Lamb Of God - Lamb Of God

Nuclear Blast / Warner
VÖ: 19.06.2020
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
6/10

The American scream

Es war mehr als nur eine sehr gute Platte, was Lamb Of God 2015 mit "VII: Sturm und Drang" ablieferten. Es war eine Demonstration, ein wuchtiges Beispiel dafür, wozu die Nachfolgegeneration der so genannten "Big 4" des Thrash Metal – insbesondere von Slayer als deren wohl härtesten Vertreter – imstande sein kann. Das wurde auch allmählich Zeit, werden doch auch die Nachfolger nicht jünger – immerhin ist Randy Blythe, Frontmann der Band aus Richmond, Virginia, mit 49 Jahren auch nicht mehr wirklich als Frischling in der Szene zu bezeichnen. Und doch war die Teilnahme an der Welttournee von Slayer zum Abschluss ihrer so legendären Karriere nicht mehr und nicht weniger als ein Ritterschlag, zumal für eine Band, deren erste Alben sehr deutlich von den Thrash-Ikonen inspiriert waren. Um es mal neutral auszudrücken...

Insofern müssen Lamb Of God mit ihrem selbstbetitelten achten Studioalbum nicht nur für das eigene Ego liefern, sondern sehen sich wie selten zuvor in ihrer Laufbahn einer nicht eben geringen Erwartungshaltung gegenüber. Die noch dadurch verstärkt wird, dass die Brüder im Geiste Machine Head eher mit sich selbst beschäftigt sind, als ernsthafte Konkurrenz darzustellen. Doch jeglicher Gedanke an Sättigung oder Bequemlichkeit in der Komfortzone wird schon mal durch das eröffnende "Memento mori" in kleine handliche Stücke zerhackt. Genauer gesagt, durch dessen messerscharfe Riffs, die die Spannung nach dem düsteren Intro auflösen, um dann in einem monumentalen Refrain zu eskalieren. Dazu braucht es noch nicht einmal Hochgeschwindigkeit, der barbarische Groove, zusammengenagelt durch den neuen Schlagzeuger Art Cruz, reicht dafür völlig aus.

Warum ein neuer Drummer so erwähnenswert ist? Zum einen sicherlich, weil Vorgänger Chris Adler einer von vier Studenten der Virginia Commonwealth University war, die quasi die Keimzelle der Band bildeten, und entsprechend leidlich angefressen via Facebook verkündet hatte, dass der Abgang nicht ganz freiwillig war. Zum anderen aber auch, weil es Cruz gelingt, ein bockstarkes Fundament unter die Songs zu hämmern und dadurch dafür zu sorgen, dass ein Song wie "Checkmate" das richtige Pfund Aggression erhält – genau richtig, um der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass der aktuelle Präsident der USA sich nicht allzu großer Beliebtheit in Richmond erfreut: "A coup d'état on full display, a liar's sick charade / A traitor's grand parade [...] Make America hate again." Hoppla.

Es muss diese aufgestaute Wut sein, die dafür sorgt, dass Lamb Of God auch im weiteren Verlauf des Albums auf großartige Experimente verzichten. Das ist durchaus etwas bedauerlich angesichts des Umstands, dass die Risikofreude der Band sicher einer der Erfolgsfaktoren für "VII: Sturm und Drang" war, auf der anderen Seite gewinnt "Lamb Of God" dadurch erheblich an Souveränität. Und mal ehrlich: Manchmal ist es auch prima, sich von wuchtigen Songs wie "New colossal hate" mal ganz schnörkellos die Visage polieren zu lassen. Und wer mag, darf sich durch die Gastauftritte von Jamey Jasta von Hatebreed oder dem Testament-Frontmann Chuck Billy auch zwei links, zwei rechts geben lassen, um im Bild zu bleiben. Vielleicht mag "Lamb Of God" nicht die ganz große Sternstunde wie der Vorgänger sein – Bands, die auf diesem Niveau performen, muss man dennoch mit der Lupe suchen. Wenn der Verzicht auf einen Albumtitel bedeuten soll, dass die Band und ihr Name für sich sprechen sollen, ist dies Randy Blythe und seinen Mitstreitern jedenfalls eindrucksvoll gelungen.

(Markus Bellmann)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Checkmate
  • New colossal hate
  • Routes (feat. Chuck Billy)

Tracklist

  1. Memento mori
  2. Checkmate
  3. Gears
  4. Reality bath
  5. New colossal hate
  6. Resurrection man
  7. Poison dream (feat. Jamey Jasta)
  8. Routes (feat. Chuck Billy)
  9. Bloodshot eyes
  10. On the hook
Gesamtspielzeit: 44:50 min

Im Forum kommentieren

MasterOfDisaster69

2020-07-28 17:37:05

so sieht es aus.

https://www.youtube.com/watch?v=2MwA3vatazw

Danke.

Dumbsick

2020-06-19 10:52:55

Weitere Rezension bei Transcended Music Blog:

https://www.transcendedmusic.de/2020/06/lamb-of-god-s-t-review/

Böllert sehr gut das album. Art Cruz macht seinen job gut und gefällt mir spontan mindestens so gut, wie der Vorgänger

Armin

2020-06-10 20:26:04- Newsbeitrag

Frisch rezensiert.

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