Alexisonfire - Otherness

Dine Alone / The Orchard / Membran
VÖ: 24.06.2022
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Alles und nichts, wie es war

13 mal zwölf macht 156. So viele Monate sind vergangen, seit Alexisonfire ihre letzte Studioplatte veröffentlichten. Mag einem nicht so vorkommen, doch Kollege Cadario verwies in seinem Text zu "Old crows / Young cardinals" damals auf einen gewissen Heribert Faßbender. Für die Jüngeren unter euch: in den letzten Tagen seiner Karriere ein Paradebeispiel für einen überforderten Fußball-Kommentator, der die Rolle in den Folgejahren dann ZDF-Kollege Béla Réthy überließ. Barack Obama saß gerade einmal ein gutes Jahr im Oval Office. Schon damals aber wurde unter dem Eindruck gesteigerter Belanglosigkeit vieler Bands der Szene schnell klar, dass beim Hören von Alexisonfire immer etwas blieb, das bis heute da ist: Substanz, eine gewisse Tiefe, eine Emotionalität. Und wohl auch eine Wertschätzung zwischen den Musikern selbst, die das Fortführen der Band bloß um des Erhaltens Willen oder aus materiellen Gründen unmöglich machte.

Der Split kam 2012, Gitarrist und Kreativ-Kopf Dallas Green verließ Alexisonfire, um sich seinem super erfolgreichen Projekt City And Colour vollends zu widmen. Wade MacNeil fand seinen Platz als Sänger bei Gallows und George Pettit, das Energiebündel am Mikro, wurde Berufs-Feuerwehrmann im kanadischen Oshawa. Doch die gemeinsamen Erinnerungen an "The Only Band Ever" blieben stark, 2015 kündigten Alexisonfire aus dem Nichts Reunion-Konzerte an und spielten Festival-Shows. Bis zum ersten neuen Song seit fast einer Dekade ("Familiar drugs", 2019) dauerte es allerdings. "Otherness" heißt das fünfte Studioalbum und es erscheint in einer gänzlich anderen Welt, die Obama längst vergessen und Donald Trump vorerst überlebt hat, aber imperialistisch-faschistische Patriarchen wie Wladimir Putin nicht los wird. "Which side are you on?!" lautet die obligatorische Frage des feinen Openers "Committed to the con", unterwegs auf messerscharfem Riff und treibenden Drums, in einer gespaltenen Welt zwischen konservativem Reaktionismus und Fortschritt.

Alexisonfire klingen natürlich nicht mehr wie 2004, als der grandiose Zweitling "Watch out!" den fünffachen Tulup des Post-Hardcore darbot, Brecher ohne Ende in petto hatte ohne sich die Haxen zu brechen. Der Sound des Comeback-Werks kommt cleaner daher, das charakteristische Backup-Geschrei dosierter, aber die Grund-Tugenden, sie sind noch da. "Sweet dreams of otherness", Quasi-Titelsong, taucht beschwert von meterdicken Gitarrenriffs in düstere Sphären ab, untermauert in den Strophen zugleich Pettits Gesangstalent. Das konzentrierte Energiebündel "Conditional love" mäandert zwischen Hardcore und Metal und denkt nicht daran, sich zu entscheiden. Doch es geht auch experimenteller: "Dark night of the soul", tief in den Gitarrenteppich gewebt und mit großer Geste unterwegs, startet mit feinen Chören und setzt in der Bridge auf atmosphärische Synthies. Das getragene und dennoch sehr intensive "Blue spade" steht vielleicht stellvertretend für das gesamte Album, das unterm Strich Melodie und Intensität vor Lautstärke stellt.

Nicht immer wellenarm wie im Falle der Halbballade "Mistaken information". Aber auch nicht immer so großartig tröstend und umarmend wie im tollen, von Green berührend intonierten "Sans soleil". Und nicht immer so ergreifend und himmelaufspannend wie im über achtminütigen Closer "World stops turning" inklusive Gitarrensoli-Feuerwerk zum Finale, sonst würde Plattentests.de mit dem 8-von-10-Punkte-Fähnchen winken. Natürlich klingt "Otherness" auch nicht wirklich neu. Doch alleine das fulminante "Reverse the curse", eigentlich bloß ein Alexisonfire-Brecher der Marke Malen nach Zahlen, pustet die Lauscher so wunderbar frei, dass man trotz Hitze am liebsten in den nächsten Circle Pit springen würde. "It's easier to love someone else / Than to be kind to yourself", singt Dallas Green in "Sans soleil" und man wünscht sich, so manch politischer Führer dieser Welt würde beides in einem Intensivkurs lernen. Wenn möglich sofort.

(Eric Meyer)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Sans soleil
  • Blue spade
  • Reverse the curse
  • World stops turning

Tracklist

  1. Committed to the con
  2. Sweet dreams of otherness
  3. Sans soleil
  4. Conditional love
  5. Blue spade
  6. Dark night of the soul
  7. Mistaken information
  8. Survivor's guilt
  9. Reverse the curse
  10. World stops turning
Gesamtspielzeit: 51:12 min

Im Forum kommentieren

Hoschi

2022-06-26 12:28:13

Bis dato jetzt einmal durchgehört und den Finger öfters auf dem Schließen Button gehabt.
Die Produktion ist wirklich anstrengend zu hören. Null Dynamik und so dermaßen Totkomprimiert dass es schon zu "ducking" kommt(schön zu hören bei reverse the curse).Hab es unter TidalHiFi gehört.
Die Songs sind okay, hauen mich aber jetzt nicht vom Hocker.

6/10 so far aber eigentlich, aufgrund der Produktion, einen Punkt weniger.

Armin

2022-06-24 11:35:29- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

2022-05-19 20:12:17- Newsbeitrag

Armin

2022-04-21 20:38:32- Newsbeitrag

Armin

2022-03-10 19:22:51- Newsbeitrag

ALEXISONFIRE
kündigen neues Album"Otherness" an

Erstes Studioalbum seit 13 Jahren erscheint am 24. Juni über Dine Alone Records


VORBESTELLUNG AB FREITAG, 11. MÄRZ 17:00 UHR
Digital + physical // Physical only

Neue Single "Sweet Dreams Of Otherness" HIER anhören

VIDEO VON REGISSEUR JAY BARUCHEL FEIERT UM 00:00 PREMIERE auf dem Alexisonfire Youtube channel

AOF feiern 20 jähriges Jubiläum seit der Veröffentlichung des selbstbetitelten Debütalbums




ALEXISONFIRE freuen sich, heute Otherness anzukündigen, das erste Album der Band seit über 13 Jahren, die laut Rolling Stone "den kanadischen Post-Hardcore auf die Karte brachte". Otherness wird am 24. Juni über Dine Alone Records veröffentlicht. Das Album enthält 10 neue Tracks, darunter die explosive erste Single "Sweet Dreams Of Otherness", die HIER angehört werden kann. Das Album wurde von AOF produziert und von Punk-Urgestein Jonah Falco (Fucked Up, Career Suicide) gemischt. George Pettit: "Dieser Song war größtenteils Dallas' Idee, aber im Laufe des Schreibens dieser Platte wurde er mehr zu einer Art Mission Statement für die Band. Es geht um Performance und das Umarmen eines neu gefundenen Selbstbewusstseins in einem Zustand der Absonderlichkeit."

Vorbestellungen für die physischen Formate sind ab Freitag, 11. März um 17:00 Uhr HIER möglich. Digitale und physische Formate sind HIER erhältlich. Alle Vinyl Formate enthalten 2x12" im Gatefold und bedruckten Innenhüllen. Eine limitierte Deluxe-Variante mit einem alternativen Lenticular-Cover wird ebenfalls erhältlich sein, zusammen mit kuratiertem Otherness-Merchandise. Unten findet ihr Details zu allen physischen Varianten, die ihr vorbestellen könnt.

Ein Video zu "Sweet Dreams Of Otherness" unter der Regie des unnachahmlichen Schauspielers/Regisseurs Jay Baruchel (Goon, This Is The End, Random Acts of Violence, How to Train Your Dragon) feiert heute um 00:00 Uhr auf dem Alexisonfire Youtube-Kanal Premiere. Fans können sich bereits jetzt einen Reminder setzen, um die Premiere zusammen mit der Band zu sehen, die vor der Premiere mit Fans weltweit kommunizieren wird.

Stream / share “Sweet Dreams Of Otherness” HERE.

"Wie ein roter Faden zieht sich der Zustand des Andersseins durch das Gewebe von Alexisonfire. Das Anderssein hat uns alle in Räume gezogen, in denen eine Band wie diese gegründet werden konnte. Wir ziehen die Art von Individuen an, die alle schon einmal das Gefühl hatten, seltsam oder einzigartig zu sein. Ob wahrgenommen oder nicht, das Anderssein hat uns durch die Kindheit, die Jugend und bis in unser Erwachsenenleben hinein begleitet. Es bestimmt unsere Vorlieben und Neigungen. Es verbindet uns mit uns selbst und mit anderen. Und täusche dich nicht: Selbst in unseren häuslichsten und alltäglichsten Momenten sind wir echte Außenseiter." - ALEXISONFIRE - Otherness Leitbild

Otherness ist das bisher kohärenteste und selbstverwirklichte Album der Band. Zur Erinnerung: AOF haben vier Studioalben veröffentlicht, die alle in Kanada mit Platin ausgezeichnet wurden: Alexisonfire (2002), Watch Out (2004), Crisis (2006) und Old Crows / Young Cardinals (2009). Crisis erreichte bei seinem Debüt Platz 1 der Top 200 Soundscan (Kanada), Old Crows / Young Cardinals erreichte Platz 2 und Platz 9 der US Billboard Independent Album Charts. Die Anzahl der Alben, die von verschiedenen Bandmitgliedern im Laufe der Jahre neben Alexisonfire aufgenommen wurden - darunter City and Colour, Dead Tired, You+Me, Dooms Children und Billy Talent - könnte mehrere Plattenläden füllen.

Die Mischung aus klassischem Alexisonfire-Sound und neu entdeckten Texturen von "Sweet Dreams of Otherness" wurde zum Wegweiser für den Rest des Albums. Dallas Greens einnehmende Stimme, die eindringliche Attitüde von Wade MacNeil, das heftige Gebrüll von George Pettit - alles verankert in einer Mischung aus Verletzlichkeit, Selbstvertrauen und feierlicher Rücksichtslosigkeit. Während sich jeder Alexisonfire-Song beharrlich ausdehnt und zusammenzieht, bleiben Bassist Chris Steele und Schlagzeuger Jordan Hastings unfassbar tight und verbleiben unerbittlich in ihren Grooves.

Alexisonfire haben Otherness in etwa einer Woche selbst produziert und für sie war es eine "Familienangelegenheit". Die Band arbeitete eng mit Leuten zusammen, die schon seit Jahren dabei sind. Geschrieben wurde im Clubhaus von Dine Alone Records. Das Album enthält Orgel, Pianos und Pedal Steel von Greens langjährigem Kollegen Matt Kelly. Jill Zimmerman und Darren "Jeter" Magierowski (der auch Steeles Cousin ist) nahmen das Album in den Jukasa Recording Studios auf.

"Der größte Unterschied ist die Zeit, in der wir uns alle befinden. Wir waren alle wirklich begeistert, eine Platte zu machen, und es war wie eine Pause von dem, was in der Welt vor sich ging. Es fühlte sich an, als könnte das Leben schön sein", sagt MacNeil. "Wir haben uns gegenseitig unterstützt. Alle waren so gut gelaunt.

"Es war so ein Spaß, dies wieder tun zu können", fügt er hinzu.

Wie das Revolver Magazine 2019 feststellte: "Es ist schwer, den Einfluss von Alexisonfire auf den Post-Hardcore Mitte der 2000er Jahre einzuschätzen, da ihre Kombination aus Gesang und Geschrei die Blaupause für viele nachfolgende Künstler war." Fünf Jungs, die aggressiven Rock spielen (wobei nicht weniger als drei von ihnen singen und schreien), wuchsen zu einem Arena-Headliner-Phänomen heran, starken Melodien und Emotionalität hin- und herpendelten.

"So sehr wir es auch lieben, die alten Songs zu spielen, wir wollen keine Nostalgie-Nummer sein. Der einzige Grund, wiederzukommen, ist, wenn wir das Gefühl haben, dass wir immer noch etwas zu sagen haben", betont Pettit. "Wir haben so viel Zeit auf der Straße verbracht und dachten, wenn wir aufhören, würden die Leute das Interesse verlieren. Aber als wir weggingen, wurde es nur noch größer. Wir alle haben uns neue Wege gebahnt, und so ist die Rückkehr zu Alexisonfire ein rein kreatives Unterfangen, das Spaß macht. Etwas Besonderes passiert, wenn wir zusammen in einem Raum sind.


Otherness Tracklist
01. Committed to the Con
02. Sweet Dreams of Otherness
03. Sans Soleil
04. Conditional Love
05. Blue Spade
06. Dark Night of the Soul
07. Mistaken Information
08. Survivor's Guilt
09. Reverse the Curse
10. World Stops Turning


Otherness Album Formate
· AOF Exclusive 3,000 (TRANSLUCENT TAN W/ ORCHID & MAGENTA PINWHEEL)
· Dine Alone Exclusive 200 (TRANSLUCENT TAN W/ ORCHID, BONE & GOLD SPLATTER)
· D2C Exclusive Deluxe 2,500 (MILKY CLEAR W/ BLACK & ORCHID COLOUR IN COLOUR w/ Lenticular Alternate cover art)
· Indie Retail Exclusive 3,000 (NEON PURPLE & MAGENTA)
· Standard (BLACK)
· CD
· Cassette

Pre-Order:
Digital + physical - alexisonfirestream.com/AOFOtherness
Physical only - alexisonfirestream.com/Othernessvinyl


2022 Tour Dates
March 18 - Lollapalooza Chile - Santiago, Chile
March 20 - CWB Hall - Curitiba, Brazil (headline)
March 21 - CWB Hall - Curitiba, Brazil (headline)
March 23 - Vivo Rio - Rio de Janeiro, Brazil*
March 24 - Audio - São Paulo, Brazil*
March 26 - Lollapalooza Brasil- São Paulo, Brazil
March 27 - Teatro Flores - Buenos Aires, Argentina (headline)
May 21 - Welcome to Rockville - Daytona Beach, FL
May 29 - So What Music Festival - Dallas, TX
June 3 - Slam Dunk Festival - Leeds Temple Newsam - Leeds, UK (headline)
June 4 - Slam Dunk Festival - Hatfield Park, Hatfield - UK (headline)
July 13 - RBC Bluesfest - Ottawa, ON
September 23-25 - Furnace Fest - Birmingham, AL
October 6 - Aftershock - Sacramento, CA
*co-headline w/A Day To Remember


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