K's Choice - The phantom cowboy

Wallaby / Sony
VÖ: 05.06.2015
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Durchs Feuer

"There's a chair in my head / On which I used to sit / Took a pencil and I wrote / The following on it" – diese ersten Zeilen von "Virgin state of mind", die einem so wunderbar die wütend-verwirrte Teenie-Seele gestreichelt haben ... Man hat sich irgendwie verstanden gefühlt von den enigmatischen Texten und melancholichen Melodien, die K's Choice damals, Ende der 90er, zum Weltschmerzmittel erster Wahl machten. Über 20 Jahre existiert die Band um Sarah Bettens schon, und wenn sie nicht gerade mit ihrer Gattin die vier gemeinsamen Kinder bespaßt, arbeitet Bettens in ihrer Wahlheimat Johnson City, Tennessee, als Feuerwehrfrau. Zum Glück hat sie ihre Kernkompetenz aber nicht an den Nagel gehängt und jetzt mal wieder ein Album geschaffen, das neue Wege geht, ohne die Wurzeln zu vergessen.

Der Titel "The phantom cowboy" lässt allerdings schon erahnen, dass der Sound ein wenig amerikanischer ausfällt als auf den früheren Platten. Der Einstieg klingt zwar noch sehr nach den alten, 90s-Grunge-lastigen K's Choice, aber schon bei "Woman" kracht satter Bluesrock über den Hörer hinein, Bettens' tiefe Stimme macht sich wie zu erwarten ganz ausgezeichnet in diesem Genre. Mit "Private revolution", "We are the universe", "Come alive" und "Down" spielt die Band ein bisschen mit bassgetriebenem, melodischem Alternative Rock zwischen Foo Fighters, Pearl Jam und Placebo. Bei "Gimme real" wird es dann wieder sumpfiger, donnerndes Hardrock-Schlagzeug, Sägegitarren und Bad-Company-Gedächtnis-Keyboard machen Lust auf eine spontane Autospritztour auf dem Highway.

Ein absoluter Höhepunkt ist der Titeltrack, der mit rostiger E-Gitarre und Piano eine wunderbar staubige Westernatmosphäre schafft. "I came a long, long way just to be where I am / I followed no one down and I'm not the same / I saw the wretched mountain of disbelief / I walked right through it and I know what I need", raunzt Bettens ins Mikrofon und ist dabei mehr breitbeiniger Maverick als Wyatt Earp und Jesse James zusammen. Ihre Stimme hat auch nach 20 Jahren nichts an ihrer hypnotischen Kraft eingebüßt. Zum Ausklang haut die Wahlamerikanerin noch einen gut gelaunten Rockabilly-Schwinger mit "I was wrong about everything" raus, einer augenzwinkernden Abrechnung mit der Verflossenen, die den verwirrten Teenie von damals ausgelassen durch die Wohnung tanzen lässt.

Ja, K's Choice haben einen langen Weg hinter sich und sind dabei doch irgendwie die Alten geblieben, ihre introspektive Melancholie haben sie aber gegen einen etwas selbstbewussteren, rotzigeren Sound eingetauscht. "Phantom cowboy" liefert eine schöne Achterbahnfahrt der Genres und Gefühle, versteht, baut auf oder streckt einfach den Mittelfinger raus und ist damit einmal mehr der perfekte Soundtrack, wenn einem die Seelenwelt so richtig in Flammen steht. Mit Feuer kennt sich Frau Bettens schließlich aus.

(Martina Bähring)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • The phantom cowboy
  • Gimme real
  • I was wrong about everything

Tracklist

  1. As rock n roll as it gets
  2. Woman
  3. Perfect Scar
  4. Private revolution
  5. We are the universe
  6. The phantom cowboy
  7. Bag full of concrete
  8. Come alive
  9. Gimme real
  10. Down
  11. I was wrong about everything
Gesamtspielzeit: 30:19 min

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musie

2015-05-28 06:40:07

ist für mich die Enttäuschung des Jahres...

Armin

2015-05-27 21:58:37

Frisch rezensiert! Meinungen?

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