Madonna - American life

Maverick / Warner
VÖ: 22.04.2003
Unsere Bewertung: 4/10
4/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Material world

"Do I have to change my name? Will it get me far?" Die Auftaktzeilen von "American life" stellen die Frage aller Fragen: Wer schreibt Madonna eigentlich vor, sich stetig und um jeden Preis verändern zu müssen? Ist es wirklich die Öffentlichkeit, die schon jeden Zentimeter von ihrer nackten Haut gesehen hat und nun nach immer mehr giert, sei es nur musikalisch? Oder ist es vielmehr Madame Ciccone selbst? Schließlich lernten wir Madonna über die Jahre hinweg als intelligente Frau kennen, mit allen kommerziellen Wassern gewaschen und sich selbst die größte Kritikerin. Hauptsache anders. "I've had so many lives since I was a child." Wohl wahr.

Was ist also neu an "American life"? Zunächst einmal dieses "Parental advisory"-Emblem, den sie sich mit den zahlreichen "Fuck it"s im Titelsong redlich erkalkuliert hat. Die auffälligste Veränderung indes ist natürlich der plakativ zur Schau gestellte, gespaltene Umgang der Wahl-Londonerin mit ihrem Mutterland Amerika. Auf dem Cover posiert sie als Che Guevara der Neuzeit, im Booklet im Army-Look mit gewaltigen Gewehren, und im berüchtigten Videoclip zu "American life" mit einer Handgranate als Feuerzeug für Bushs Zigarre. Am Ende hat sie sich zwar blamiert, indem sie das Filmchen "aus Respekt für die Soldaten im Krieg" zurückgezogen und durch eine peinliche Flaggenschau ersetzt hat. Aber Skandal sei Dank war sie einmal mehr zur rechten Zeit am rechten Ort: in den Schlagzeilen.

Marketing-Konzept hin, knallharte Geschäftsfrau her: Tatsächlich war es vor allem die Musik, mit der Madonna jahrelang die Konkurrenz auf Distanz gehalten hat. Mit "Ray of light" und "Music" stehen immerhin zwei Referenzwerke des modernen Dance-Pop zu Buche. Aber trägt sich die Zusammenarbeit mit Klangbastler Mirwais mit den tanztempeltauglichen French-House-Beats auch noch über ein weiteres Album? Und was hat sich seit den beiden einigermaßen revolutionären Vorgängern im Madonna-Sound geändert? Nicht viel.

Die hinreichend bekannte "American life"-Single glänzt höchstens durch die Skandale drumherum als durch die ungewohnten Tempowechsel und Madonnas holprigen Sprechgesang. Und die Bond-Nummer "Die another day" wurde als der schwächste Madonna-Song aller Zeiten verspottet. Zu unrecht. Der heißt nämlich "I'm so stupid" und wirkt zuverlässiger auf Geist und Seele als eine Familienpackung Schlafmittel. Seltsam, daß man auf "American life" über weite Strecken nicht die geringste Regung in den Beinen verspürt. "Hollywood" reitet immerhin noch beschwingt auf altbekannten Mirwais-Beats, "Mother and father" überrascht mit einem netten Loop, und die hübsche Streicher-Ballade "Nothing fails" gefällt genau so lange, bis nach drei Minuten der grausige Gospel-Chor losjodelt. Ob das aber wirklich noch genügt, um dem Trend vorauszueilen? Wie sang sie doch so schön im Bond-Filmchen: "I think I'll find another way." Viel Spaß beim Suchen!

(Armin Linder)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Hollywood
  • Nothing fails

Tracklist

  1. American life
  2. Hollywood
  3. I'm so stupid
  4. Love profusion
  5. Nobody knows me
  6. Nothing fails
  7. Intervention
  8. X-static process
  9. Mother and father
  10. Die another day
  11. Easy ride
Gesamtspielzeit: 49:34 min

Im Forum kommentieren

Apfelhundel

2020-07-12 16:56:45

Armin war nie für seine musikalische Expertise bekannt ;)

Allein der Opener ist doch so smart, dass man es hier mindestens mit einer 6/10 zu tun hat. Ihr Abstieg begann imho erst mit Hard Candy (zufällig als Lady Gaga die Bühne betrat und das Madonna-Konzept updatete), das hat niemand mehr gebraucht. Aber davor waren alle Alben immer mindestens gut.

Felix Klaus

2020-07-11 22:29:59

In meiner Hochzeit hier wollte ich auch mal die Einzelbewertungsnummer durchziehen, habs aber abgebrochen, weil es bei fast allen Songs auf 6-7 hinauslief, aber insgesamt eine 4/10? War schon irgendwie frech :) (nicht böse gemeint)

Edrol

2019-05-18 17:21:31

Ist auch mein liebstes Madonna-Album. Die Mischung aus Electronic und Akustikgitarre funktioniert hier sehr gut. Songs wie "Love Profusion", "Intervention" oder "Easy Ride" sind einfach schön.

Günni

2019-05-18 15:14:37

Dass das niedriger bewertet ist als die letzten beiden, finde ich auch nicht angemessen. Ein Lied auf dem Level von Love Profusion hat sie schon lange nicht mehr hingekriegt.

Caesar

2019-05-18 07:05:26

Ist mit 4/10 aber wirklich gnadenlos unterbewertet. Das kommende Album scheint allerdings in diese Richtung zu tendieren. Bis jetzt treffen 3 von 4 Songs absolut nicht meinen Geschmack, um es mal neutral zu formulieren.

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