Dredg - Chuckles and Mr. Squeezy
Vertigo / UniversalVÖ: 29.04.2011
Wer zuletzt lacht
Das schlechteste Album des Jahres! Ach was, des noch jungen Jahrzehnts, wenn nicht sogar aller Zeiten! Mindestens! Die ersten Hörproben aus "Chuckles and Mr. Squeezy" sorgten bei manchen Fans für ziemliche Ernüchterung - und deutliche Negativ-Hysterie. Seichte Lyrics, dumpfer Sound, einfältige Songstrukturen, seelenloser Synthesizer-Wave und Gitarren, die ziemlich - ja, welche Gitarren eigentlich? Und dann noch Dan The Automator als Produzent, ein HipHop-Mann, der vermeintlich so gar nicht zu dieser Band passt. Tja, was soll man sagen, nach einer bemüht unvoreingenommenen Prüfung? Die Unkenrufe stimmen leider teils.
Der unbedingte Drang zur Weiterentwicklung wird zu einem krampfhaften Anders-sein-Wollen, mündet aber meist in einem ordinären Gleich-Sein. Der Höhepunkt des Unfassbaren ist die schmierige Schlagerschmonzette "Where I'll end up", die in etwa so klingt wie man sich wohl einen Auftritt von Boney M. im ZDF Fernsehgarten vorstellen muss. Inklusive anschließendem Interview mit Andrea Kiewel. Aber jetzt, da die Flippers in Rente gehen, muss und kann wohl auch diese Lücke gefüllt werden. Schlechte Nachrichten allerdings für deren klöppelnden Krauskopf Manfred Durban. Einen neuen Schlagzeuger brauchen Dredg wohl nicht, die spielen jetzt lieber aus der Konserve. Auch der vor sich hin orientalende Abschlusstrack "Before it began" kommt nahe an die musikgewordene Talsohle heran und verschwindet dorthin, wo er hingehört: ins Nichts. Da kann man im Nachhinein eigentlich nur froh sein, dass "Another tribe", "Somebody is laughing" und "Sun goes down" so herzlich egal wie nur möglich sind. Zumindest hält sich der Ärger darüber in Grenzen, dass Dredg trotz aller hartnäckiger Versuche hier einfach kein vernünftiger Radiopop gelingen mag.
Dennoch gibt es auch auf "Chuckles and Mr. Squeezy" drei helle Sonnenstrahlen, die Dredg hinaus in die Welt schicken. "Upon returning" überzeugt alleine dadurch, dass er am ehesten daran erinnert, was möglich gewesen wäre. Und außerdem gibt es hier eine vergleichsweise saftig schneidende Gitarre sowie ein Schlagzeug, das so etwas wie Menschlichkeit verströmt. "Down without a fight" ist der einzige Ausflug in den düsteren Wave, der wirklich gelingt. Ein klasse Popsong, der am konsequentesten den Weg hin zum Elektro geht und damit genau den schrecklichen Eiertanz vermeidet, der "Chuckles and Mr. Squeezy" an vielen Stellen zum Verhängnis wird. Einen emotionalen Höhepunkt haben Dredg in "Kalathat" auch noch zu bieten. Reduziert auf das Nötigste, ausgestattet mit warmen Lyrics und einer anschmiegsamen Melodie fühlt sich Sänger Gavin Hayes zu Akustikgitarre und etwas Hintergrundgewaber durch die kurzen dreieinhalb Minuten. Nun könnte man natürlich fragen, warum das nicht auf Albumlänge möglich ist. Nützt ja nichts.
Es gibt weitere kleine Hinweise darauf, dass Dredg noch nicht abzuschreiben sind. Der schleppende Trip-Hop von "The tent" zum Beispiel, der nur etwas mehr Hingabe benötigt. Oder die Tatsache, dass das ansonsten zu sehnsüchtige "The ornament" nicht auch noch zum ganz großen 80er-Wurf ausholt und stattdessen das Saxophon und auch einen interessanten Gitarrenpart eher unterschwellig auftreten lässt. Außerdem ist die erste Single "The thought of losing you" doch ein wirklich netter Radiosong geworden. Es ist letztlich nicht nur die Fallhöhe, die der Band zum Verhängnis wird, sondern auch der zwingende Wille, endlich auf den großen Bühnen spielen zu wollen. "Chuckles and Mr. Squeezy" ist somit natürlich nicht das schlechteste Album des Jahres. Für den Titel der größten Enttäuschung 2011 haben sich Dredg aber schon einmal in eine komfortable Position gebracht. Und weit und breit kein Verfolger in Sicht. "Somebody is laughing"? Viele jedenfalls sind not amused.
Highlights & Tracklist
Highlights
- Upon returning
- Down without a fight
- Kalathat
Tracklist
- Another tribe
- Upon returning
- The tent
- Somebody is laughing
- Down without a fight
- The ornament
- The thought of losing you
- Kalathat
- Sun goes down
- Where I'll end up
- Before it began
Im Forum kommentieren
Mann 50 Wampe
2025-04-25 17:33:25
Das Album ist ganz einfach Mist. Mehr muss man nicht wissen.
Huhn vom Hof
2025-04-25 12:57:28
Obwohl, naja, die beiden Songs gehen schon klar. Aber C&MS ist schon ein krasser Abstieg im Vergleich zu den tollen 4 Vorgängeralben.
Huhn vom Hof
2025-04-25 12:56:32
@NeoMath
Ersteres. Es gibt für mich keinen Go-to-Song auf diesem Album.
NeoMath
2025-04-25 12:54:24
Highlights im Vergleich zum restlichen Schrott auf dem Album oder Highlight als "Top Song, steh ich total drauf"?
Huhn vom Hof
2025-04-25 12:47:18
Für mich sind "Upon Returning" und "Kalathat" die Highlights.
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