Kylesa - Exhausting fire
Season Of Mist / SoulfoodVÖ: 02.10.2015
Erneuerbare Altbauten
2001 erheben sich Kylesa aus den Sümpfen in Savannah, Georgia. Im Laufe des ersten Jahrzehnts des Bestehens entledigten sie sich ihren ungestümen Ursprüngen und entfernten sich von Album zu Album immer mehr von den Crust-Smashern der Anfangstage. Kylesas Idee von Sludge-Metal wird zusehends sehniger und versierter. Dabei durchlaufen sie Phasen von vehementer Neuausrichtung, deren beiläufig gewonnener Innovationsgehalt seit dem vorläufigen Höhepunkt "Static tensions" sogar noch gesteigert werden konnte. Dessen Closer "To walk alone" ist dabei die vielleicht eindrücklichste Huldigung ihrer vierarmigen Schlagzeug-Heimsuchung und Kylesas musikalische Initialzündung eines "anything goes". Denn seitdem füllt sich ihr Arsenal an mehr oder weniger anverwandten Genres durch Ausflüge in Shoegaze, Psychedelic und Stoner gleichsam folgerichtig, wie en passant. Das sorgsame Ausbalancieren dieser vielfältigen Einflüsse, welche ihren ureigenen Sound noch eindrücklicher zu munitionieren vermochte, scheint paradoxerweise bis hin zu ihrem neuerlichen Werk "Exhausting fire" stets zu einer Verschlankung geführt zu haben, die eine endgültige Genre-Verortung stets raffiniert verunmöglicht hat.
Kylesa haben ihre mannigfaltigen Versuchsanordnungen über nunmehr sieben Veröffentlichungen durch die Bank weg in homogene Fixsterne verwandelt, die die zum Trio geschrumpften Band grundsätzlich in einem noch etwas begünstigenderen Licht erscheinen lassen und die im nächtlichen Himmel immer noch einen Funken heller erstrahlen als vergleichbare, komplexe Metal-Alben. Den Kompositionen haftet trotz einer graudüster-schattierten Grundstimmung eine grenzenlose Spielfreude an. Mit einer fast unbekümmerten Verspieltheit begegnen Kylesa den deprimierenden Anklängen und transportieren ihre Riffs dadurch in luftige Höhen. Das mit fast sechs Minuten längste Stück "Shaping the southern sky" untermauert diese Feststellung noch prägnanter als das mit drückenden Gitarren bis zum Hals vollgepackte "Blood moon", in welchem der verzerrte Doppelgesang nur einige Sekunden mithilfe einer Akustikgitarre der angestauten Wut entkommen kann. Laura Pleasants' Gesang verleiht in "Lost and confused" zu Beginn der weicheren Seite Ausdruck, bevor ein typisch unvermittelter Kylesa-Aufbruchsmoment das Gebell von Philip Cope in Szene setzt; ein einfaches Break wird zum feinsinnigen Winkelzug, um Fahrt aufzunehmen.
Gleichwohl auch "Exhausting fire" ein kolossales Gebräu aus knallhartem Schlagzeug und ein waghalsig einander die Luft raubendes Bass-und-Gitarren-Gelage ist, sind dessen nachdrücklichste Momente die ruhigen. Erst seit "Spiral shadow" sind sie sich ihrer besonneneren Seite bewusst geworden und arbeiten gerade in der Mitte von "Exhausting fire" die im Rahmen der letzten Platten hinzugewonnenen Tendenzen ins Schwelgerische entschlossen aus. Der von Cope gesungene Midtempo-Song "Moving day" macht in dieser Hinsicht den vorsichtigen Anfang, wird aber von dem langsam sich entfaltenden, hochtönenden Gitarrenmotiv von "Falling" auf allen Ebenen übertroffen. Das in der Mitte von "Exhausting fire" lodernde Stück wird von Shoegaze-Gitarren in eine kristalline Gothic-Stimmung getragen, in welcher sich Pleasants' Gesang in schwärmerische und emotionale Töne färbt. Doch selbst in "Falling" bedrohen Kylesa zum Abschluss noch sämtliche Lärmschutzwälle, sodass der Begriff "ruhig" dementsprechend nur in Relation zu den stürmischen Exzessen der Anfangstage und den nach wie vor vorhandenen Peitschenhieben aus gewaltigen Riffs verstanden werden darf.
"Exhausting fire" führt die beharrliche Entwicklung Kylesas unbeirrt fort. Einerseits setzt sie sich aus den Trademarks der bisherigen Diskographie zusammen. Andererseits werden diese präzise auf ihre Essenz zurückgeschnitten, damit den widerständigen Altbauten eine bedachte Innovation an die Seite gestellt werden kann. Diese andauernde Synthese aus Alt und Neu lässt Kylesas Klangwelten sowohl beständig und erneuerbar gleichermaßen erscheinen.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Shaping the southern sky
- Falling
- Blood moon
Tracklist
- Crusher
- Inward debate
- Moving day
- Lost and confused
- Shaping the southern sky
- Falling
- Night drive
- Blood moon
- Growing roots
- Out of my mind
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doept
2026-06-18 22:37:34
Gab vor ein paar Wochen auch eine höhenswerten Podcast mit Laura Pleasants bei Visions (oder den anderen üblichen Plattformen):
https://www.youtube.com/watch?v=bO-UPBB21LM
"Soundtrack meines Lebens" ist sowieso sehr empfehlenswert!
Bonzo
2026-06-18 22:26:35
Leider alles zu weit weg für mich.
Hab sie mal in nem Stuttgarter Jugendzentrum mit 4 Black Metal Bands im Vorprogramm gesehen.
doept
2026-06-18 21:32:06
Köln war super gestern!
War ein ziemlich hartes Set, mit Schwerpunkt auf Spiral Shadow und Static Tensions, d.h. ruhigere Songs gab's kaum.
Aber musikalisch sind sie halt weiterhin top, insofern hat das wirklich Spaß gemacht.
Das Gebäude 9 war auch recht gut gefüllt, das hatte ich anders in Erinnerung; auf den Konzerten die ich damals gesehen habe (das war aber nicht in Köln) war die Anzahl der Zuschauer eher überschaubar.
Schön dass Kylesa zurück sind!
Hierkannmanparken
2026-06-01 11:34:55
Sie sind seit 2024 wohl wieder aktiv und kommen diesen Sommer nach Europa!
06.06. Siegen, Freak Valley
16.06. Neunkirchen, Stummsche Reithalle
17.06. Köln, Gebäude 9
31.07. Jena, Kassablanca
01.08. Michelau, Rock im Wald
02.08. Cottbus, Blue Moon
11.08. Wiesbaden, Schlachthof
13.08. Seelbach, Hoflärm
Ich hab mal nur die DE-Termine aufgelistet, weil es eine sehr umfangreiche Tour ist. Den Rest gibt's hier:
https://www.kylesamusic.com/
Euroboy
2016-05-01 19:28:25
Kylesa kündigen einen "Indefinite Hiatus" an, was nach den eher mauen letzten Alben der Band wahrscheinlich eine ganz gute Idee ist.
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