Cave In - Final transmission
Hydra HeadVÖ: 07.06.2019
The good die young
Die Gitarre ist verstimmt, aber das spielt keine Rolle. Charmant unsauber spielt Caleb Scofield zwei Minuten lang eine Songskizze, die auskomponiert nie das Licht der Welt erblickte. "Final transmission" eröffnet das gleichnamige Album mit einer emotionalen Wucht, die tiefer einschlägt als jede noch so herzzerreißende Ballade. Es handelt sich um eine Sprachnachricht von Scofield, seines Zeichens Bassist und Gitarrist von Cave In, an die restlichen Band-Mitglieder nach einem Proben-Wochenende im Februar 2018, das die vielbeschäftigten Musiker irgendwie zwischen ihre unzähligen Nebenprojekte einrichten konnten. Das kurze Stück wird eines der letzten Lebenszeichen sein, die Steve Brodsky, J.R. Conners und Adam McGrath von Scofield erhalten sollten. Am 28. März stirbt er bei einem Autounfall.
Welch großartiger Song aus der kurzen Skizze noch hätte werden können, wird niemand je erfahren. Vielleicht wäre sie auch bei der nächsten Probe verworfen worden. Es spielt keine Rolle, zeigen Cave In mit den ersten Minuten von "Final transmission", ihrem ersten Studioalbum seit acht Jahren, doch schlicht und einfach die große Bedeutung von einem ihrer musikalischen Kreativköpfe für den Schaffensprozess der Band. Mit diesem Kloß im Hals schreitet das Album ungeniert fort in "All Illusion", einer Placebo-esken Vorab-Single von fiebriger Psychedelik, die den Takt für die folgenden sieben Songs vorgibt. Wurden Cave In in der Vergangenheit trotz großer stilistischer Bandbreite eher diversen Metal-Spielarten zugeordnet, entfernen sie sich hier von den harten Stilrichtungen zugunsten von analogen Ausflügen in die Soundästhetik der 70er. "Shake my blood" etwa setzt in seinen ausschweifenden Instrumental-Passagen auf Flanger, Octaver, Fuzz und eine Sitar, ohne dabei verkrampft retro klingen zu wollen.
Bei allem analogen Charme sind Cave In weiterhin eine treibende kreative Kraft der Gitarrenmusik. Mit einigen Doom-Metal- und Noise-Referenzen gewinnt das Album über seine Länge an Härte und Intensität: "Led to the wolves" beendet diese außergewöhnliche Geschichte mit einem lärmenden und fast schon unbequemen Klanggewitter, das dennoch nur schwer über den unregelmäßigen Release-Zyklus der Band und den künstlerischen Verlust einer treibenden kompositorischen Kraft wie Scofield hinwegtrösten kann. Am Ende von "Final transmission" nochmal seinen eröffnenden Titeltrack zu hören, lässt die Tragödie noch realer erscheinen – sein letztes Album ist aber glücklicherweise eins, mit dem sich niemand verstecken muss.
Highlights & Tracklist
Highlights
- All illusion
- Shake my blood
- Winter window
Tracklist
- Final transmission
- All illusion
- Shake my blood
- Night crawler
- Lunar day
- Winter window
- Lanterna
- Strange reflection
- Led to the wolves
Im Forum kommentieren
The MACHINA of God
2019-09-24 13:59:24
Ok. Ich hab die PLatte etwas vergessen. Aber ich geb dem Album schon aufgrund des Hintergrunds nochmal ne Chance.
MasterOfDisaster69
2019-09-24 13:43:48
Hatte ich schon bemerkt, dass diese Platte bei mir mittlerweile in der Top5 des Jahres platziert ist.
8/10
The MACHINA of God
2019-06-16 19:29:23
Nach 3 Durchgängen noch sehr unauffällig. Am besten gefällt mir "Shake my blood".
Flimmern
2019-06-07 18:29:03
Einfach ne fantastische Band. Das hätten ursprünglich Demos bleiben sollen?
hos
2019-06-07 14:12:42
hab ihn gerade hinter mir. gleich nochmal :)
auffällig geil: All Illusion, Night Crawler, Winter Window.
Final Transmission (song) ist natürlich Sentimental-Boost. Hätte mehr sein können, wenn es sich nicht so sehr bei Pink Floyd bedienen würde.
Lunar Day auf Anhieb mein erster Skip-Kandidat.
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