Ok Kid - Endlich wieder da wo es beginnt

Ok Kid
VÖ: 16.02.2024
Unsere Bewertung: 5/10
5/10
Eure Ø-Bewertung: 4/10
4/10

Wecker klingelt

"Als wir 2015 'Gute Menschen' veröffentlicht haben, war es das erste Mal, dass wir uns als Band politisch geäußert haben. Die AfD hatte in den Umfragen deutschlandweit noch unter 5 %." So begannen Ok Kid anlässlich der Veröffentlichung eines Remixes des damaligen Songs kürzlich ein Statement, das nachdenklich macht. Nicht nur, weil man selbst ein knappes Jahrzehnt älter geworden ist. Viel mehr sind es die Ereignisse und Entwicklungen in der Gesellschaft, in der wir leben. Und siehe da: In Zeiten, in denen sogenannte Wutbürger oder besorgte Bürger umfragetechnisch rund 20 % der wahlberechtigten Bevölkerung ausmachen und der Rechtsruck weiter voranschreitet, ist "Gute Menschen" aktueller denn je. Grund genug, um der geremixten Neuauflage zusammen mit Sven Ludwig neben einem elektronischen Gewand auch einen teilweise neuen Text zu verpassen. Quasi als Weckruf für die bis vor kurzem schweigende und zu Hause bleibende Masse, sich weiterhin für Demokratie, Freiheit und Toleranz stark zu machen.

Mit diesem Aufruf anlässlich eines an sich traurigen Themas wäre der wichtigste Teil auf "Endlich wieder da wo es beginnt", dem neuen Album des Trios um Sänger Jonas Schubert, eigentlich auch schon erledigt. Fortan also nur noch gute Laune und Glückseligkeit? Von wegen. Wer die Wahl-Kölner bisher verfolgt hat, weiß, dass sie stets persönliche, ironische und kritisch hinterfragende Inhalte in eine musikalische Melange aus Indie, Rap, Rock und Pop verpackt haben. Von rheinischer Frohnatur ist auch trotz zehnjährigem Bandjubiläum keine Rede. So kommt der eröffnende Titeltrack, dessen Name ein Zitat aus "Es ist wieder Februar" ist, als Song über Selbstreflexion, das Akzeptieren von Misserfolgen und den Druck des ständigen Strebens nach Glück und Erfolg daher. Der hymnische Refrain in Sportfreunde-Stiller-Manier macht das Ganze positiver, als es eigentlich klingt. Gleiches gilt für das knackig nach vorne gehende "Die Kids sind alright", mit dem Ok Kid bereits im letzten Jahr ihre Rückkehr nach Zeiten der coronabedingten Ungewissheit über den Fortbestand der Band gefeiert haben. Ursprünglich bereits für den letzten November vorgesehen, versteht sich das Album als Mix zwischen einer Vorschau auf das Kommende und Retrospektive auf alles, was war. Die noisig-schleppende Weihnachts-Nummer "Fest der Liebe" mit Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel und das erst spät Fahrt aufnehmende "Selber überlebt" beschließen den Reigen an "neuen" Stücken.

Einen Großteil der Dreiviertelstunde nehmen neu eingespielte Versionen von Songs aus den letzten zehn Jahren ein. "Es regnet Hirn", eine ansonsten beschwingt-chillige Tanznummer, bekommt unter Mitwirkung von Paula Carolina eine rotzig-schräge, fast schon an Nina Hagen erinnernde Fassung, der das Original klar vorzuziehen wäre, wenn man sich entscheiden müsste. Das gilt für die meisten Remixe dieses Albums, wobei "Unterwasserliebe" im dezenten Drum'n'Bass-Gewand durchaus etwas für sich hat. Opulenter wird es in den darauffolgenden Streicher-Versionen von "Epilog", "Stadt ohne Meer", "Verschwende mich" und allen voran "Cold brew". Im Duett mit Lotte weiß gerade das Herzstück der Not-Love-Story-Reihe im neuen Gewand zu gefallen. Der Rest ist dann doch eher kalter Kaffee, aber es gibt wie gesagt Wichtigeres. Ab auf die Straße!

(Jochen Gedwien)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Die Kids sind alright
  • Gute Menschen (Sven Ludwig Remix)
  • Cold brew feat. Lotte (Streicherversion)

Tracklist

  1. Endlich wieder da wo es beginnt
  2. Die Kids sind alright
  3. Fest der Liebe
  4. Selber überlebt
  5. Es regnet Hirn (feat. Paula Carolina)
  6. Unterwasserliebe (Liam Mour Remix)
  7. Gute Menschen (Sven Ludwig Remix)
  8. Hellwach (Robot Koch Remix)
  9. Epilog (Streicherversion)
  10. Cold brew feat. Lotte (Streicherversion)
  11. Stadt ohne Meer (Streicherversion)
  12. Verschwende mich (Streicherversion)
Gesamtspielzeit: 44:14 min

Im Forum kommentieren

Affengitarre

2024-02-16 10:51:57

Ich fand damals das Debüt ganz gut, weiß aber nicht, ob das den Test der Zeit überstanden hat. Der Bandname ist übrigens eine Kombination der beiden Radioheadlieblingsalben der Bandmitglieder. :D

Affengitarre

2024-02-16 10:50:39

Haha! :D

The MACHINA of God

2024-02-15 11:33:39

Oh man, dachte mir grad bei der Rezi "Was, die sind Deutsche?", bis ich gemerkt hab, dass ich sie mit OK GO (die mit den Videos) verwechselt habe.

BibaButzemann

2024-02-14 23:02:00

Ich finde die 3 ist eine 8/10

Sloppy-Ray Hasselhoff

2024-02-14 22:03:37

Haben nach dem starken Debüt und der großartigen EP leider massiv abgebaut. Ich glaub, da schlummert noch eine 8/10. Langsam müssens aber anzahen. War mal wieder nix. 5/10 passt leider.

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