Madsen - 10 Jahre live

Columbia / Sony
VÖ: 13.06.2014
Unsere Bewertung: 6/10
6/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Die Unscheinbaren

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, an dem durch Zufall Geschichte geschrieben wird. So in etwa könnte man Madsens Auftakt zur Zehn-Jahre-Jubiläums-Konzerttour durch Hamburg, Ende des Jahres 2013, beschreiben. Rückblende: Es war die Nacht vom 14. auf den 15. Dezember: Kurz nachdem Madsens schweißtreibender Auftritt im Molotow am Spielbudenplatz beendet war, verließen nicht nur euphorisierte Madsen-Fans das Molotow, sondern auch hunderte Bewohner der benachbarten Esso-Häuser ihre vier Wände – unfreiwillig, wegen Einsturzgefahr. Damit war gleichzeitig auch das unwiderrufliche Aus für den kultigen Molotow-Standort besiegelt.

Schon ein bisschen skurril: Der letzte Gig im bekanntesten Konzertkeller der Hansestadt, in dem einst The White Stripes, The Killers oder die Toten Hosen ihre Karrieren quasi starteten, war ein Madsen-Konzert. Madsen – ja, genau. Zehn Jahre sind mittlerweile schon vergangen, seitdem man sich ihren Song "Die Perfektion" erstmals gegenseitig ins Gesicht schreien durfte. Madsen waren dabei in all den Jahren meist die irgendwie schüchterne, unscheinbare Rockband. Trotz Chartserfolgen stand der Fünfer um die Madsen-Brüder Sebastian, Johannes und Sascha Madsen und nur selten im absoluten medialen Fokus, dennoch füllen sie die Konzerthallen. Der Boulevard bekam kaum mal sein Futter, und doch wuchs die Madsen-Hörerschaft stetig. Nun, nach fünf Alben, erscheint also das lange überfällige Live-Album.

Und das ist ein ordentliches, 24 Songs aufweisendes Zeugnis einer für Madsen selbst durchaus besonderen Konzert-Reise durch die eigene Historie geworden. Fünf Konzerte in fünf Hamburger Clubs, an jedem Abend ein Album in chronologischer Reihenfolge. Das krachige Debut "Madsen" gab’s im Molotow, den Nachfolger "Goodbye Logik" passenderweise im Logo, weiter dann über "Frieden im Krieg" im Knust und "Labyrinth" im Grünspan, bis hin zur letzten Platte "Wo es beginnt", die in der Markthalle zum Besten gegeben wurde. Viele Fans erlebten sie gleich alle – diese fünf Abende mit großen und kleinen Hits sowie überraschenden und weniger überraschenden Gastmusikern wie etwa Thees Uhlmann, Fettes Brot, Bosse, Virginia Jetzt!, Deichkind, Superpunk oder Egotronic.

Dieses Album versammelt die Highlights und bringt dabei die Euphorie der Band gut rüber: In jenen Nächten wäre man am liebsten gar nicht von der Bühne gegangen. Es sind aber auch die vielen, teilweise wie um ihr Leben singenden und kreischenden Menschen vor der Bühne, die einen wichtigen Part zu dieser Platte beitragen, eher sogar ein Teil dieser sind. Bei nahezu jedem Song bekam das Publikum die Gelegenheit, seine Textsicherheit lauthals zu beweisen – und tat dies ziemlich eindrucksvoll. Hinzu kommt die druckvolle, nicht zu glatte Produktion, die Schweiß, Extase und Pogo-Pit unvermittelt durch die Lautsprecher jagt. Blickt man in die Zukunft, so ist wohl klar: Eine geschichtsträchtige Rolle wird diese Live-Platte trotz ihres Unterhaltungspotenzials eher nicht einnehmen. Madsen selbst ist diese seit dem 15. Dezember 2013 aber nicht mehr zu nehmen. Zumindest, wenn es um die Historie der Hamburger Kultur geht.

(Eric Meyer)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Vielleicht
  • Ein Sturm
  • Du schreibst Geschichte
  • Labyrinth

Tracklist

  • CD 1
    1. Intro
    2. Vielleicht
    3. Die Perfektion
    4. Diese Kinder
    5. Panik
    6. Ein Sturm
    7. Goodbye Logik
    8. Durch die Wüste
    9. Nachtbaden
    10. Nitro
    11. Kein weg zu weit
    12. Kein Mann für eine Nacht
  • CD 2
    1. Intro
    2. Labyrinth
    3. Mein Herz bleibt hier
    4. Mit dem Moped nach Madrid
    5. Du schreibst Geschichte
    6. Berlin
    7. Wo es beginnt
    8. Baut wieder auf
    9. Lass die Musik an
    10. So cool bist du nicht
    11. Love is a killer
    12. Alarm im Paradies
    13. Nachtbaden (Reprise)
Gesamtspielzeit: 106:21 min

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