Scorpions - Sting in the tail

Columbia / Sony
VÖ: 19.03.2010
Unsere Bewertung: 4/10
4/10
Eure Ø-Bewertung: 4/10
4/10

Herzstiche

Dass die Scorpions vor ihm abtreten, hätte sich Jopi Heesters wohl auch nicht träumen lassen. Aber es ist so: Anfang des Jahres kam die unglaublich scheinende Meldung, dass die Hannoveraner nach der Welttour zum aktuellen Studioalbum "Sting in the tail" in den musikalischen Ruhestand gehen, schlappe 46 Jahre nach Bandgründung. Verständlich, denn schließlich ist das Rentenalter auch für Klaus Meine und seine rockenden Berufsjugendlichen nicht mehr fern. Und man will halt aufhören, bevor es peinlich wird. Die süffisante Anmerkung, dafür sei es leider schon etwa 25 Jahre zu spät, kann man sich verkneifen, muss man aber nicht. Alle, denen die Niedersachsen schon seit jeher ein Graus oder egal waren, kratzt diese Nachricht ohnehin nicht. Wem der plötzliche und völlig verfrühte Abgang seiner Helden aber einen Stich ins vermutlich ebenfalls schon über 50jährige Herz verpasst, der kann sich immerhin mit einem Album trösten, auf dem die Scorpions noch einmal alles geben.

"Alles" lässt sich auch in diesem Fall natürlich auf die vier bekannten Buchstaben verkürzen: R-O-C-K. Das verdeutlicht schon ein Blick auf die Titelliste, die den Kenner vermutlich mit der Zunge schnalzen lässt. "Raised on rock". "Rock zone". "Let's rock". "Spirit of rock". Puh. Aber musikalische Versiertheit war ja noch nie die Sache der Scorpions, und so gibt es neben gewitztem Herangehen an das hochkomplexe Thema "Rock" auch noch rührselige (Rock-)Balladen über die - Achtung! - Liebe und die eine oder andere (rockige) Auseinandersetzung mit Bandgeschichte und Karriereende. "Sting in the tail" ist von vorne bis hinten als Abschied an die treuen Fans konzipiert, und diesen Auftrag erfüllt die Scheibe achtbar.

Das darf aber keine Entschuldigung für die immer noch zahlreichen musikalischen Gräueltaten sein, die Scorpions einem auch diesmal nicht vorenthalten. "Lorelei" etwa ist furchtbarer Kitsch, den wohl selbst Jon Bon Jovi nicht gutheißen könnte. Noch übler: "SLY", ein so dreister wie schlechter Rip-Off des eigenen Hits "Still loving you", lediglich notdürftig mit Initialen getarnt. Und so sehr man auch das Bemühen der Scorpions anerkennen muss, den zuletzt auf "Humanity - hour 1" eingeschlagenen Weg zurück zu den harten Wurzeln fortzuführen, geht die eindimensionale Rockerei auf Albumlänge doch schnell auf den Keks. Gitarrenriffs und Songstrukturen sind durchschaubarer als das Angriffsspiel von Hannover 96, Stimme und mangelhafte englische Aussprache Meines lassen so etwas wie Charme erst gar nicht aufkommen. So bleibt für jeden, der sich nicht das Bandlogo auf den Allerwertesten tätowiert hat, ein erwartet eintöniges Abschiedsalbum zurück. Ein paar nette Kopfnicker-Hymnen oder auch eine gelungene Halb-Ballade wie "The good die young" können eben nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Scorpions in Wirklichkeit mindestens 25 Jahre zu spät das Handtuch werfen. Aber wie heißt es so schön? Besser zu spät als nie.

(Mark Read)

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Highlights & Tracklist

Highlights

  • Raised on rock
  • No limit

Tracklist

  1. Raised on rock
  2. Sting in the tail
  3. Slave me
  4. The good die young
  5. No limit
  6. Rock zone
  7. Lorelei
  8. Turn you on
  9. Let's rock
  10. SLY
  11. Spirit of rock
  12. The best is yet to come
Gesamtspielzeit: 47:45 min

Im Forum kommentieren

Thomas Schadow

2010-08-25 06:57:53

Loudness war rules! Zu Tode komprimierte 0815 Metal-Matsche, die den Mannen um Meine nur schadet. Schade.

Der rockende Helge

2010-08-25 00:18:40

Was gibt das hier für ein unwürdiges Ende für eine der grössten deutschen Rock/Metal(!)-Bands aller Zeiten ???

Blenden wird doch einfach die Jahre 1992 - 2003 aus und wir haben einen echten ROCK-TITAN, wie Dittsche sagen würde.

In den Staub, zu Poden ihr Unwürdigen!!!

Donnie

2010-04-02 21:28:01

grandioses album!

so gefällt mir das ;)

Castorp

2010-04-01 21:16:18

Ich vermisse Uli Jon Roth. ;-)

Georg

2010-04-01 18:14:50

Hammeralbum, auch wenn ich das geniale Spiel von Francis Buchholz nach wie vor vermisse.

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