Regina Spektor - What we saw from the cheap seats

Sire / Warner
VÖ: 25.05.2012
Unsere Bewertung: 5/10
5/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Regina im Wunderland

Das Leben ist ein Zeichentrickfilm. Oder etwa nicht? Man kann sich nach der Rezeption der neuen Platte von Songwriter-Darling Regina Spektor selbst nicht mehr ganz so sicher sein. An allen Ecken und Ende fliegen hier Schmetterlinge durch sanftes Licht, Rehkitze beschnuppern Blumenblüten und niesen anschließend. Natürlich ist das wahnsinnig süß, aber hin und wieder überschreitet Spektor mit erhobenem Haupt und völlig bewusst die Grenze zum Kitsch. Dies geschieht dann allerdings nicht mehr aus einer gewissen Anti-Haltung wie damals zu Zeiten des "Soviet kitsch". Auf ihrem sechsten Album "What we saw from the cheap seats" überspitzt Spektor ihren eigenen Sound, singt auch mal wieder französisch, wenn es richtig pathetisch-blümerant sein soll.

Sehr früh zieht einen Spektor mit beiden Händen hinein in dieses bunte, übertriebene Wunderland ihrer eigenen Imagination. Im exaltierten Eröffnungsstück "Small town girl" besingt die russischstämmige New Yorkerin die innere Zerrissenheit zwischen Heimatverbundenheit und Fernweh. Hier offenbart Spektor sicherlich auch viel von sich selbst, schließlich emigrierte sie einst selbst mit ihren Eltern von Moskau in die Vereinigten Staaten. Ein unwahrscheinlicher Culture Clash. Und wenn sie in "Don't leave me (Ne me quitte pas)" durch das regnerische Paris tänzelt und dabei ihre Liebe zur französischen Hauptstadt betont, dann fügt sich diese Zuneigung perfekt ins Bild: Spektor spielt hübschen Kunststudentinnen- und Kaffeehaus-Pop für die drastischen Tage des Jahres. Daran ist zweifelsohne nichts auszusetzen, "gefällig" kann man ja positiv wie negativ deuten. Nur erfüllt sie damit eben auch jedes denkbare Klischee.

Außerordentlich dramatisch inszeniert Spektor "How", das in seiner ganzen Verträumtheit nach Disney-Soundtrack klingt. Im positiven Sinne aber. Anmutender, graziler hätte auch Elton John eine solche Piano-Pop-Ode nicht komponieren können: "How can I begin again / How can I try to love someone new / Someone who isn't you / How can our love be true?" Da muss man dann schon ein Taschentuch zücken, so rührselig und schön ist das. Im Gegensatz dazu erscheint "Ballad of a politician" mit seinen vermeintlich kritischen Zeilen reichlich überkandidelt und abstrus. Spektors Politikverständnis endet offenbar leider beim Händeschütteln. Ist ja nicht schlimm, nur muss man darüber nicht zwangsläufig ein Lied verfassen.

Im gespentischen, verwunschenen Lovesong "Open" klingt die Amerikanerin dann plötzlich gar björkesk. Wie eine Karikatur ihrer selbst durchschreitet sie einen dunklen Wald: "I am through this woods and past the trains / I wait here in vain / Scrubbing out the stains again / Potentially lovely, perpetually human / Suspended and open". Alles um den Hörer herum verschwimmt in diesen Momenten in den verschiedensten Farbtönen, sämtliche Konturen werden unscharf. Zweifel setzen ein. Ist das jetzt noch real oder schon Fantasie? Das weiß wohl nicht mal Regina Spektor selbst.

(Kevin Holtmann)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • How
  • All the rowboats

Tracklist

  1. Small town moon
  2. Oh Marcello
  3. Don't leave me (Ne me quitte pas)
  4. Firewood
  5. Patron saint
  6. How
  7. All the rowboats
  8. Ballad of a politician
  9. Open
  10. The party
  11. Jessica
Gesamtspielzeit: 37:18 min

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Johne589

2019-07-17 05:26:35

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2012-02-28 13:22:59

Sehr fein!

HV

2012-02-28 13:21:23

bitte auflösen

Stephan

2012-02-28 13:16:54

Da bin ich gespannt. Neues Werk von Frau Spektor war ja schon für Mai angekündigt. Heute veröffentlicht sie daraus schon mal den Song "All the rowboats". Find ich nicht übel.

Auf der Homepage und ihrer Facebookseite gibt es den Song zu hören. Mit mehr Infos verfeinert an dieser Stelle

http://www.nme.com/news/regina-spektor/62298

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