Celeste - Assassine(s)

Nuclear Blast / Rough Trade
VÖ: 28.01.2022
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

Kein Licht im Dunkeln

Es gehört zu den Klischees über Sprachen, dass einige selbst mit dem freundlichsten Inhalt hart und abweisend klingen, während sich beispielsweise auf Französisch alles anhört wie eine Liebeserklärung. Zumindest was die Tracklist anbelangt, stehen Celeste dem in nichts nach und titeln von perlmuttblauen Augen oder unbekümmerter Schönheit. Und doch ist dies eine Falle. Die Band aus Lyon spielt seit jeher eine Mischung aus Black Metal, Hardcore und Sludge, der Gesang ist dabei ein permanentes Schreien bis Keifen. Nach sechs Alben auf dem auf Post-Rock und Ambient spezialisierten Label Denovali (welche übrigens nach wie vor dort frei verfügbar sind), ist "Assassine(s)" nun ihr erstes Werk auf größerer Labelbühne: Man wechselte zu Nuclear Blast und holte sich Produzent Chris Edrich an die Regler, welcher schon für Gojira, TesseracT, The Ocean und Leprous arbeitete.

Grundlegend verändert haben Celeste ihren Sound jedoch nicht. Das bekannte Setting ist geblieben, das zusätzliche "(s)" im Albumtitel sowieso. Die schon immer sehr saubere Produktion ist nun noch etwas verfeinert, einige kleinere Zutaten fügen sich gut ein, wie die typischen Djent-Riffs zu Beginn des zweiten Tracks "De tes yeux bleus perlés". Ansonsten haben sich Celeste hörbar weiter professionalisiert: Statt Black-Metal-Dauergeschredder schlagen sie den ein oder anderen kompositorisch cleveren Haken in Richtung Hardcore (frühe Isis oder Amenra) oder Doom ("Elle se répète froidement"). Die Themensetzung der vier ist dabei gewohnt düster bis nihilistisch. Wenn der Sound schon nach Abgesang auf die Welt klingt, dürfen natürlich entsprechende Lyrics nicht fehlen. Ein zentraler Punkt der Franzosen ist dabei, negative Erfahrungen, welche vor allem Frauen erleiden müssen, anzuprangern. Die Thematik manifestiert sich auch im Artwork des Albums.

Das Celeste nicht nur herausragend losprügeln können, zeigen immer mal wieder Zwischenstücke wie "(I)" auf "Infidele(s)" und nun hier das instrumentale "(A)", welches Elektronikeinflüsse, Doom-Riffs und gar Handclaps versammelt. Und im abschließenden "Le coeur noir charbon" brechen plötzlich klare, weibliche Vocals das übliche monotone Geschrei von Sänger Johan auf. In Summe gilt für "Assassine(s): Das Gebiet ist im Falle von Celeste stockduster abgesteckt – als einzige Orientierung dient das rötlich schimmernde Licht der Grubenlampen, mit denen das Quartett live agiert. Ansonsten gewohnt brutal, gewohnt "Pessimiste(s)".

(Klaus Porst)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Des torrents de coups
  • De tes yeux bleus perlés
  • Le coeur noir charbon

Tracklist

  1. Des torrents de coups
  2. De tes yeux bleus perlés
  3. Nonchalantes de beauté
  4. Draguée tout au fond
  5. (A)
  6. Il a tant rêvé d'elles
  7. Elle se répète froidement
  8. Le coeur noir charbon
Gesamtspielzeit: 41:11 min

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Marküs

2022-02-11 15:35:55

Also hier gibt es wenig bis gar nix zu meckern. Celestes bestes weil abwechslungsreichstes Album. Und eine Top Produktion ist das auch.

The MACHINA of God

2022-02-10 16:20:33

Geht mir genauso. Und "Fear" ist echt unfassbar gewachsen.

Aber falscher Thread. Sorry. :D

velvet cacoon

2022-02-10 16:19:35

ich bin Fanboy und gebe Aenima, Lateralus, 10000 Days und Fear Inoculum eine 10/10, Letzteres sogar mein Favorit
Aber hat alles ewig gedauert.

The MACHINA of God

2022-02-10 16:16:42

Hehe. Ja mir geht es genauso. Interessant, dass dz "Fear" anfangs so mittelmäßig fandest, ich hatte dich als den großen 10/10-Geber da in Erinnerung.

velvet cacoon

2022-02-10 16:15:34

ich muss wirklich dazulernen, je älter ich werde desto länger dauert das Ganze.
Aber ich muss doch einfach länger die Klappe halten.

bezüglich "Fear Inoculum"?

das hat ewig gedauert, aber bei der Band wusste ich in 2019, das das gut wird. Aber auch da habe ich Descending,Culling Voices und Tempest als Mittelmass gerankt.
Als ob ich nichts dazugelernt hätte.

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