Wye Oak - Civilian

City Slang / Universal
VÖ: 04.03.2011
Unsere Bewertung: 7/10
7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
8/10

Kein Frühlingserwachen

Wye Oak waren schon immer irgendwie anders. Eine Frau und ein Mann, die stets den Anspruch hatten, tiefenstrukturierte Soundlandschaften zu errichten. Der Spagat zwischen LoFi-Rock und noisigen Popsongs ist ihnen dabei stets geglückt, jedoch nie mit solch einer Konsequenz und Grandezza wie auf ihrer dritten LP "Civilian". Dabei ist natürlich die Fähigkeit des Multitasking von herausragender Bedeutung: Jenn Wasner singt und spielt Gitarre, während ihr Backup Andy Stack zur gleichen Zeit an Drums und Keyboards herumwerkelt und somit der akribische Mittelfeldmotor dieses Doppels ist.

Das 2006 gegründete Duo benannte sich nach einer mächtigen, fast 500 Jahre alten Eiche, die zu einem Wahrzeichen von Maryland avancierte. Das Motto des kleinen Bundesstaates an der US-Ostküste lautet sinngemäß "Männliche Taten, weibliche Worte", und irgendwie passt das auch prima zu Wye Oak. Wasners unheilvoll-dunkle Stimme nimmt manchmal eine ähnlich schwerelose Form an wie die von Beth Gibbons, bedrohlich jedoch wirken die beiden nur in den seltensten Momenten. Dafür pumpen ihre Herzen noch zu viel Blut durch die lebendigen Körper. "Civilian" ist ein organisches und dichtes Album, das kleine Brücken baut: Pop-Melodien und kontrollierte Noise-Passagen, Shoegaze-Momente und Folk-Strukturen sind Bestandteile des bandeigenen Klangkosmos. Wye Oak klingen selten wie ein Duo, so druckvoll ist ihr Sound, so ausgereift klingt "Civilian".

"Holy holy" schlingert sich durch seine viereinhalb Minuten, erinnert in seiner hingebungsvollen Versponnenheit an die fantastischen letzten Deerhunter-Platten. Das windschief rudernde "Dogs eyes" drosselt das Tempo, nur um kurz darauf den sechsten Gang einzulegen: Wye Oak brettern den Song gegen eine kleine Wand aus Feedback, woraufhin er zu feinstem Staub zerfällt. Wenn es im holprigen Titelstück "Perfectly able to hold my own hand / But I still can't kiss my own neck" heißt, dann ist dies das bittere Antidot zum emotionalen Frühlingserwachen. Wenig auf "Civilian" ist bunt und farbenprächtig, Melancholie und Vergänglichkeit bestimmen die zehn Stücke. Kein Wunder: Vor ein paar Jahren wurde die stolze, namensgebende Eiche von einem Blitz getroffen und zerstört - und gilt seitdem als mächtiges Vanitas-Motiv in Maryland. Entstehen und Vergehen, das ist das Gesetz der Welt. Wye Oak haben den Soundtrack dazu.

(Kevin Holtmann)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Holy holy
  • Dogs eyes
  • We were wealth

Tracklist

  1. Two small deaths
  2. The alter
  3. Holy holy
  4. Dogs eyes
  5. Civilian
  6. Fish
  7. Plains
  8. Hot as day
  9. We were wealth
  10. Doubt
Gesamtspielzeit: 38:47 min

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Baltimore-Ranking

2012-05-31 19:25:45

Beach House 10.0
Animal Collective/Panda Bear 9.1
Future Islands 8.7
Lower Dens 7.3
Dan Deacon 7.1
Wye Oak 6.3

Nur Zur lnfo

2012-05-31 19:17:00

Die Reihenfolge geht natürlich anders:

Beach House < Lower Dens > Wye Oak

Baltimore-Ranking

2012-05-31 18:57:07

Beach House > Lower Dens > Wye Oak

Nach wie vor.

Nur Zur lnfo

2012-05-31 17:59:27

Wye Oak > Beach House.

Klangliche Ähnlichkeiten sind aber überschaubar.

Eierfurz

2012-05-31 17:44:35

aus der gleichen Stadt wie Beach House.

Klingen sogar nicht unähnlich oder?

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