Blood Red Shoes - Blood Red Shoes

Jazz Life / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 28.02.2014
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Ganz schön schmutzig

Von Brighton nach Berlin: Im Frühjahr 2013 machten sich Laura-Mary Carter und Steven Ansell auf ins "Dicke B", um dort an neuen Songs zu arbeiten. So entstand das vierte, selbstbetitelte Album von Blood Red Shoes also in der deutschen Hauptstadt. Für sechs Monate zog sich das Duo in ein Studio in Kreuzberg zurück, komponierte, schrieb Texte und nahm die Platte schließlich in vollständiger Eigenregie auf. "Heraus kam unser bisher rauestes, kräftigstes, sexiestes und überzeugtestes Album", weiß Ansell heute zu berichten. Da hat er Recht!

Beim 2012er Vorgänger wurde noch bemängelt, Blood Red Shoes seien älter, ruhiger und gesetzter geworden. Nix da. Was für "In time to voices" galt, gilt für "Blood Red Shoes" so gar nicht mehr. Der Sound ist schmutzig und ungehobelt, erinnert an die frühen The White Stripes mit wesentlich ausführlicher Instrumentierung. Das liegt aber mitnichten an der Neuerfindung des eigenen Stils, sondern schlicht daran, dass Carter und Ansell endlich einmal ungehemmt losrocken konnten. Schon beim instrumentalen Opener "Welcome home" wird musikalisch ordentlich gemetzelt: Die Gitarrenwand türmt sich immer höher auf, der Beat zieht die Geschwindigkeit an, mit jedem Break setzt eine neue, noch infernalischere Spur ein. Blood Red Shoes sagen "Schön, dass Du wieder dabei bist", recken die Faust und brüllen "Rock'n'Roll!".

"Everything all at once" schließt furios an, die Gitarre übersteuert in tiefen Sphären, lässt sich auf ein Techtelmechtel mit dem Garage-Rock ein, obgleich der Chorus vor allen Dingen melodiös überzeugt. "An animal" lässt das Biest kurzzeitig entkommen, Ansells verzerrte Stimme jedoch marschiert ihm entschlossen entgegen, die Gitarre übernimmt die Hookline und schlägt Alarm, Assoziationen zu Yeah Yeah Yeahs liegen nahe. Ein Industrial-Break-Part zur Hälfte lässt das Feuer erneut auflodern. Chaos bricht aus, doch als Carter und Ansell den Song ohne Instrumentierung ausklingen lassen, hat alles wieder seine Ordnung. Mit "Cigarettes in the dark" liefert das Duo zumindest noch einen weitestgehend ruhigen Track, tröpfelnd bewegt sich Carters Stimme durch Synthiegebimmel und kratziges Saitengezupfe, bis der Song schließlich doch explodiert.

Der neue, dreckigere Anstrich steht der Musik von Blood Red Shoes jedenfalls hervorragend zu Gesicht und dürfte diejenigen, die die Band längst abgeschrieben hatten, wieder versöhnen. In "Blood Red Shoes" steckt eine Menge hörbares Herzblut, es ist nicht nur die raueste, kräftigste, sexieste und überzeugteste Platte des Zweiers, sondern auch ihr heißester, künstlerisch ausgeklügeltster Tonträger. Richtig scharf wird's eben erst, wenn's schmutzig wird.

(Pascal Bremmer)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Everything all at once
  • An animal
  • The perfect mess

Tracklist

  1. Welcome home
  2. Everything all at once
  3. An animal
  4. Grey smoke
  5. Far away
  6. The perfect mess
  7. Behind a wall
  8. Stranger
  9. Speech coma
  10. Don't get caught
  11. Cigarettes in the dark
  12. Tightwire
Gesamtspielzeit: 37:52 min

Im Forum kommentieren

Huhn vom Hof

2014-04-18 21:06:00

Die sind live ganz gut, hab sie gestern mit einer Freundin angeschaut. Recht kurzes Vergnügen und fast nur laute, treibende Songs.

nicko

2014-04-07 13:41:53

Ist mir ein Rätsel, warum die Band hier so wenig Beachtung findet - sind ja nahezu schon Haudegen.
Die neue Platte wartet mit ordentlich Power und in weiten Teilen mitreißenden Melodien auf. Deutschland-Termine im April stehen ebenfalls an.
Aufmerksamkeit für ein großartiges Duo Rockmusiker, bitte!

Dein Name

2014-02-25 17:58:15

zum Stream:
http://www.nme.com/news/blood-red-shoes/75690

Geroelheimer

2014-02-24 13:38:02

Auf deren Facebook Seite kann man seit heut denn Strem hören. Auf jeden Fall die Erste Positive Überraschung des Jahres! Hätte nicht gedacht das die mal so ein starkes Album rausbringen.

die rezension

2014-02-19 08:58:47

also die rezension liest sich wirklich positiv! den vorgänger fand ich zu lasch, aber das klingt endlich mal wieder nach einer... rockenden (?!) platte. bin gespannt, hatte die beiden eigentlich schon abgeschrieben

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