Todd Terje - It's album time

Olsen / Rough Trade
VÖ: 04.04.2014
Unsere Bewertung: 8/10
8/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10

Fahrstuhl ins Glück

Kinder! Essenszeit! Wie ungelegen Muttis Rufe doch immer kamen. Da stand die größte Sandburg der Welt kurz vor der Fertigstellung, da war Stegosaurus Superstark gerade schwer damit beschäftigt, die Playmobil-Menschheit zu retten – und dann kommt so etwas Unnötiges wie Essen dazwischen. Todd Terje ist kein Kind mehr, doch das merkt man kaum. Nur die Unabhängigkeit der Erwachsenen genießt er sichtlich: Musizieren, wann das Herz begehrt, unverbindlich hier und da mal was veröffentlichen – wenn hier einer ruft, dann nur er selbst: "It's album time" hätte es auch schon vor zehn Jahren heißen können, als die Single "Eurodans" das Licht der Welt erblickte. Aber der kleine Terje Olsen wollte nicht aus dem Spieleparadies abgeholt werden und warf nur ab und an mal einen Bauklotz durch die Gegend. Jetzt hat er sich aufgerafft, daraus ein Schloss zu errichten: knallbunt, mit schiefen Wänden, wild bemalten Decken und Türen, die ins Nichts führen.

Terje gibt elektronischer Musik den Humor, der ihr immer gefehlt hat. Hier hat "ernstzunehmend" nichts mit "ernst" zu tun, hier ist das Grinsen breiter als die Subwoofer-Membran. Stilistisch ist das (Italo-)Disco, funky House und Fusion-Jazz, nach "Alfonso Muskedunder" denkt über Stile aber niemand mehr nach. Die Idee zu dieser völlig abgedrehten Alles-Fusion kann eigentlich nur mit Sonnenstich entstanden sein: Jazzband, Kammerorchester und Psycho-DJ jammen am Strand auf LSD. Terje selbst behauptet, all das sei "gute, tanzbare Fahrstuhlmusik." Stellt sich die Frage, wo der Mann Fahrstuhl fährt. Tanzbar aber ist das allemal, unter freiem Himmel noch mal doppelt infektiös, und irgendwie gleichzeitig retro und modern.

Es gibt Momente auf "It's album time", in denen Terjes albern-verkopfter Spieltrieb die Grenze des Erträglichen kitzelt. Da lohnt es sich, der Platte von vornherein in der richtigen Stimmung zu begegnen – am besten kichernd in Bermuda und mit Strohhalm im Mundwinkel. "Strandbar"-Feeling eben. Der so betitelte Track gehört hier zwar zur leichteren Kost, lädt mit seiner lässigen Piano-Hook aber zu ekstatischem Popowackeln ein. "Svensk sås" zwirbelt aufgeregte Salsa-Rhythmen aus Scat-Gesang, und Terjes bisher vielleicht größte Single "Inspector Norse" beschließt das Album. Der Norweger wirft zusammen, was ihm Spaß macht, und schafft gleichzeitig ein schön rundes Ganzes – nur an einer Stelle stockt der Aufzug kurz: Seine Downtempo-Interpretation von Robert Palmers "Johnny and Mary" mit Bryan-Ferry-Feature ist gar nicht schlecht gemacht, wirkt in diesem Kontext aber irgendwie befremdlich. So einen kitschigen Schwenker in die Mitte dieser komplett konträren Platte zu pflanzen, kann aber eigentlich nur als weitere Demonstration von Terjes abstrusem Humor gemeint sein. Bitteschön, Spaßvogel.

(Konrad Spremberg)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Strandbar
  • Delorean dynamite
  • Oh joy
  • Inspector Norse

Tracklist

  1. Intro (It's album time)
  2. Leisure suit Preben
  3. Preben goes to Acapulco
  4. Svensk sås
  5. Strandbar
  6. Delorean dynamite
  7. Johnny and Mary (feat. Bryan Ferry)
  8. Alfonso Muskedunder
  9. Swing star, Pt. 1
  10. Swing star, Pt. 2
  11. Oh joy
  12. Inspector Norse
Gesamtspielzeit: 59:11 min

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koekoe

2014-12-08 21:19:30

Joa immer mal wieder. Johnny und Mary passt mittlerweile auch trotzdem ganz gut.

Demon Cleaner

2014-12-05 15:36:55

Ja, könnte ich auch mal wieder hören, wobei es für mich doch mehr ein Sommeralbum ist.

rollator

2014-12-05 14:48:20

Auch (oder gerade)jetzt wo es kalt wird. *move*

captain kidd

2014-05-05 23:00:03

ja, doch. gutes ding. fetzig.

K.A.

2014-04-27 22:19:28

Delorean dynamite hätte so auch vom aktuellen daft punk sein können.

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