The Veils - Time stays, we go
Pitch Beast / Rough TradeVÖ: 26.04.2013
Die Hütte brennt
Den Täter zieht es an den Tatort zurück. So auch The-Veils-Frontmann Finn Andrews. Allerdings geht es in diesem Fall nicht um ein Verbrechen, sondern um die Brechnuss - "Nux vomica". So hieß das zweite und mindestens zweitbeste Album der Londoner Band mit neuseeländischen Wurzeln. Aufgenommen wurde es in den Seedy Underbelly Studios im Laurel Canyon, Los Angeles, wo nun auch ihr viertes Werk "Time stays, we go" entstanden ist. Gemischt, ebenfalls wie "Nux vomica", vom legendären Bill Price (The Clash, Sex Pistols, The Jesus And Mary Chain), der dafür extra seinen wohlverdienten Ruhestand unterbrochen und der Platte diesen ganz speziellen, warmen, vollen Analog-Sound verliehen hat.
In guter alter The-Veils-Tradition befinden sich auch auf ihrem neuen Werk exakt zehn Songs - und das, obwohl Andrews seit dem 2009 erschienenen "Sun gangs" Hunderte neuer Lieder komponiert haben soll. Von Fließbandarbeit ist jedoch nichts zu spüren, jedes Stück präsentiert sich als eigenständiges Individuum. Mit anderen Worten: "Time stays, we go" hält nahezu alles, was man sich von einem The-Veils-Album verspricht - die Opulenz, die großen Melodien, die exzessive vokale Leidenschaft, die stürmischen Gitarren, das Drama. Allerdings hat Andrews mittlerweile einen neuen, interessanten Vergleich für seine Musik gefunden: "Roy Orbison having a weird day out in the desert with The Stooges."
Auffällig ist auch dieses Mal die beeindruckende Kompromisslosigkeit der Band, nicht nur in musikalischer Hinsicht. Die ersten drei Stücke verkünden unmissverständlich: Es gibt kein Zurück. "You can't go back", heißt es im herrlich polternden Opener "Through the deep, dark wood" mit Hammond-Orgel-Antrieb, explosivem Schlagzeug und üppigen Gitarren. Das ausgesprochen kraftvoll voranschreitende "Train with no name" proklamiert "There's no turning back", während das mystische "Candy apple red" - in Begleitung einer geheimnisvollen Gitarre, eines verdächtig schleichenden Basses und unheilvoll bebender Percussion - die Botschaft "Now the chance has passed / Time's a one-way track" überbringt. Man kann also nun wirklich nicht behaupten, dass The Veils ihre düstere Melancholie auch nur ansatzweise abgelegt hätten.
Umso größer ist die Überraschung darüber, dass "Turn from the rain" sich als mopsfideles, unverschämt beschwingtes Stück mit luftiger Klampfe und charmanten Bläsern erweist. Auch wenn Andrews es sich nicht nehmen lässt, die Melodieführung kurz in Richtung Moll zu lenken. Das darauffolgende "Birds" zieht die Stimmung dann ebenso fachgerecht wie stilvoll wieder runter: Andrews sinniert über die Vergänglichkeit, hinreißend wie immer, feiert in "Another night on Earth" dann aber doch lieber das Leben. Mit dem schönsten Refrain der Platte, beatleskem Piano, lieblichem Chorgesang, Sechziger-Jahre-Flair und einem wunderbaren Bläser-Solo. The Veils liegen auf ihrem neuen Werk einfach verdammt oft richtig. Nur im Hinblick auf die titelgebende Zeile "Time stays, we go" muss man ihnen vehement widersprechen: Wem so ein Album gelingt, der bleibt. Und zwar deutlich länger als 40 Minuten und 29 Sekunden.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Through the deep, dark wood
- Train with no name
- Birds
- Another night on Earth
Tracklist
- Through the deep, dark wood
- Train with no name
- Candy apple red
- Dancing with the tornado
- The pearl
- Sign of your love
- Turn from the rain
- Birds
- Another night on Earth
- Out from the valley & into the stars
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