut: Der Opener bratzt gleich frech nach vorne, das hier hat ähnlich viel Präzision und Energie wie Bad Religion zu "Against the grain"-Zeiten, das Intro von "Euch will ich sehn" hätte man ohne Blick auf die Linernotes auch den frühen EA80 zuordnen können – und "Was glaubst Du" gestattet sich gleich drei unterschiedliche Tempi in einem Song, fast schon Prog-Rock.
Ja, überhaupt: Man staunt, dass Slime am Ende tatsächlich noch andere Sachen drauf haben als "Einszweidreivier"-Musik mit vorhersehbaren Texten. Ganz offensichtlich sind die fünf Herren mit dem Alter auch etwas selbstironischer geworden, denn auf Dauer ist schlichtes Protest-Gekrähe im Sinne von "Das Establishment ist doof" ja auch irgendwann auserzählt. Und so leisten sich Slime dann auch einige hörenswerte Abweichungen vom Curriculum: "Rotterdamm" (ja gut, Punktabzug für Rechtschreibung) ist Schweinerock mit Augenzwinkern, auf "Evolution" wird – man höre und staune – Unterstützung von einem Drumcomputer eingeholt. "Bock auf Leben" kommt sogar mit sacht dosierten Reggae-Einsprengseln. Ganz ohne Peinlichkeiten geht es natürlich auch nicht: Die allzu stumpfe und wenig innovative Alkoholglorifizierung in "Saufen" wirkt dann doch arg aus der Zeit gefallen – und manche Gitarrenlicks in "Generalstreik" sind ein ganz klarer Fall für die Stilpolizei.
Ansonsten hält "3! + 7¹" erstaunlich viel Spielfreude und damit Hörspaß bereit. Es knallt einfach gut rein, wenn die Jungs in Stücken wie "Ich lösch mich" oder "Zeit zu gehn" musikalisch voll auf die Zwölf gehen und noch dazu mit einigermaßen glaubhaftem und nachvollziehbarem Zorn Kritik an den herrschenden Verhältnissen üben. Das ist mit Leidenschaft und Präzsion eingespielt, druckvoll, fett – und kachelt insofern gut, als dass es den klassischen Punk-Geist heraufbeschwört. Ja, man bekommt beim Hören des Albums irgendwann Lust, eine Dose Bier aufzureißen, raus auf die Straße zu gehen und ein bisschen Rabatz zu machen. Hach, wo war denn noch die olle Lederjacke? Anders gesagt: Wenn auch bei altgedienten Punks ein wenig Altersweisheit verfängt, dann ist das eine schöne Überraschung. Von uns aus kann die Band gerne nochmal sitzenbleiben, wir würden sie gerne nächstes Jahr erneut zur Abi-Nachprüfung antanzen lassen.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Armes Deutschland
- Monster
- Ich lösch mich
Tracklist
- Armes Deutschland
- Euch will ich sehn
- Evolution
- Was glaubst Du
- Rotterdamm
- Monster
- Saufen
- Generalstreik
- Ich lösch mich
- Bock auf Leben
- Schatten
- Das fuckt mich ab
- Zeit zu gehn
Im Forum kommentieren
sushi
2025-08-15 10:21:28
Slime erlebt mit Tex Brasket eine wirklich erfolgreiche Phase und ist live eine Wucht. Slime bringt so viel Geschichte mit, dass ich den Standpunkt verstehe, wenn auch nicht teile, zu sagen, die lässt sich mit der Zeit und den Umsetzungen nicht unter diesem Namen weitertragen. Qualitativ finde ich "Zwei" ohnehin super.
Vivat Virtute
2025-08-15 09:39:18
Ich möchte nicht in wilsons oberlehrerhaften Ton einsteigen, aber Slime hätten es nach der zweiten Auflösung, vor allem eingedenk ihrer sehr großen Fresse („Slime wird es nie mehr geben!“) einfach lassen sollen. Kein Stephan Mahler, kein Slime ist bezüglich der Qualität schon ganz treffend, ohne ihn bringen die kein Bein auf den Boden.
Diggen hingegen ist da vergleichsweise egal, die „neuen“ Slime waren auch mit Diggen bestenfalls ok.
wilson
2025-08-14 21:31:26
lieber jochen hättest du dir alben wie "alle gegen alle" oder "schweineherbst" mal angehört und verstanden würde dein review anders klingen.
Jochen Reinecke
2025-08-08 20:06:36
Lieber Wilson, ich beurteile eine Veröffentlichung ausschließlich und immer nach den gleichen Kriterien. Die Vorgeschichte der Band spielt dabei für mich keine entscheidende Rolle. Es hat in der Musikhistorie immer wieder Fälle gegeben, in denen Bands entscheidende Personen verloren oder ausgetauscht haben - und trotzdem weitergemacht haben. Ich halte es für falsch, pauschal zu sagen, "XY ist jetzt weg aus der Band, deswegen KANN das ja nix mehr taugen." Für mich ist es Service am Leser und an der Leserin, eine Veröffentlichung am "Ist-Zustand" zu beurteilen und Veränderungen oder Entwicklungen festzustellen.
wilson
2025-08-07 22:50:25
*offensichtlich*
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